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5. Sch├Ânewerda

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10. Ackerkrumhals

11.M├╝hle Wendelstein

12. Wendelstein

13. Kloster Memleben

14. Memleben

15. Im Kloster Memleben

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18. Karsdorf-Schrankenw├Ąrterh├Ąuschen

19. Zementwerk

20. Fransenenzian

21. Unstrutaue nach Nord

22. Unstrutaue nach S├╝d

23. Unstrutaue nach West

24. Altar in Dorndorf

25. Dorndorf

26. Dorndorf

27. Silberdistel- Schafberg

28. Stengellose Kratzdistel

29. Zscheiplitz

30. Freyburg

31.Schweigenberge

32. Stechapfel

33. Neuenburg

34.Stadtkirche-St.Marien

35. Gro├čjena-Garten

36. Kein Platz mehr!

37. Steinernde Bilderbuch

38. Weinberghaus

39. In der Schenke

40. Saalef├Ąhre-Anleger

41. Wolken ├╝ber Naumburg

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Lageplan

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Unstrutwanderung von Artern bis Naumburg  

Vier Tage mit Rita an der Unstrut.
Vom 3.-6. Oktober 2012

Vorgesehen war eine Wanderfahrt mit den Faltboot, doch das unstete Wetter hielt uns immer wieder ab Boot und Zelt ein zu packen. In Strau├čfurt wollten wir beginnen, der Bl├╝tengrund bei Naumburg das Ziel. Doch Hadern war angesagt und so verschwand das Jahr mit seinen sommerlichen Tagen,wie der Schaum vom Bierglas.
Doch das Tal mit seinen H├Ąngen reizte uns beide.
"Lass uns doch doch wandern, da brauchen wir nicht so viel Ger├Âdel ", Ritas Vorschlag zu Beginn der Woche. Das war der Hammerschlag auf dem Nagelkopf. Am Dienstagabend wurden die Rucks├Ącke gepackt und nach dem Fr├╝hst├╝ck ging die Reise los. Artern haben wir als Startort ausgew├Ąhlt. Es ist gut mit dem Zug wieder zu erreichen, wenigstens sagt das unsere Karte (Wander- u. Radwanderkarte Kyffh├Ąuserkreis) aus, au├čerdem ist dort der Paddelfreund Achim Zuhause, wir hatten ihn auf unserer Donaureise, auf der TID kennen und sch├Ątzen gelernt. Ein spartanisch reisender Paddler. Kleines Zelt, winziges Gep├Ąck, kein Steuer am Boot, kein Bootswagen, Schwimmweste als Regen und K├Ąlteschutz, ohne Kocher, schon am Morgen nur kalte Getr├Ąnke, kein Tisch, kein Stuhl; der Schnellste im Boot, der Erste am ├ťbernachtungsplatz und der Zuverl├Ąssigste beim Ausbooten der sp├Ąter Ankommenden. Also, ein freundlicher, superharter Typ. Er ist aktiv beim Kanuclub Artern, bedient u.a. die Schleuse, schenkt Bier und Kaffee aus, k├╝mmert sich um Platz und G├Ąste. Dieser Achim hatte uns beim Abschied an der Donau eingeladen und dieser Besuch stand noch aus.
Aus seinem dunklen Aufenthaltsraum begr├╝├čte er uns mit der Worten: "Euch kenne ich doch, seid willkommen", bevor wir ihn ├╝berhaupt erst wahrnehmen konnten.
Eine gute Stunde wurde nun gequatscht, erz├Ąhlt, gelacht und das alles mit einem Bier, Achims -Spezial, runter gesp├╝lt. Er staunte ├╝ber unser Vorhaben, beschrieb uns den Weg, gab uns Informationsmaterial mit, begrub unseren Traum mit der Unstrutbahn zur├╝ck zu fahren, der Bahnk├Ârper ist teilweise zum Unstrutradwanderweg ausgebaut. "Zur├╝ck kommt ihr nur ├╝ber Erfurt, sonst wird schwierig", einer seiner Hinweise.
Herzlich verabschiedeten wir uns voneinander. "Wenn ihr zur├╝ckkommt sehen wir uns wieder", sein Abschiedsgru├č. Unser Auto lassen wir in seiner Obhut.
Auf dem Radweg umgingen wir Artern, kamen bei der Bahnbr├╝cke auf den mit Blaustrich markierten Kyffh├Ąuser- Saaleweg, auch mit Feengrottenweg ausgezeichnet, der uns nun weitgehend begleiten sollte.
Der Unstrutdeich ist Rad- u. Wanderweg. Hohe, im Abbl├╝hen begriffene Kugeldisteln, Trupps vom Zottigen Echten Herzgespann rufen Begeisterung hervor, letzteres findet man nicht so h├Ąufig bei uns im Harz. Weiter Blick nach S├╝den, von der Hohen Schrecke begrenzt, die Th├╝ringer-Pforte kann man erahnen. Ritteburg vor uns, Sonne im Nacken. Verschwinde hinter einem Weidenbusch am Ufer, was sein muss, muss sein, Rita geht weiter. Wieder zur├╝ck auf den Deich. Rita unterh├Ąlt sich mit einem im Elektro-Rollstuhl sitzenden Herrn. Komme n├Ąher, scherze: "Eine kleine Ausfahrt ins Gr├╝ne, wie weit soll's gehen, ganz sch├Âne Sache so'n Gef├Ąhrt, immer sch├Ân auf den Weg bleiben, da unten flie├čt der Bach". "Was soll ich machen, will auch ans Licht" knurrt er zur├╝ck. dr├╝ckt einen Schalter und l├Ąsst uns stehen.
"Rita, war wohl nicht passend, mein Spruch", gr├Ąme ich mich ein wenig. "Was der zu mir gesagt, das hat haut dem Fass den Boden aus, bin ersch├╝ttert ├╝ber so viel Unverfrorenheit", erwidert Rita. "Was wollte er denn"?
Na, ich begr├╝├če den Herrn, statt Gru├č sagt der jedoch: "M├Ądchen willst du ins Wasser? So allein unterwegs, -- doch mit der gro├čen Brust kannst du ja nicht untergehen, die h├Ąlt dich oben. Bist du mit der da unterwegs"?
 Er weist auf dich mit deinen langen Haaren. "Ja, mit der bin ich unterwegs" antworte ich.  "Da haste ja eine" seine Antwort.
Jetzt verstehe auch seine Unsicherheit im Blick, als ich ihn ansprach, hatte er mich doch als Frau angesehen.
Kerle gib's, so alt, krank und so frech!
