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Die Saline Juliushall

Mit der Einrichtung der Saline Juliushall am Fuß des Burgberges  hat Herzog Julius wohl am wirksamsten und  nachhaltigsten die Geschicke des Ortes und des späteren Heilbades Bad Harzburg beeinflusst und sich selbst in Erinnerung gehalten. Durch ihn wurde der 24. August zum denkwürdigen Datum und zum Festtag. An eben diesem Tage des Jahres 1575 eilte der Salinenverwalter nach Wolfenbüttel, um dem Herzog Julius eine gute Nachricht zu überbringen: ,,Euer Gnaden, die Quelle fließt wieder rein und ohne fremdes Wasser!"  Die Botschaft beinhaltete gleichzeitig  das Ende einer Reihe von Problemen mit der Salzquelle. Sie ist  erstmals 1338 urkundlich erwähnt. 1569 wurde sie mit einem Brunnenschacht gefasst. Einige Jahre nach diesen Maßnahmen zur Sicherung der Saline, auf die der Herzog große Geldmittel verwandt hatte, verminderte sich die Sole plötzlich, zusätzlich wurde sie durch den unterirdisch rieselnden Zustrom von Grundwasser mehr und mehr verdorben. Trotz aller Bemühungen gelang es vorerst nicht, dieser so genannten wilden Wasser Herr zu werden. Schon war man nahe daran, den Betrieb der so hoffnungsvoll begonnenen Salzförderung einzustellen. Da endlich, am 24. August 1575, dem Bartholomäustag, konnte der Salinenverwalter die oben genannte gute Nachricht bringen, dass die Sanierungsmaßnahmen geglückt waren. Nach vielen Mühen war es gelungen, durch einen Stollen das Fremdwasser abzuleiten. Zum Dank für diese günstige Entwicklung stiftete Herzog Julius das so genannte Bartholomäusfest, das bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts hinein im ursprünglichen Sinne gefeiert wurde. Im Mittelpunkt standen die so genannte Salzpredigt und eine Speisung der Armen. Nach dem zweiten Weltkrieg lebte die Tradition wieder auf, allerdings jetzt mehr unter touristischen Gesichtspunkten. Das  Bartholomäusfestes ist seitdem immer wieder auf verschiedene Art gefeiert  worden: Mit großen Festumzügen, als Weinfest und in den letzten Jahren zusammen mit dem Lichterfest.
Der Beginn der Salzgewinnung in Harzburg ist von Umständen begleitet, die die heutigen Menschen den Kopf schütteln lässt. Es scheint unbegreiflich, dass der so weltoffen und pragmatisch denkende Herzog Julius, sich von Betrügern derart hereinlegen ließ. Bei allen fortschrittlichen Idee war er dennoch ein Kind seiner Zeit, das noch an mancherlei Aberglauben hing und den Wundern im Leben Raum gab. Ätzsteine wurden dem Regenten aufgeschwatzt, vermeintliche Goldmacher, die vorgaben, den Stein der Weisen herstellen zu können, narrten ihn monatelang, und die gleichen Leute berieten ihn auch bei der Salzsiederei und konstruierten phantastische Geräte, die sich letztlich aber alle als unbrauchbar erwiesen. Dass der Herzog es diesen Scharlatanen später mit aller Härte heimzahlte, sich furchtbar rächte und den Hauptübeltäter Philippus Therocyclus Sömmering samt seinen Spießgesellen grausam hinrichten ließ, wirft ein weiteres Schlaglicht auf das Wesen des Herzogs und auf die damalige Zeit. Von Sömmering wird im weiteren Verlauf der Geschichte noch zu berichten sein.

In den Jahren um 1570 war es nicht leicht, neue Techniken zu entwickeln und Industrien aus dem Boden zu stampfen. Berater und Fachkundige gab es kaum, und wenn, dann wurden sie mit Gold aufgewogen. Ein solcher Mann war der Pfarrer und Salzgräfe Johannes Rhenanus aus Allendorf. Keine Ortsbezeichnung und kein Straßenname weist in Bad Harzburg auf diesen ungewöhnlichen Mann hin, obwohl er einer der wirksamsten Förderer der Saline war. Sein Name ist offensichtlich von dem des Scharlatans Sömmering überlagert worden,  an dem allerdings öffentlich auch nichts erinnert. Rhenanus war ständig auf der Suche nach neuen Techniken und Verfahren. Er verwandte erstmals Steinkohle zum Sieden von Salz, machte Versuche mit Braunkohle, gab der Glasmacherei neue Impulse und hatte sich im Bauwesen Kenntnisse angeeignet, die ihrer Zeit weit voraus waren. Im Dienste des Landgrafen von Hessen machte Rhenanus die Saline Allendorf zum Musterbetrieb. Als sich Herzog Julius an seinen Regierungskollegen in Hessen wandte, schickte dieser nach einigem Widerstreben Rhenanus nach Wolfenbüttel. Hier wurde er am Hof als hochgeschätzter Gast empfangen. Ende September 1571 brach man nach Harzburg auf , damit der große Meister die Versuche in der  im Aufbau befindliche Saline zu begutachten konnte. Von diesem Besuch und den Ratschlägen, die Rhenanus gab, gibt es Aufzeichnungen, die den Sachverstand des Hessen deutlich machen. Als nächstes richtete der Experte die Siederei nach Allendorfer Muster ein, die sich durch besonders sparsamen Holzverbrauch auszeichnete. Immer mehr Nutzen zog  der Herzog aus der Anwesenheit des kenntnisreichen Hessen und versuchte, ihn so lange wie möglich in seinen Diensten zu halten. Da aber kam der Rückruf. Landgraf Wilhelm beorderte Rhenanus zurück, weil er ihn selbst dringend brauchte. Die Beziehungen zu Wolfenbüttel wurden zwar aufrecht erhalten, kühlten im Laufe der nachfolgenden Zeit aber ab, weil nach und nach der schon oben erwähnte Söm-mering seinen wachsenden Einfluss gegenüber den Konkurrenten geltend mach-te. Als Rhenanus später er-neut seinen Dienst anbot, wurde er ziemlich kurz abgewiesen.