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Heilkräftige Quellen begründeten den Ruhm der Kurstadt Bad Harzburg 

Zwei Herzöge, ein Geologe, ein altgermanischer Gott  und ein mittelalterlicher deutscher Kaiser gaben die Namen

Von Klaus Röttger

Der gute Ruf des Bades Bad Harzburg beruht auf seinen heilkräftigen Quellen. Sie sind die Basis des Kurbetriebes und standen auch immer im gedanklichen Mittelpunkt der für den Fremdenverkehr  Verantwortlichen. Immer wieder wurden Versuche unternommen, neben den schon bestehenden neue Quellen zu erbohren, um ausreichend heilkräftiges Wasser zur Verfügung zu haben. Die meisten davon wurden im vorigen Jahrhundert gefunden. Sie dienen heute dem gesundheitsfördernden Baden und dem Trinken. Die Suche war jedoch oft schwierig und auch nicht immer vom Erfolg gekrönt. Manche mit großen Erwartungen begonnene Suche musste sogar ergebnislos abgebrochen werden.
Zwei Quellen, die Dr.-Harras-Schneider-Quelle und die Herzog-Johann-Albrecht-Quelle werden als Badequellen genutzt. Dafür gibt es eine moderne Sole-Therme. Drei weitere dienen zu Trinkkuren. Es sind dies die Krodoquelle, die Barbarossa-Quelle und die Schwefelquelle, die in der 1898 gebauten stilvollen Wandelhalle verabreicht werden. Die altehrwürdige Juliusquelle, der vor einigen Jahren im Badepark erschlossene ,"Urquell" und neuerdings eine Schüttung im Gläseckental dienen der Herstellung von Mineralwasser. Die erstere ist die von Herzog Julius erschlossene und über Jahrhunderte zur Salzgewinnung genutzte Quelle.

Am Anfang stand die Solequelle

Die Geschichte dieser Quelle begann bereits im 16. Jahrhundert. In dieser Zeit entdeckten aufmerksame Beobachter, dass die am Fuß des Burgbergs entspringenden Rinnsale salzhaltig waren. Nach vielen Problemen gelang es 1575 die Quelle nutzbar zu machen. Sie wurde für Jahrhunderte zur Grundlage der Saline und nach 1831 die Basis für das Kurbad.
Mit dem Wachsen des Bades wurde auch der Bedarf an heilkräftigem Wasser größer. Die Stadtväter kamen also überein, neue Quellen zu erschließen. 1873 wurde in unmittelbarer Nähe der alten Anlage der Krodoschacht niedergebracht und zwei Jahre später nutzbar gemacht. Die in den Jahren 1902/03 neu gefassten Zuflüsse kommen als Krodo- und Barbarossa-Quelle heute in der Wandelhalle zum Ausschank. Damals erfolgte das in einer Grotte aus Klymenien-Kalk. Sie enthielt eine Statue des vermeintlichen Götzen Krodo aus Zementguss. Geschaffen wurde sie von dem Bildhauer O. Rommel aus Hannover. Die Statue ist längst verschwunden. Die Grotte gibt es jedoch noch. Sie führt allerdings ein unscheinbares vernageltes Dasein und ist heute für den Kurbetrieb ohne jede Bedeutung.
1907 wurde dann die Johann-Albrecht-Quelle erbohrt. In einer Tiefe von 77 Metern fanden die Geologen mit ihr ein weiteres heilkräftiges Wasser, das heute für Wannenbäder und krankengymnastische Bewegungsübungen in Sole genutzt wird. Zusätzlich diente das Wasser  zur Mineralisierung des Krodobades und zur Inhalation. Es findet überdies Verwendung in Kliniken, Sanatorien und Hotels. Den Namen bekam die Quelle von Johann Albrecht von Mecklenburg, der am 28. Mai 1907 vom Landtag in Braunschweig zum Regenten gewählt worden war. Am 11. August des gleichen Jahres machten der Herzog mit seiner Gemahlin und dem König von Siam einen vielbeachteten Besuch in Bad Harzburg. Dieses Interesse für Bad Harzburg war sicherlich für die Namensgebung der neuen Quelle ausschlaggebend.
Das waren aber nicht die letzten Bemühungen, die Palette der Heilquellen zu erweitern.