Oberhalb des Wehres Ritteburg macht sich ein Paddler fertig zum Einstieg ins aufgeblasene Gummiboot, will wohl eine Runde mit seinem kleinen Kindern paddeln. Paddel liegen schon im Boot, Kinder wollen einsteigen, da bringt Papa noch einen Benzinmotor angeschleppt. Voll Grauen wende ich mich ab. Kein Naturfreund, ein L├Ąrmmacher!
In der "Schleuse", die Gastwirtschaft tr├Ągt diesen Namen wartet man auf Kaffeeg├Ąste. Sch├Ân gelegen die Kneipe. Wir essen unseren Apfel auf einer gerade frei werdenden Bank am Unterwasser.
Bleiben trotzt der vielen Radfahrer, die uns zur Seite klingeln, rechts der Unstrut auf dem Radweg. Der "Blaustrich" f├╝hrt hinter Kalbsrieth auf der Stra├če entlang und Stra├če ist nichts f├╝r uns. Lang zieht es sich hin, an der Unstrut, immer wieder vom Klingeln der hin und her fahrenden Radler genervt.
Sind froh als wir die Br├╝cke von Sch├Ânewerda erreichen. Von zwei Radfahrer- Paaren, die Damen wollen nicht mehr so richtig, werden wir nach der "Schleuse" gefragt: "Ist es noch weit, ist da auch offen"?
Wir spenden Trost: "Ist nicht mehr weit und die Tische f├╝r sie sind schon reserviert". Ungl├Ąubiges Staunen, doch sie steigen auf und radeln auf ebenen Weg stromauf.
Sch├Ânewerda ├╝bertreibt nicht, sehr sch├Ân ist es durch das Dorf zu laufen.
Teiche, Gr├Ąben, Baumreihen, voll behangene Apfelb├Ąume, Enten d├╝mpeln auf dem See, Kinder spielen mit den Eltern auf den Wiesen am Wasser. Die Radfahrer sind wir los. Auf dem Wiesenweg der zum Bottendorfer H├╝gel f├╝hrt, kommt wider Erwarten und ├╝berraschend, doch noch einer mit Tempo herunter gesaust. Dann ist Ruhe.
Eine Bank mit Aussicht ├╝ber die Aue, daneben ein Prachtst├╝ck von Gro├čbl├╝tiger K├Ânigskerze, drei K├Âpfe h├Âher wie meine Rita. Fasst genau so sch├Ân nur etwas schlanker, wie sie, zu Beginn unserer Liebe. Heute hat beides zugenommen.
Wundersch├Ân strahlt ihr Gelb mit den rosa Staubbeuteln in der Abendsonne.
Auf dem H├╝gel Trockenrasen mit Gras- und Karth├Ąusernelke, in niedrigen B├╝scheln bl├╝ht noch oder wieder die Galmei-Fr├╝hlingsmiere. Zauberhafte Welt des Bottendorfer H├╝gel.
Ganz oben, auf dem Aussichtspunkt trafen wir wieder auf Radler. Mit dem Elektrorad haben ein Paar, noch ein paar Jahre ├Ąltere wie wir, den H├╝gel erklommen, trauern ihrer Beweglichkeit nach. Kleines Gespr├Ąch ├╝ber vergangene Tage als auch sie noch zu Fu├č unterwegs waren. Wir beide laufen weiter pfadlos durch die Wiesen, ├╝ber den H├╝gel hinweg, treffen auf den Steinbruchweg, biegen in den S├Ąnger-Rundweg ein.
Seltsame schwarze V├Âgel mit hellem Kopf sitzen verstreut auf dem Acker. Mit dem Fernglas werden sie als Rotmilane bestimmt, Zwei gleich gro├če V├Âgel die dazwischen hocken aber mit dunklen Kopf und einer mit fasst orangefarbenen Bauchgefieder stellen uns vor ein gro├čes Fragezeichen. Die kennen wir nicht, noch nie gesehen, vor allem noch nie einen mit Orangenbauch! Da muss erst Zuhause im Vogelbuch gebl├Ąttert werden.
Am selben Ackerrand noch das Schwarze Bilsenkraut als ├ťberraschung, im Samen schon, doch es ist es!
Kommen hinter renovierten Plattenbauten nach Rossleben. In einer Bushaltestelle eine Ortskarte. Die Ecken sind abgebrochen, doch finden wir darauf zwei Hotelhinweise. An dem einen Standort sind wir schon vorbei. Da war aber nichts, kein Hinweis auf eine Unterkunft. Kurz entschlossen halte ich einen gerade eingebogenen Autofahrer an. Frage wo wir bleiben k├Ânnten. "Da haben wir was besonderes, die Pension am Weinberg, gleich da unten links, die n├Ąchste rechts, dann lauft ihr direkt drauf zu, nicht zu ├╝bersehen. Ist ein verkauftes Geb├Ąude der katholischen Kirche, findet ihr sofort". Dankend schlagen wir den beschrieben Weg ein. Fragen ein gartenpflegendes Paar noch einmal, nach dem Weg. Wir sind richtig. "Gleich da oben" ist es.
Gleich da oben ist Ger├╝mpel auf der einen Seite der Stra├če, auf der anderen gepflegte Einfamilienh├Ąuser. Ein Getr├Ąnkeversorger im Keller mit rauchenden, Bier trinkenden Herren in Arbeitsklamotten, wo ich nochmals nachfrage, schickt uns wieder zur├╝ck. "Gleich vorne rechts ist der Laden".
Vorne rechts, sind wir bl├Âd oder was? Sind wir doch gerade erst vorbei gekommen! Dann hinter dem Ger├╝mpel ein versteckter Eingang, die Pension. Gepflegtes, gef├Ąlliges ├äu├čeres, h├╝bsche T├╝r mit Klingel. Klingele. Nichts r├╝hrt sich. Klingele noch eimal. lese an der T├╝r: Wenn ich nicht da bin rufen sie bitte die NrÔÇŽÔÇŽ.. an, komme sofort.
Herrlich, w├╝rde ich gern, doch das Telefon muss erst noch gekauft werden, wandern ohne Handy, haben gar keins! Rita wendet sich ab, will gehen. Aus Trotz klingele ich nochmals. Tats├Ąchlich r├╝hrt sich etwas hinter der T├╝re. Die ├Âffnet sich langsam, eine Dame, stramm ins Badetuch eingewickelt fragt :"Sind sie mein Masseur"? " Leider nicht, m├Âchten hier ├╝bernachten" erwidere ich. "Da m├╝ssen sie die angegebene Nummer anrufen" sagt sie, will die T├╝r schlie├čen. "Bitte, wir sind Handy-los, k├Ânnten sie bitte das nicht f├╝r uns ├╝bernehmen"? "Mein Mann kann das machen, ich rufe ihn, warten sie", sagt die eingewickelte Dame und verschwindet. Ihr Mann regelt die Sache und im Nu ist die Vermieterin eingetroffen. 60ÔéČ verlangt sie f├╝hr das Doppelzimmer. Ein neues geschmackvoll eingerichtetes kleines Zimmer erwartet uns, sind begeistert. Eine Stufe geht es zum Bad und Balkon hinunter, m├╝ssen wir uns f├╝r die Nacht merken! Nichts ist dummer als des Nachts auf die Nase zu fallen, die ungewohnte Stufe hinunter zu stolpern! Doch erst geht es in den Ort, m├╝ssen noch ein paar Euro aus den Automaten ziehen. Der angesteuerte Geldspender bei der Voba, bin da Mitglied im Verband, ist defekt, bei der Sparkasse m├╝ssen wir f├╝r die Aktion bezahlen, weggeschmissenes Geld.
