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Heinrich besa√ü eine gute fundierte Bildung. Er sprach neben seiner Muttersprache flie√üend Latein und war √ľberdies ein guter Redner, der gern disputierte. √úbermittelt ist, dass er ungew√∂hnlich viele  Briefe geschrieben hat, um auf diese Weise seine Meinung kundzutun und andere zu √ľberzeugen. √úberdies war er k√ľnstlerisch und wissenschaftlich sehr interessiert. Eines haben ihm auch die geh√§ssigsten Gegner nie abgesprochen: Seine k√∂nigliche und kaiserliche Majest√§t. Selbst Lampert von Hersfeld r√§umt ein: ,,Jener Mann, als Herrscher geboren,  und aufgezogen, trug, wie es so hoher Abkunft geziemte, bei allen Missgeschicken stets einen k√∂niglichen Sinn. Er wollte lieber sterben als unterliegen."
Die Regierungszeit und damit fast das ganze Leben Heinrichs ist gezeichnet von einer Reihe ungew√∂hnlichster Ereignisse, die sich fest in das Bewusstsein der Nachwelt eingepr√§gt hat. Nach den Ereignissen seiner Jugend, die ihn wohl entscheidend gepr√§gt haben, folgt ein Leben, das ihn bis an die Grenzen des M√∂glichen, Machbaren aber auch Ertr√§glichen gebracht hat. Immer hat er dabei aber auch selbst provoziert, falsch reagiert und am eigenen Schicksal mitgewirkt. Die Jugenderlebnisse, soweit sie von den Chronisten √ľbermittelt worden sind,  sollen im Nachfolgenden das Wirken und Handeln des Regenten Heinrich verst√§ndlicher, vielleicht auch verzeihlicher, machen. Haben ihn  diese f√ľr ein Kind kaum zu verkraftende Erlebnisse geschadet oder haben sie ihn so hart gemacht, das er alles Sp√§tere zu ertragen und zu √ľberstehen vermochte? Waren  vor allem die ,,wilden J√ľnglingsjahre" ein Ergebnis der traumatischen Vorkommnisse?
Gleich nach seinem Regierungsantritt in j√ľngsten Jahren musste er sich mit einem Sachsenaufstand herumschlagen, an dem er allerdings auch nicht ganz unschuldig war. Die ,,herrlichste Reichsfest" auf dem Harzburger Burgberg in allern√§chster N√§he der Pfalz Goslar, gerade fertiggestellt, musste nach verlorener Schlacht geschleift werden. Mit dem Papst folgte ein Ringen um das Recht der Investitur. Mehrfach gebannt, verlassen und verraten musste er sich nach Canossa auf dem Weg mache, um den Papst reuevoll um Verzeihung zu bitten. 62 Schlachten, die nicht immer gewonnen wurden musste er schlagen, um Reichsf√ľrsten und widerborstige Reichsfeinde im Zaum zu halten. Am Ende zwingt ihn der eigene Sohn, auf den Thron zu verzichten. Selbst nach seinem Tod musste er jahrelang warten, bis er, erneut gebannt,  endlich in geweihter Erde, in ,,seinem" Dom in Speyer,  beigesetzt werden konnte. Welch eine Geschichte? Welch ein Leben?
Im Jahre 1050 wird Heinrich vermutlich in Goslar geboren. Als Knabe mit noch nicht ganz sechs Jahren muss er  auf den Vater verzichten. Der stirbt am 5. Oktober 1056 in der Pfalz Bodfeld. Die Mutter versucht, die Geschicke des Reiches weiter zu lenken, scheitert aber bald an den Interessen machthungriger F√ľrsten und eigenn√ľtzig agierender Bisch√∂fen. Vor allem diese Bisch√∂fe versuchen wenig sp√§ter mit krimineller Energie die Erziehung des jungen K√∂nigs an sich zu rei√üen. Schon 1053 wird der Knabe, als wenn Vater Heinrich III. den fr√ľhen Tod gesp√ľrt h√§tte, zum K√∂nig gew√§hlt und als Nachfolger vorgesehen. Der kleine Heinrich w√§chst, hier noch unter der Obhut der Mutter, im Bewusstsein auf, etwas ganz Besonderes, eben ein K√∂nig,  zu sein. Die K√∂nigswahl wird 1054 noch einmal wiederholt. Jetzt wird er auch noch Herzog von Bayern. Alles das wird f√ľr die charakterliche die Entwicklung des Kindes nicht  gerade f√∂rderlich gewesen sein.
Mit 12 Jahren geschieht dann etwas, was sicherlich zum Schl√ľsselerlebnis f√ľr ihn geworden ist: Der junge K√∂nig wird im April 1062, staatsstreich√§hnlich, entf√ľhrt. Bischof Anno von K√∂ln bem√§chtigt sich des Heranwachsenden, um ihn in seinem Sinne zu erziehen und um daraus Vorteile f√ľr sich und das Bistum zu ziehen. Von diesem ,,Staatsstreich von Kaiserswerth" gibt es eine bildhaft lebendige √úbermittlung des Chronisten Lampert von Hersfeld: ,,Als Heinrich eines Tages nach einem festlichen Mahl besonders heiter war, redete ihm der Bischof zu, ein Schiff, das er zu diesem Zweck √ľberaus pr√§chtig hatte herrichten lassen, zu besichtigen. Dazu lie√ü sich der arglose Knabe leicht √ľberreden. Kaum aber hatte er das Schiff betreten, da umringten ihn die vom Erzbischof angestellten Helfershelfer seines Anschlags, rasch stemmen sie die Ruder hoch, werfen sich mit aller Kraft in die Riemen und treiben das Schiff blitzschnell in die Mitte des Stroms. Der K√∂nig, fassungslos √ľber diese unerwarteten Vorg√§nge und unentschlossen, dachte nichts anderes, als dass man ihm Gewalt antun und ermorden wolle, und st√ľrzte kopf√ľber in den Fluss. Er w√§re in den rei√üenden Fluten ertrunken, w√§re dem Gef√§hrdeten nicht Graf Ekkbert trotz der gro√üen Gefahr, in der er sich begab, nachgesprungen und h√§tte ihn nicht mit M√ľhe und Not vor dem Untergang gerettet und aufs Schiff zur√ľckgebracht‚Ķ"
Diese quasi Gefangennahme des jungen K√∂nigs stie√ü au√üerhalb des politischen bisch√∂flichen Umfeldes auf st√§rkste Ablehnung, wenn auch Lampert alles versucht, die Brisanz der Handlung nach M√∂glichkeit zu mildern. Heinrich selbst hat das Kaiserswerther Ereignis nie vergessen. Anno ist f√ľr ihn  zeitlebens der B√∂se schlechthin geblieben. Der Leidensweg des Jungen nimmt nun seinen Anfang. Der weichen, liebevollen und wohl auch von der m√ľtterlichen Geduld gepr√§gten Erziehung entrissen, ist er nun in der Hand eines strengen, von m√∂nchischen Idealen erf√ľllten Mannes geraten, der ihn zu Gebeten, Fasten und Askese zwingt. Langsam verebbt die Emp√∂rung √ľber den frechen Menschenraub im Reich. Heinrich bleibt in der Gewalt Annos, den er nun mit der ganzen Gewalt seiner st√ľrmischen Seele mehr und mehr zu hassen beginnt. Der Knabe ist schon zu alt und zu aufgeweckt, um vergessen zu k√∂nnen, was man ihm angetan hat.

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