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Versuche mit dem Torfstich

Im unmittelbaren Zusammenhang mit der Flößbarmachung der Radau stand ein anderes Unternehmen des Herzogs in der Harzenklave seines Herzogstums: Der Torfstich in der Nähe des Torfhauses. Herzog Julius ließ am 2. Dezember 1569, also gleich nach seiner Regierungsübernahme,  den Harzburger Amtmann nebst Forstschreibern und Förstern und durch drei andere Perso-nen, die Wasser- und Schleusentech-niker waren, das so genannte Rote Bruch besichtigen, um es auf seine Tauglichkeit für den Torfstich und für landwirtschaft-liche Zwecke  zu untersuchen. Nach-dem man den Ackerbau wegen des unwirtlichen Wetters schnell verworfen hatte, konzentrierten sich die Bemühungen allein auf den Torfabbau. Im Jahre 1573 wurde  am Schubenstein mit dem Torfstich begonnen. Die schon vorhandenen Flößteiche am Oberlauf der Radau erleichterten den Abtransport. Ein erstes Torfhaus ,,unter dem Schubenstein“ entstand. Das ganze muss aber dennoch nicht richtig geklappt haben. Wahrscheinlich hatte die viele Feuchtigkeit, der lange Winter und die damit verbundenen Schwierigekeiten der Trocknung dem Unternehmen langfristig keine Chance gegeben. Auch der im Anfang des 18. Jahrhunderts unternommene Versuch, das Torfstechen wieder aufzunehmen schlug mehr oder weniger fehl. Heute sind die dadurch halbwegs unbehelligt gebliebenen Moore ein hohes schützenswertes Naturgut,  das durch den Nationalpark besonders behütet wird.

Vom Bergeteufel besessen

So vielseitig die Tätigkeiten Herzog Julius’ und seine Inspirationen auch waren, auf keinem Gebiet hat er aber mehr geleistet als auf dem des Berg- und Hüttenwesens. Den Bergbau betrachtete er für sein Land, das mit Mineralschätzen reich gesegnet war, als eine der wichtigsten Einnahmequellen. Er wurde ihm aber auch persönlich zur besonderen Liebhaberei. Diese Liebhaberei steigerte sich fast zur Leidenschaft, so dass er sich selbst oft als ,,vom Bergeteufel besessen" bezeichnete. Dieser Lieblingsbeschäftigung ging er mit seinem besonderen Hang zur Gründlichkeit, Ordnung und  Gewissenhaftigkeit nach, wodurch er die Einnahmen aus den Bergwerken des Oberharzes in wenigen Jahren außerordentlich vermehrte. Vor allem begann er damit, wie auf allen anderen Gebieten, so auch beim Berg- und Hüttenwesen, Ordnung und Pünktlichkeit in der Verwaltung durchzusetzen. Der Herzog legte vor allem aber auch Wert darauf, sein ganzes Land auf seine Gesteinsarten und Mineralien gründlich zu untersuchen. Gleich nach seiner Regierungsübernahme ließ er eine solche Untersuchung, besonders im Hinblick auf den Bergbau, durchführen. 1586 erbat er sich vom Pfalzgrafen Casimir den berühmten Bergmeister Hans Fischer aus Heidelberg, der in Gemeinschaft mit dem Oberverwalter des Rammelsberges, Erasmus Ebener, eine eingehende mineralogische Untersuchung der ganzen herzoglichen Lande vornahm. Es wurde im Lande experimentiert, konstruiert und Dinge erfunden, die zur praktischen Anwendung kamen und die Industrie nach vorn brachten. Der Herzog war dabei auch selbst ein praktischer und findiger Kopf, der  viele brauchbare Dinge austüftelte. Zu er-wähnen sind dabei die Erfindung von Schlacken-Kanonenkugeln, die zwar letztlich nicht viel taugten, ihm aber gute Geschäfte bescherte. Er erfand hunderterlei Formen um die Produkte seiner Bündheimer Messinghütte besser an den Verbraucher zu bringen, legte Kalk- und Ziegelbrennereien an und erfand die Verwendung des Mergels als Düngemittel. Auch erkannte er sehr früh die Bedeutung der Stein-kohle und ließ überall in seinem Land danach suchen. Dass er dabei auch ein eis-kalter Geschäftsmann mit nahezu neuzeitlichen Managergebaren war, beweist unter anderen die Art und Weise, sie er die Messinghütte in Bündheim von den Beugentinschen  Erben wieder in seine Verfügungsgewalt brachte und die bisherigen Nutznießer ausbootete. Vater Herzog Heinrich hatte die Hütte dem Schlosshauptmann Georg  von Beugentin  zu Schöningen zu Lehen gegeben. Als Julius Regent wurde machte er mit der Günstlingswirtschaft Schluss und erneuerte das Lehen nicht. Er setzte die Hütte durch die Verweigerung von Rammelsberger Galmei, einem wichtigen Rohstoff für die Produktion von Messing,  unter Druck, so dass sie nicht mehr produzieren konnte.  Trotz Fürsprache von Mutter und Halbbruder, dem er sonst sehr zugetan war, ließ sich Julius nicht erweichen. Es gab sogar einen Prozess. Am Schluss stand ein Vergleich.  Die Erben des Lehensträgers wurden entschädigt, die Hütte kam aber am 11. August 1571 in den uneingeschränkten Besitz des Herzogs. Hier zeigte sich Herzog Julius ähnlich hart wie schon sein Vater, der 1552 den Rammelsberg zum Nachsehen der Goslarer wieder an sich gebracht hatte. Mittelpunkt des Bergbau-Unternehmertums des Herzogs Julius war die Eisen-Faktorei in Gittelde, die er mit besonderer Sorgfalt behandelte. Diese galt aber auch den Hüttenwerken in Oker und dem dazugehörenden Bergwerk Rammelsberg. Hier wurde beispielsweise der Meißener Stollen weitergeführt und fortan ,,Julius-Fortunas-Stollen genannt. Bei der Gelegenheit wurden auch die Klärsümpfe zur Gewinnung von Okergelb angelegt. Immer darauf bedacht, Kosten zu sparen und teure Importe durch eigene Produkte zu ersetzen versuchte der Herzog die eigenen Recourcen zu nutzen. Ein Beispiel dafür sind die Gießsteine für die Messinghütte.  Bisher wurden sie aus England bezogen. Er ließ sie nun im oberen Gläseckental brechen und zurichten. Der Forstort ,,Am Geitstein" erinnert noch heute daran. Aus dem gleichen Material wurden hier und am Treppenstein im Okertal Mühlsteine hergestellt. Einige mit den Initialen des Herzogs sind immer noch zu finden.