Eine Platz zum Abendessen finden wir abseits hinter hohen Plattenbauten, im "Come in". Schnitzel mit bei Ei bzw. Pilze mit Pommes & Salatbeilage, das erste Essen nach unserem Apfel am Bottendorfer H├╝gel. Im Dunklen, unterm Sternenhimmel finden wir trotz der zwei Hefeweizen und je einem doppelten Weinbrand, unseren n├Ąchtliche Suite.
Am Morgen beim Fr├╝hst├╝ck der Kampf mit dem Kaffeeautomaten. Zwei Chips, zum Einlaufen von zwei Kaffees liegen, vor unserem Platz, neben der Tasse. Mit Unterst├╝tzung des anwesenden Hausherrn klappt das auch. Bei der zweiten Tasse brauchen wir dann keine Hilfe mehr.
Sp├Ąter kommen unsere Mitbewohner von dieser Nacht auch zum Fr├╝hst├╝ck. Sie sind Radler, wollen auch nach Naumburg. Haben das gleiche Automaten-Problem, auch hier muss der Hausherr die Anleitung geben. Kleine Freuden am Morgen.
 Sonst freundliche Gespr├Ąche und gute W├╝nsche auf unseren Weg zu Fu├č, von  ihnen; von uns die gleichen ebenso herzlich f├╝r ihre Radtour.
"Vielleicht treffen wir uns ja noch" der Abschiedsgru├č.
Wir laufen auf dem Panorama-Rundweg, (Blaupunkt), am verschmutzten, stillliegen Bahnhof vorbei, biegen scharf links ab. Hoch geht es, am Schwimmbad vorbei, hoch hinauf bis wir wieder auf den Feengrottenweg im Ziegelrodaer Forst sto├čen. Oberhalb der hellen Abraumhalden, auf vergessenem Wiesenweg mit Aussicht ins Unstrutbecken wandern wir einsam, an der stinkenden, hinter den Abraumhalden versteckten, Kompostierungsanlage vorbei. Sp├Ąter laufen wir auf Asphalt, nur von einem verwundert guckenden J├Ąger, der uns im Auto entgegenkommt, ausgiebig gemustert, nach Wendelstein, mit seiner Burg hoch ├╝ber der Unstrut.
Am Weg bl├╝ht in dichten Best├Ąnden die Wei├če Lichtnelke und der Ackerkrummhals, mit seinen kleinen blauen Bl├╝ten, auch der Ackerfuchsschwanz steht vereinzelt umher.
Hier auf dem doch etwas verkommenen Burghof in Wendelstein treffen wir die Radler vom Fr├╝hst├╝ckstisch wieder. Ein Hallo von beiden Seiten. Wir dachten sie waren schon l├Ąngst weit vor uns, bei dem Umweg den wir gemacht haben, so hoch in den Ziegelrodaer Forst. Sie radeln weiter. Rita und ich steigen auf glitschigen Pfad zum Wehr unterhalb der Burg hinunter. Auf unserer Karte l├Ąuft der Feengrottenweg an der Uferterrasse der Unstrut nach Memleben, zum Kloster, weiter. Unten an der alten M├╝hle ein Schild das uns klar machen will, dass der Weg nicht mehr durch die M├╝hlengel├Ąnde f├╝hrt, sondern oben auf Feldwegen, durch die ├äcker.
Wundern ein bisschen umher, wissen nicht so recht was wir machen sollen, wieder hoch? Eine junge Dame, von weitem k├Ânnte man noch jung sagen, sitzt beim sp├Ąten Fr├╝hst├╝ck im Sonnenschein, mitten auf den M├╝hlenhof. Dreist frage ich: "Geht der Weg hier weiter"? "Ein Weg geht da lang, aber wie weit und wohin , das kann ich ihnen nicht sagen. Bin nicht von hier". Mit gekonnter Sicherheit im Schritt wandern wir an ihr vorbei, sind auf den richtigen Weg. Der Blick zur├╝ck zeigt einen wilden Garten, mit allerlei selbst gebastelten Windspielen die die B├Ąume schm├╝cken, doch auch abgeerntete Beete und angefangene Rodungsreihen eines Kartoffelackers. Die Streuobstwiesen am Hang sind verwildert, die Kirschb├Ąume  ungepflegt. Schon fast zugewachsen zieht sich unser Pfad unterhalb des alten Prallhangs der Unstrut hin. Vor Memleben kommen wir wieder auf den Deich der hier auf dem Prallhang ausl├Ąuft, oder wenn man so will, wieder beginnt.
Ein Kanu-Rastplatz am Ortsanfang am gegen├╝berliegen Ufer. ├ťber die Br├╝cke in den Ort. Mit Drahtz├Ąunen abgesperrte schmale Durchg├Ąnge. Ein riesiger Trecker zwingt uns zur Seite, gerade so passen wir aneinander vorbei.
Vor dem Klostereingang treffen wir den Herrn des Radlerpaares wieder. Er wartet auf seine Partnerin die das Kloster besucht. Er will sich die 6ÔéČ Eintritt sparen. Wir bezahlen, geben Heinrich I. und Otto I. die beide hier verstarben, die Ehre. Treffen die Radlerin beim Einkauf von Ansichtskarten. Nochmals gute Reise. Nach der Besichtigung fast aller Ausstellungsr├Ąume ist Apfel- und Birnenspeisung aus dem Rucksack im Klostergarten. Auf sonnenbeschiedener Bank mit Tisch davor machen wir unsere Mittagspause.
Bald sind wir wieder auf dem Unstrutradweg. Das Gebimmel der Radfahrer ist heute weniger geworden, doch verlassen wir den asphaltierten Radweg, laufen unterhalb durch die Wiesen. Viel angenehmer ist es auf der Grasnabe zu laufen, als dauernd den harten, ebenen Asphalt zu treten.