Kein Erfolg bei der Suche

Den nächsten Versuchen blieb allerdings erst einmal der Erfolg versagt. 1913 errichtete man mitten auf der oberen Rudolf-Huch-Straße, zwischen der Radauburg und dem damals noch bestehenden Hotel Juliushall, einen großen hölzernen Bohrturm und versuchte wieder, Sole zu finden. Die Bohrungen lagen unmittelbar neben der Radau und machten deshalb den Technikern große Schwierigkeiten. Als erstes musste eine rund 30 Meter dicke Schicht alten Flussgerölls bewältigt werden, bevor der Meißel auf festes Gestein stieß. Nachdem man monatelang gebohrt hatte, musste das Scheitern des Unternehmens eingesehen werden. Sole war an dieser Stelle nicht zu finden.
Nach dem Ersten Weltkrieg wurde der nächste Versuch unternommen, auf Sole fündig zu werden. Diesmal setzte man im südlichsten Winkel des Casinoparks die Bohrung an. Auch hier wurde schließlich die Arbeit als sinnlos eingestellt. Der nächste Bohrversuch fand Mitte der 20er Jahre im Ortsausgangsbereich der Stadt in Richtung Torfhaus östlich der Straße statt. Die Stadt, die auch hier Unternehmerin des Versuchs war, kam es jetzt darauf an, wenn nicht Sole, dann wenigstens Trinkwasser zu finden. Leider blieb beides aus. Es gab keine Sole und kein Wasser in ausreichender Menge.

Die Schwefelquelle wird gefunden

Im Zuge dieser Versuchsbohrungen des Jahres 1925 wurde noch ein weiterer Versuch unternommen und zwar im Radautal in der Nähe des Radauwasserfalls. Ironischerweise galt hier die Bohrung ausschließlich dem Trinkwasser. Darum war das Missvergnügen der Stadtväter groß, als etwas anderes in 83 Metern Tiefe gefunden wurde: Eine Schwefelquelle, die reichlich floss und schrecklich roch. Schon bald wurde aber der Wert für das Heilbad erkannt. Es wurde zwar keine Leitung in den Kurbereich gelegt, das Bohrloch aber bereits 1931 mit einem Stahlzylinder gesichert und der Quellenbereich ausgebaut. Das bisher frei in die Radau abfließende Wasser wurde so gelenkt, dass es aufgefangen werden konnte, um es zu Trinkkuren im Badehaus zu verwenden. Heute wird das Wasser zusammen mit ,"Krodo" und ,"Barbarossa" in der Wandelhalle zum Trinken angeboten. Im Dezember 1963 wurde die gesamte Anlage der Quelle neu gefasst und mit einem Pavillon überdacht.

Erfolg in 762 Metern

Der große Schlag gelang den Bad Harzburgern aber dann im Jahre 1965. Mit Millionenaufwand war im Kurpark eine Bohrung niedergebracht worden, um an die begehrte Sole, wenn möglich auch Thermalsole, zu gelangen. Nach eineinhalb Jahren war es dann soweit. Am 7. Oktober 1965 meldete die Bohrfirma der Kurbetriebsgesellschaft einen ersten Erfolg in 762 Metern. Der Zufluss steigerte sich bereits am ersten Tag von Minute zu Minute auf eine Leistung von 75 Litern pro Minute. Der Solegehalt betrug 2,5 Prozent. In der Folgezeit wurde dann die Bohrung auf eine Tiefe von 850 Metern gebracht. Die Quelle bekam im Nachhinein den Namen des Geologieoberrates Dr. Harras Schneider, der maßgeblichen Anteil am Auffinden der Thermal-Sole gehabt hatte. Nach diesem Erfolg war der Bau eines Thermal-Sole-Bades nur noch eine Frage der Zeit. Das ,"Juliusbad", wie das Thermal-Sole-Bad  damals noch hieß, wurde am 24. August 1970 öffentlich eingeweiht, nachdem es seit Ostern schon einen Probebetrieb gegeben hatte. Der 24. August war nicht willkürlich gewählt worden. Am gleichen Tag des Jahres 1575, es war der Bartholomäustag, war dem Herzog Julius gemeldet worden, dass die Abteufung der ersten Bad Harzburger Quelle erfolgreich abgeschlossen worden war. Aus diesem Grund stiftete der Herzog ein Dankfest, das mit Unterbrechungen bis heute gefeiert wird.

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