Steil baut sich die Steinkl├Âbe vor uns auf. Ein Felsriegel der imposant das Unstruttal einengt. Oben auf der H├Âhe wurde die "Himmelsscheibe" gefunden. In Wangen das wir bald erreichen wurde ein Museum f├╝r die Scheibe gebaut. Wie eine ├╝berirdische Himmelsbake gestaltet, einer Banane nicht un├Ąhnlich, steht sie oberhalb der Ortschaft. Wir waren schon mehrmals da, vor und nachdem Fund der Himmelsscheibe, suchten damals nach der Violetten K├Ânigskerze. Fanden sie aber nicht, so ├Ąrgere ich mich immer ein wenig wenn ich hier unterwegs bin.
In Wangen steht pl├Âtzlich ein neuer Triebwagen auf den Gleisen. Selbst ein Bahnhofsschild ist angebracht. Haben sie den Triebwagen hier vergessen? Seltsam was manche Gemeinden f├╝r Hobbys haben, einen fast neuen Triebwagen als Spielort f├╝r die Kinder denke ich mir. Na, jedem das Seine.
Am Ortende bei einer Unterf├╝hrung weist ein Schild zu einem Hofcafe'. G├Ânnen wir uns einen. Doch leider macht die Wirtin gerade Urlaub, nichts mit dem Kaffee. Setzen uns auf den Bootsanleger, der im Sommer Paddelg├Ąste in den Ort bringen soll. Verzehre den n├Ąchsten Apfel, Rita w├Ąhlt wie schon in Memleben, eine Birne aus meinem Rucksack. Was man so alles mit herumschleppt. Pl├Âtzlich sind die beiden Radler wieder da. Sie haben auf unsere Empfehlung den Fundort der Himmelsscheibe aufgesucht. "War ganz sch├Ân steil die Tour zum Mittelberg hoch mit dem Rad", klagt die Dame, "aber ein guter Tipp! Nett dass wir uns schon wieder treffen. Ihr seid ja ganz z├╝gig unterwegs. Doch nun fahren wir durch bis Naumburg, mein Mann muss morgen wieder arbeiten". "Dann nochmals gute Fahrt, viel Spa├č bei der Arbeit". Ein Winken bringt sie auf die R├Ąder und schon verschluckt sie das gr├╝ne Ufer das hier Unstrut und Radweg s├Ąumt. Auf den ├╝ber uns laufenden Geleisen pl├Âtzlich der Triebwagen von Wangen, f├Ąhrt an uns tutend vorbei. Staunen. Gibt es doch die Unstutbahn doch noch?
Ein Garten-Imbiss kurz vor Nebra l├Ąd zur Pause. Beim Weizenbier, dass heute ausnahmsweise schon am fr├╝hen Nachmittag getrunken wird, erz├Ąhlt uns der Wirt von seinem Vorhaben. Er m├Âchte nicht nur die vorbeikommenden Radler bewirten sondern auch die Paddler. Ein Anleger ist in Planung, der Bauantrag eingereicht.
"Wenn alles klappt w├╝rde unser kleines Caf├ę beiden dienen, den vorbeikommenden G├Ąsten Erholung und Rast und uns finanzielle Sicherheit, kommt mal wieder vorbei" gibt er uns mit auf dem Weg. "Bitte noch eine Frage: War das vorhin eine Sonderfahrt, oder ist die Bahn doch noch in Betrieb"? "Der f├Ąhrt alle Stunde zwischen Wangen und Naumburg, die Strecke durch Th├╝ringen bis Arten ist stillgelegt, doch sind Bestrebungen im Gang die Strecke wieder zu ├Âffnen, doch die Th├╝ringer wissen nicht genau was sie wollen, immer neue Bedenken werden hochgezogen".
Dreht sich um, hackt weiter aus seinem gro├čem Berg Rundholztrulen, Scheite zum Verfeuern.
In Nebra f├╝hrt uns der Wanderweg ├╝ber die Unstrut. Lassen die Stadt rechts, hoch ├╝ber dem Ufer liegen. Vorgesehen war hier in Nebra zu ├╝bernachten, doch laut Auskunft der Kaffeegartenwirtin gibt es nichts im Ort, erst in Karsdorf sind mehrere M├Âglichkeiten. Karsdorf ist also unser heutiges Ziel.
Einen ganz sch├Ân gro├čen Bogen nach Norden macht die Unstrut hier. Tippeln am rechten Ufer unter einem bewaldeten Hang entlang, oben Stimmen und ab und an durch die B├Ąume schimmernde Geb├Ąude. Am anderen Ufer baut sich im schon nachmitt├Ąglichen Sonnenschein das Schloss Vitzenburg auf. Danach wieder Wohnbebauung von Nebra. Eine Dame f├Ąhrt aus der Garage, h├Ąlt neben uns, fragt nach unserem Ziel. "Karsdorf" unser Antwort. "Ich bringe euch hin, ist nur ein kleiner Umweg f├╝r mich, steigt ein" bittet sie uns. Wir verneinen, danken sehr herzlich, lassen uns nicht verf├╝hren. Sie lacht, versteht unseren Entschluss, f├Ąhrt gr├╝├čend davon. Der Radweg ist wieder gut, breit ausgebaut. Ein riesiger Abfall- oder Komposthaufen am Wegesrand. Rot leuchten Tomaten uns von oben entgegen. Ich klettere hoch, gehe ernten. Wunderbare kleine feste Tomaten. Daneben pr├Ąchtige Pflanzen vom Stechapfel mit reifen und noch gr├╝nen Fr├╝chten. Giftig, aber fotogen. Eine entgegenkommende Hundeausf├╝hrerin wundert sich ├╝ber meinen Ernteeinsatz und das Fotografieren der Stech├Ąpfel, sch├╝ttelt den Kopf. "So ist das mit den Rentnern; sie arbeiten nicht, gehen spazieren, doch der himmlische Vater ern├Ąhrt sie doch" h├Âre ich sie murmeln. Sage nichts dazu, halte meine Klappe. Bei Reinsdorf wechseln wir wieder auf die n├Ârdliche Uferseite. Ein Radler, ├Ąlteren Semesters spricht uns an. Will alles ├╝ber uns wissen, da wir nicht so richtig loslegen mit unseren Ausk├╝nften, dreht er den Spie├č um und erz├Ąhlt uns seine ganze Lebensgeschichte, will er wenigstens. Wir dr├Ąngeln uns jedoch so'n bisschen aus seinem Gespr├Ąch, ist die Sonne doch schon im Sinken begriffen.
Weit vor uns taucht eine lange filigrane wei├če Br├╝cke auf, die das ganze Tal quert. Wie ein Kunstobjekt in die Landschaft gestellt, erscheint sie uns.  Dahinter
die T├╝rme des Zementwerkes. Langsam kommt Karsdorf n├Ąher, ein langer, langweiliger Weg, immer die Br├╝cke vor Augen. Bepflanzte, eingez├Ąunte rechtwinkelige Grundst├╝cke, wohl Ausgleichsma├čnahmen vom Br├╝ckenbau, begleiten uns. Niedrig sind die gepflanzten Str├Ąucher, hoch von krautigen Einj├Ąhrigen und Stauden ├╝berwachsen. Bilsenkraut und Stechapfel sind auch darunter.
Die Br├╝cke baut sich m├Ąchtig auf. Arbeiter hochoben mit Hochdruck bei der Sache. Der von weitem wei├če Beton mit schmutzigen Streifen ├╝berzogen, macht keinen so zuverl├Ąssigen Eindruck, obwohl allerneueste Erkenntnisse in Statik und Materialeinsatz eingeflossen und Verarbeitung finden. Wir sind froh als die Br├╝cke hinter uns liegt und Karsdorf erreicht ist. Am Ortseingang ein Reklameschild des Landgasthofs, Zimmer werden auch angeboten, doch Donnerstag ist Ruhetag!
Trotzdem steige ich die Treppenstufen zur Wirtschaft hoch. Klingele, die T├╝r ├Âffnet sich tats├Ąchlich, eine Dame schaut mich an. Trage meinen ├ťbernachtungswunsch vor. "Kein Problem, kommen sie rein, nur zu essen kann ich ihnen nichts mehr machen, habe eine Verabredung. Doch bei unserem Imbiss im Dorf k├Ânnen sie einkehren, der hat ge├Âffnet" sagt's, zeigt uns das Zimmer. "65ÔéČ mit Fr├╝hst├╝ck ist der Preis f├╝r eine Nacht, Fr├╝hst├╝ck ab 8 Uhr, ist das recht"? "Ja unsere Zeit". Schon sind wir allein auf unserem Zimmer. Eigentlich sind es zwei R├Ąume, in dem einen die Betten, im anderen eine gepolsterte Sitzecke, davor ein alter Fernseher, der sich aber weigert ein Bild von sich zu geben. Klopfe bei "Privat" ein Herr kommt und die alte Kiste l├Ąuft.
Laufen durch ein paar Seitenstra├čen, kommen zur Unstrut. Beim Kanuplatz wird mit Schaufel und kleinem Bagger die Wintersaison eingeleitet. ein neues Winterlager f├╝r die angebotenen Leihboote gebaut. Den L├Ąrm ignorierend setzen wir uns an einem Tisch, auf der Veranda, der von den letzten Sonnenstrahlen getroffen wird. Die junge, gespr├Ąchige Wirtin bringt uns unser Weizenbier. Ihr Erz├Ąhlstrom ist herzlich, freundlich ungebremst, informativ. Kaufen noch eine Flasche Unstrut-Wein, roten Sp├Ątburgunder, selten zu bekommen. 10ÔéČ will sie daf├╝r haben. "Ich verdiene nichts daran" gibt sie uns mit auf den Weg, der uns in das Imbissst├╝bchen f├╝hrt.
Die T├╝r steht auf. Im Gastraum sechs, acht Tische. Um einen sitzt eine l├Ąrmende Gesellschaft. Zwei Herren werfen Pfeile auf einen blinkenden Automaten der die Treffer anzeigt und z├Ąhlt. Das macht der nicht etwa leise, sondern mit T├Ânen die einen auf einen Rummelplatz versetzen.
 Das Pfeilspiel wird unterbrochen, einer der Spieler geht nach drau├čen, erscheint wieder hinter der Verkaufstheke die den Spiel- und Gastraum vom Verkaufsraum trennt. Schaut uns erwartungsvoll an. "M├╝sst euch schon bei ihm melden, wenn ihr was wollt" ein Ruf des Mitpfeilwerfers, der am Tisch, bei den Herren Platz genommen hat.
Wir sind auch ein bisschen detsch, h├Ątten wir doch merken m├╝ssen das die Spielunterbrechung uns galt! In unserer Blusterigkeit bestellen wir das naheliegenste: Currywurst mit Pommes und Weizenbier. Im Nu stehen die Biere an der Ausgabestelle. Der Wirt werkelt in der K├╝chenecke. Neue G├Ąste kommen, begr├╝├čen
die schon Anwesende mit kr├Ąftigen klopfen auf der Tischplatte. Mache setzen sich, andere trinken einen Schluck im Stehen an der Ausgabe, verabschieden sich mit freundlichem Nicken. "Zweimal Currywurst" schallt es her├╝ber. Nehme unsere leeren Weizenbierflaschen gleich mit, hole die Teller an unseren Tisch. "Zwei Weizen" bevor ich mich setzen kann.  Hole auch die Weizen ab, unsere Speisung kann beginnen.
Gute Pommes, beste So├če, die Wurst von z├Ąh gebrutzelter Wurstepelle umh├╝llt, die nur mit der Fl├╝ssigkeit des Weizen heruntergesp├╝lt werden kann! Lasse trotz der Sp├╝lung einen Schnippel der Wurst auf dem Teller liegen. Schon w├Ąhrend unseres Essens wird das Spiel mit Pfeil und Automaten lautstark wieder aufgenommen. Ein Dorftreff der Extraklasse! Freundliche, gesellige Leute die Karsdorfer! Rita fl├╝stert:" Eine herrliche Pufferbude"!
Die waren auch im Angebot, nur nicht rechtzeitig gelesen auf der gro├čen Tafel ├╝ber der Theke!
Vor dem Fernseher, in unserer Suite, wird die Rotweinflasche bald alle.
Am Morgen 10 vor 8 Uhr sind wir schon am Kaffeetisch. Eingedeckt ist schon, der Wirt bringt bald eine Thermoskanne Kaffee, w├╝nscht uns guten Appetit, setzt sich an den Nebentisch, isst sein Fr├╝hst├╝cksbr├Âtchen, liest die neueste Zeitung, schl├╝rft dabei seinen Kaffee und schweigt.
Irgendwie st├Ârend empfinden wir das. Doch das ist hier sein Reich, wir seine G├Ąste. Holperig beginnt ein Gespr├Ąch zischen uns. Doch bald liegt die Zeitung neben ihm, hat sein Interesse verloren. Wir sind dran. Nachdem er wei├č wo wir herkommen, hinwollen, wird ├╝ber Karsdorf gesprochen. Bald wissen wir das Karsdorf der Nabel der DDR gewesen ist. Hier wohnte nicht nur die Intelligenz der DDR sondern wurde auch das meiste Geld verdient. Die Wende brachte dann das gro├če Sterben Karsdorfs, Intelligenz wanderte ab, die Jugend sowieso, die Ertragskraft des Zementwerkes war dahin. Jetzt l├Ąuft es wieder, doch wie damals wird es nie wieder sein. Der Bau der Br├╝cke brachte dann noch einmal Leben in den Ort, aber durch den dauernden LKW-Verkehr wurde die Bausubstanz der H├Ąuser doch gewaltig in Mitleidenschaft gezogen. Auch sein Gasthaus weist Senkungssch├Ąden auf! "Und auf den Kosten bleibt man dann sitzen" sein bitteres Res├╝mee. "Mein Gasthaus sollte einmal meinen Lebensabend sichern, doch das kann ich vergessen; hier steigt keiner ein und einen K├Ąufer zu finden ist ziemlich aussichtslos" eine weitere Klage. "Doch einmal im Jahr kommen die Weggezogenen in ihre alte Heimat zur├╝ck, treffen sich an einem Wochenende, dann tauchen die vergangenen Zeiten noch einmal auf". Bei diesen Worten leuchten seine Augen. Wir sp├╝ren seine Zukunftssorgen, seine Wehmut nach dem Vergangenen.
Auf einem Blatt Papier zeichnet er uns noch den Weg durch den Ort auf, den wir nehmen m├╝ssen, um die H├Âhe Lohholz zu erreichen. Dank seiner Zeichnung finden wir auch den Weg zwischen Steinbruch und Werk hinauf. Oben geht die Fahrstra├če in einen wenig befahrenen Wiesenweg ├╝ber. Ein paar Datschen versteckt in Weinst├Âcken hinter Hasel, Wei├čdorn und anderem gr├╝nen Gestr├╝pp.
In den Gleinaer Bergen bleiben wir immer hart an der Hangkante. Verlaufen uns ein paarmal kurz, sto├čen immer auf verschlossene Weinbergpforten. Reizvoll sind die kleinen Pfade. Wir meiden weitgehend den Fahrweg der aussichtslos auf der H├Âhe entlang f├╝hrt. Erst beim Flugplatz der ehem. Reichssegelschule, jetzt Haus der Luftsportjugend, m├╝ssen wir auf ihm laufen. Beobachten einen Kunstflieger der unm├Âgliche Figuren in den Himmel kurbelt. Atemberaubend! Ein weiterer Flieger, ein flei├čiger Schlepper mit Segler im H├Ąnger bringt ihn auf H├Âhe, wo er ihn dann aus dem Schlepp klinkt, dem Segler die Freiheit gibt. Der Schlepper landet sofort wieder, zieht einen weiteren Flieger in die L├╝fte, oberhalb der Unstrut.
Eine Hangwiesenfl├Ąche wird von startenden Gleitschirm-Piloten genutzt. Noch ist keiner in der Luft, doch die Segel stehen schon ├╝ber ihnen im Wind. Warten wohl dass ein Windsto├č sie vom Boden l├Âst. Ein Anlauf gegen den Wind den Hang hinab, bringt nicht den erwarteten Flug sondern den Abbruch dieses Startes. Ein anderer Pilot steht im Wind mit prallem Segel, zieht an den Seilen, h├╝pft hoch, kommt nicht vom Boden weg.  Das Segel f├Ąllt zusammen. Neue Versuche von neuen Piloten. Wir beginnen im kalten Wind zu fr├Âsteln, wandern weiter.
Steil hinunter nach Dorndorf. Schauen zur├╝ck, jetzt sind 8 Gleitschirme in der Luft. Hat also noch geklappt mit der Windgeschwindigkeit. Die kleine Kirche ist offen. Eine besinnliche Rast. Nehmen die angebotene Erfrischung dankend an. Stiften einen Obolus f├╝r den Kirchenerhalt.
Der Weg f├╝hrt uns durch die Wiesen nach Laucha. Hinter der Unstrutbr├╝cke sind wir gleich in der Innenstadt, bewundern das Rathaus mit seiner s├Ąulengefassten Treppe.
Hinter der Glockengie├čerwerkstatt finden wir den Weg nach Weisch├╝tz. Hier am Ortsausgang eine niedliches Gartenlokal mit sonnenbeschiedenem Sitzplatz. Zum Weizenbier bestellten wir uns eine Th├╝ringerbratwurst im Br├Âtchen. Blumen geschm├╝ckt der kleine Garten, Oleander in gro├čen T├Âpfen zwischen den Tischen. Hinter dem Wohnhaus nervt ein Rasenm├Ąher. Der unterh├Ąlt uns w├Ąhrend der ganzen Pause.
Rad- und Wanderweg teilen sich hier. Der Radweg bleibt in Unstutn├Ąhe, der Blaustrich f├╝hrt uns zu einen Aussichtspunkt. Die Beschilderung ist hier nicht so ganz toll und wir landen wieder in einer Sackgasse. Macht nichts, ein Wiesenpfad bringt uns am Ende des Taleinschnittes zum Schafberg. Wunderbare Sicht ├╝ber die Ebene. Die Schafberg Wiesen ├╝berraschen mit ihrer Flora. Finden viele Silberdisteln, die Kn├Ąuelglockenblume, die Gro├če Brunelle, die Stengellose Kratzdistel.
Kurz vor Zscheiplitz ignorieren wir leider den Abzweig zum Steinbruch mit seinem alten Kalksteinofen. Im Ort wirbt ein Weingut um G├Ąste, macht einen einladenden Eindruck.
Von Zscheiplitz sind wir begeistert! Wunderbarer Ort mit Wehrmauer. Ein Durchschlupf bringt uns zur Aussicht auf die Wehrmauer. Herrliche Sicht auf Freyburg, der Neuenburg mit seinem Bergfried auf der H├Âhe, die Zeddenbachm├╝hle im Tal. Zscheiplitz, ein Ort der in seiner Geschichte von viel Gewalt gepr├Ągt wurde. Mord, Totschlag, Belagerung ist ├╝ber und durch seine Mauern gezogen. Heute ein Ort an dem man verweilen m├Âchte.
Wir steigen ins Tal hinab, wollen ├╝ber die Schweigenberge nach Freiburg hinein laufen. Finden an der Stra├čenkreuzung leider nicht den Einstieg hoch in die Schweigenberge. Wenden uns zur Unstrut, zur Zeddenbachm├╝hle. Hier ist was los! Jede Menge G├Ąste bev├Âlkern die zur Gastwirtschaft umgebauten M├╝hle. Viele Nebengeb├Ąude sind im Verfall begriffen, doch die Kneipe l├Ąuft wohl, wenn man nach dem hier herrschende Gewusel urteilt, wie geschmiert.
Der Rad- und Wanderweg f├╝hrt ├╝ber eine Wehrbr├╝cke zur anderen Seite der Unstrut. Begleitet von Gleisen der Bahn, an Schreberg├Ąrten entlang kommen wir nach Freyburg.  Zwischen den G├Ąrten sprechen wir eine Spazierg├Ąngerin an: "Bitte k├Ânnen sie uns eine Unterkunft empfehlen"? "Da werden sie Schwierigkeiten bekommen, jetzt zur Lese ist immer alles ausgebucht. Das wird schwierig, sehr schwierig". "Rauben sie uns nicht alle Hoffnung, sonst kommen wir zu Ihnen" scherze ich, obwohl mir gar nicht danach ist. Sie geht lachend weiter. Wir finden gleich hinter der Unstrutbr├╝cke rechts im Hotel Am Weinberg ein Zimmer f├╝r die Nacht. Schauen uns noch ein wenig in Freiburg um. Suchen und finden den Einstieg zu dem Schweigenberge. Schade, es w├Ąre so sch├Ân gewesen hier in Freiburg anzukommen. Aber h├Ątten wir auch hier sofort eine Unterkunft gefunden? Nehmen wir es so wie es ist, hat halt nicht sein sollen. Tr├╝bsal brauchen wir deswegen nicht zu blasen!  
Zum Abendessen landen wir auf Terrasse Burgm├╝hle am Wehr, direkt unterhalb der Neuenburg. Beim Zanderessen beobachten wir den m├╝hsamen Einstieg von vier Paddlern in ihre beiden Boote. Die steile Treppe die die beiden Boote zum Wasser hinunter geschleppt werden m├╝ssen, ist schon eine Plage. Lange dauert es bis alle Sachen wieder verstaut und die Paddler in ihren Schiffen sitzen, weiter fahren k├Ânnen. Erst im letztem Tageslicht paddeln sie ihrem Ziel, wo immer sie auch hin wollen, entgegen.
Wir haben es da heute besser, trinken noch einen Tagesabschlusschoppen in der Gaststube unseres Hotels Am Weinberg. K├Âstlich zieht mir der Duft der gereichten Speisen in die Nase. Ich kann nicht widerstehen und bestelle mir noch einen der hier servierten Garnelenspie├če. Rita staunt, war der Zander doch mehr als ausreichend!
Fr├╝h sind wir wieder unterwegs, steigen zur Neuenburg hoch. Der Weg ist ganz sch├Ân m├╝hsam. Neben dem Weinberg, auf dem jeder seinen eigenen Weinstock kaufen kann, schnaufen wir nach Oben. Das Lokal ist noch im Schlaf und wir sind froh ├╝ber unsere gestrige Entscheidung, dem Lichterglanz am Abend widerstanden zu haben, noch hier hoch zu krabbeln. Einmal am fr├╝hen Morgen nach dem ausgiebigen Fr├╝hst├╝ck, langt!
Freiburg liegt noch im Schatten, nur die Spitzen von St. Marien werden schon vom Sonnenstrahl getroffen.
Betrachten den dicken Turm der Burg, schlendern ├╝ber die morgendlich leere Stra├če bis uns ein abbiegendes Auto scharf anhupt. Auf mein beschwichtigendes Zeichen h├Ąlt der Fahrer, ein etwa gleichaltriger Herr an, will mir den Marsch blasen. Lasse seine Schimpfkanonade ins Leere laufen, drehe mich um, gehe weiter. Seine Beifahrerin spricht laut auf in ein. Der gute Mann setzt den Blinker biegt auf ein Grundst├╝ck ein. ├ärgere mich aber doch ├╝ber seine R├╝cksichtslosigkeit, wenngleich unser Stra├čengebummele ja auch zu seiner Provokation beigetragen hat. Am fr├╝hen Sonnabendmorgen und schon so schlecht gelaunt, hat wohl eine schlechte Nacht gehabt, der Gute, suchte ein Ventil um Frust abzulassen!
An der Rebschule biegen wir in Richtung Ni├čmitz ab. Der Blaustrich l├Ąuft auf einer Landstra├če nach Gro├čjena. Wenig Autoverkehr. Im Stra├čengraben bl├╝ht das Seifenkraut. Winkelig geht es durch den Ort, sch├Âne bl├╝hende G├Ąrten. Flohmarktst├Ąnde sind im kleinem Park aufgebaut, Kunden und Seher flanieren.
Ein Garten l├Ądt zum Besuch. Die Oma verkauft selbst gezogenes Gem├╝se, N├╝sse, Kartoffeln, Pflanzen, Marmelade, Gebinde, Gestecke und sonst noch allerlei Nippes. Die G├Ąrtnerin begleite uns ein St├╝ckchen durch ihr Gartenreich, bald von anderen Besuchern gefordert. Wir d├╝rfen allein ihr kleines Reich bewundern. Alle Anregungen die ein Gartenmagazin verbreitet sind hier umgesetzt. St├╝hle, Tische des Gartens mit  bepflanzten Kocht├Âpfen, Bratpfannen und anderen Gef├Ą├čen geschm├╝ckt. "Ja, die von der Redaktion des Magazins waren schon bei mir" bekennt die G├Ąrtnerin stolz auf Nachfrage. Wir loben sie ├╝ber die Gestaltung und dem Zustand ihres Gartens. Wir verlassen eine gl├╝ckliche G├Ąrtnerin, einen gl├╝cklichen Menschen.
Ein sehenswertes Kleinod in Gro├čjena!
War in Gro├čjena schon was los, so beginnt an der Unstrutbr├╝cke die V├Âlkerwanderung in Richtung Bl├╝tengrund. Radfahrer, Fu├čg├Ąnger, Autos, alles strebt zur Saale. Eine Menschenschlange strebt hoch zum Max Klinger Weinberg. Wir sind neugierig was da oben zu sehen ist, reihen uns ein. Das Radierst├╝bchen ist geschlossen, das Museum in seinem Wohnhaus ge├Âffnet. Treten ein, werden sofort abkassiert, ein paar ÔéČ sind schon f├Ąllig um die Klinger Bilder und Radierungen betrachten zu k├Ânnen. Eine vornehme Dame die nur gucken und nicht zahlen will, wird ziemlich barsch, von der Kassiererin vor die T├╝r gewiesen! Beeindruckende, manche vom Sexismus gepr├Ągte Bilder geben Einblick in die Seele des K├╝nstlers. So ganz rein war seine Seele nicht, mein Eindruck von seinen Werken und seiner Lebensweise. Doch will ich seine Kunst nicht bekritteln. Andere Wissende beurteilen seine Werke halt nicht so aus dem Bauch wie ich. Es ist auch beeindruckend wie viele Freunde ihn hier, auf seinem Grundst├╝ck zu Grabe, getragen haben, wie viele Kr├Ąnze hier, von w├╝rdigen Herren mit Zylinder auf dem Kopf, hochgeschleppt wurden. Der K├╝nstler ruht hier mit Saale - Unstrutblick.
Ein kleines Gartenkaffee rundet den Besuch des Klingerweinbergs ab. Beeindruckend sind die anschlie├čenden steinernen Bilder die die steile  Bundsandsteinwand schm├╝cken. Das Steinernde Bilderbuch zieht sich etwa 200m lang unter dem Steinauer Weinberg hin, gekr├Ânt von der mit Putten geschm├╝ckten Balustrade des Weinberghauses. Beeindruckend dieses letzte Wegst├╝ck bis zum Bl├╝tengrund, zur F├Ąhre ├╝ber die Saale.
Finden gerade noch ein Pl├Ątzchen im Sonnenschein. Bevor wir unser Bestelltes serviert bekommen ist die Sonne schon weiter gewandert. Sitzen nun im Schatten mit unserer warmen Soljanka. Der F├Ąhrmann hat gut zu tun, r├╝ber und hin├╝ber str├Âmt die Besucherstrom. Wir fr├Âsteln, treten zur F├Ąhrfahrt an. Haben Gl├╝ck, brauchen nicht  in einer Schlange zu warten, erwischen eine L├╝cke im hin und her gondeln der Ausfl├╝gler. Lassen Kanu- und Zeltplatz links liegen, Busse mit gelangweilt wartenden Fahrern stehen auf dem Parkplatz. Naumburg versteckt sich hinter Bahn und B├Ąumen. Wir waren schon einmal hier, zelteten damals beim Kanuverein, kennen den Weg der etwas verwirrend nach Naumburg f├╝hrt. Der Bahntunnel der die Schienen unterquert ist wieder verschmiert, dunkel und dreckig, gut das die Sonne auch hinter dem Tunnel scheint. Ein Schild weist zum Bahnhof, ein langer Weg bis dort. ├ťber Naumburg t├╝rmen sich dunkle Wolken. Laut Fahrplan f├Ąhrt in 4 Min. ein Zug nach Erfurt. In der Information werden auch Fahrkarten verkauft. Ein Herr versucht einen Reiseplan ausgedruckt zu bekommen. Mir l├Ąuft die Zeit davon, m├Âchte den Zug nun doch noch bekommen, der hat Verst├Ąndnis, l├Ąsst mich vor. Die Beamtin druckt eine Sonderfahrkarte f├╝r 23ÔéČ nach Artern aus, will mir noch etwas ├╝ber Schienenersatzverkehr oder sonst etwas erz├Ąhlen, doch mit der Fahrkarte in der Hand sind wir schon unterwegs. M├╝ssen auf den anderen Bahnsteig. In der Unterf├╝hrung, h├Âren wir den einlaufende Zug ├╝ber uns in den Bahnhof einrauschen. Durch die offene T├╝r fliegen wir f├Ârmlich in das Abteil. Geschafft, doch von Naumburg diesmal nichts gesehen!
Die Schaffnerin teilt uns dann mit, dass ab Weimar wegen einer Gleisbauma├čname Schienenersatzverkehr eingesetzt ist, die Busse stehen vor dem Bahnhof zur Weiterfahrt bereit. Doch sp├Ąter kommt auch noch ein Personenzug, mit dem k├Ânnen wir auch weiterreisen.
Umsteigen in Weimar in den Schienenersatzverkehr Bus. Der gondelt mit uns durch die Landschaft und kommt sechs Minuten zu sp├Ąt in Erfurt an. Der Bahnsteig leer, der Zug schon unterwegs. Die Deutsche Bahn hat wieder zugeschlagen!
Eine Stunde haben wir nun Zeit bis zur n├Ąchsten Abfahrt, eine Stunde die nur wartend zu ├╝berbr├╝cken ist. Zu lang zum Warten, zu kurz um die Stadt zu besuchen.
Vertr├Âdelte Lebenszeit, ├Ąrgerlich. Bald sitzen wir im Anschlusszug. Halten an jedem Bahnhof, langsam werden die Stationen bekannter. Artern ist erreicht, der Bahnhof am anderen Ende der Stadt. ├ťber die alte Unstrutbahnbr├╝cke treffen wir wieder auf den Radweg, der uns zum Wehr mit Schleuse, zum Kanuverein,zu unserem Auto bringt.
Achim ist erstaunt, hat nicht so schnell mit uns gerechnet. Bei einer Tasse Kaffee und Kuchen werden die Erlebnisse besprochen. Der Fernseher zeigt wieder Bilder von der Donau. Noch einmal will Achim die Strecke paddeln, noch einmal von Ingolstadt ins Schwarze Meer. Trotzt aller M├╝hsal und Plage noch einmal an dem Fahrterlebnis teilnehmen, dabei sein in der gro├čen TID-Gemeinschaft. Im Juni 2013 geht es wieder los! Sagt er. "Viel Spass und Gl├╝ck dabei" w├╝nschen wir. Unsere Kaffee Gespr├Ąche wandern durch die Zeit.  Es wird mir deutlich, dass seine Lebensphilosophie durch die Wende doch einen gewaltigen Knack bekommen hat. Ich kann nicht sagen was ihn noch immer so betroffen macht, l├Ąsst er doch kein gutes Haar am Heute. H├Ąufig bestimmt sein Frust, seine Unzufriedenheit unser Gespr├Ąch; f├╝hle mich unsicher, will nicht mit ihm streiten ├╝ber Gerechtigkeit oder Ungerechtigkeit der Welt. Achim hat wohl viel verloren durch die Wiedervereinigung Deutschlands, wenigstens sieht er das so. Mein Herz ist gespalten bei seinen Aussagen ├╝ber unsere Republik. Nachdenklich verabschieden wir uns voneinander.
" Wenn man Gl├╝ck kaufen k├Ânnte, w├╝rden man immer zuviel davon nehmen" dieser Spruch von Pearl S. Buck am Kaufhaus, an dem wir, zum Abschied aus Artern vorbei fahren, bringt mich erneut ins Gr├╝beln.
Auf der Heimreise ├╝ber den Harz beginnt es zu regnen. Unser Engel hat wieder gut aufgepasst, hat uns seine Hand gegeben uns gut geleitet. Gut das es "Einen" gibt der seine Fittiche ├╝ber uns h├Ąlt.
Noch immer wandern wir in Gedanken an der Unstrut entlang. Im Fr├╝hsommer wollen wir noch einmal den Bottendorfer H├╝gel, den Mittelberg, die Gleinaer Berge mit Burgscheidungen, vor allem den Schafberg aufsuchen. W├Ąre sch├Ân wenn's klappt! Auf dem Kanurastplatz in Karsdorf wird f├╝r diese Exkursionen dann unser Zelt stehen. Vielleicht probieren wir dann ja noch einmal die Currywurst in der Pufferbude.

Otto Pake