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1. Unstrutbahnbrücke

2. Kugeldistel

3. Herzgespann

4. Schönewerda

5. Schönewerda

6. Großblütige Königskerze

7. Kaliabraumhalden

8. Ackerfuchsschwanz

9. Weiße Lichtnelke

10. Ackerkrumhals

11.Mühle Wendelstein

12. Wendelstein

13. Kloster Memleben

14. Memleben

15. Im Kloster Memleben

16. Steinklöbe

17. Unstrutbahn-Wangen

18. Karsdorf-Schrankenwärterhäuschen

19. Zementwerk

20. Fransenenzian

21. Unstrutaue nach Nord

22. Unstrutaue nach Süd

23. Unstrutaue nach West

24. Altar in Dorndorf

25. Dorndorf

26. Dorndorf

27. Silberdistel- Schafberg

28. Stengellose Kratzdistel

29. Zscheiplitz

30. Freyburg

31.Schweigenberge

32. Stechapfel

33. Neuenburg

34.Stadtkirche-St.Marien

35. Großjena-Garten

36. Kein Platz mehr!

37. Steinernde Bilderbuch

38. Weinberghaus

39. In der Schenke

40. Saalefähre-Anleger

41. Wolken über Naumburg

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Lageplan

Lageplan der Wanderung!

Artern

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Blaues Band

Blaues Band Untstrut

Kloster Memleben

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Nebra

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Freyburg / Unstrut

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Unstrutwanderung von Artern bis Naumburg  

Vier Tage mit Rita an der Unstrut.
Vom 3.-6. Oktober 2012

Vorgesehen war eine Wanderfahrt mit den Faltboot, doch das unstete Wetter hielt uns immer wieder ab Boot und Zelt ein zu packen. In Straußfurt wollten wir beginnen, der Blütengrund bei Naumburg das Ziel. Doch Hadern war angesagt und so verschwand das Jahr mit seinen sommerlichen Tagen,wie der Schaum vom Bierglas.
Doch das Tal mit seinen Hängen reizte uns beide.
"Lass uns doch doch wandern, da brauchen wir nicht so viel Gerödel ", Ritas Vorschlag zu Beginn der Woche. Das war der Hammerschlag auf dem Nagelkopf. Am Dienstagabend wurden die Rucksäcke gepackt und nach dem Frühstück ging die Reise los. Artern haben wir als Startort ausgewählt. Es ist gut mit dem Zug wieder zu erreichen, wenigstens sagt das unsere Karte (Wander- u. Radwanderkarte Kyffhäuserkreis) aus, außerdem ist dort der Paddelfreund Achim Zuhause, wir hatten ihn auf unserer Donaureise, auf der TID kennen und schätzen gelernt. Ein spartanisch reisender Paddler. Kleines Zelt, winziges Gepäck, kein Steuer am Boot, kein Bootswagen, Schwimmweste als Regen und Kälteschutz, ohne Kocher, schon am Morgen nur kalte Getränke, kein Tisch, kein Stuhl; der Schnellste im Boot, der Erste am Übernachtungsplatz und der Zuverlässigste beim Ausbooten der später Ankommenden. Also, ein freundlicher, superharter Typ. Er ist aktiv beim Kanuclub Artern, bedient u.a. die Schleuse, schenkt Bier und Kaffee aus, kümmert sich um Platz und Gäste. Dieser Achim hatte uns beim Abschied an der Donau eingeladen und dieser Besuch stand noch aus.
Aus seinem dunklen Aufenthaltsraum begrüßte er uns mit der Worten: "Euch kenne ich doch, seid willkommen", bevor wir ihn überhaupt erst wahrnehmen konnten.
Eine gute Stunde wurde nun gequatscht, erzählt, gelacht und das alles mit einem Bier, Achims -Spezial, runter gespült. Er staunte über unser Vorhaben, beschrieb uns den Weg, gab uns Informationsmaterial mit, begrub unseren Traum mit der Unstrutbahn zurück zu fahren, der Bahnkörper ist teilweise zum Unstrutradwanderweg ausgebaut. "Zurück kommt ihr nur über Erfurt, sonst wird schwierig", einer seiner Hinweise.
Herzlich verabschiedeten wir uns voneinander. "Wenn ihr zurückkommt sehen wir uns wieder", sein Abschiedsgruß. Unser Auto lassen wir in seiner Obhut.
Auf dem Radweg umgingen wir Artern, kamen bei der Bahnbrücke auf den mit Blaustrich markierten Kyffhäuser- Saaleweg, auch mit Feengrottenweg ausgezeichnet, der uns nun weitgehend begleiten sollte.
Der Unstrutdeich ist Rad- u. Wanderweg. Hohe, im Abblühen begriffene Kugeldisteln, Trupps vom Zottigen Echten Herzgespann rufen Begeisterung hervor, letzteres findet man nicht so häufig bei uns im Harz. Weiter Blick nach Süden, von der Hohen Schrecke begrenzt, die Thüringer-Pforte kann man erahnen. Ritteburg vor uns, Sonne im Nacken. Verschwinde hinter einem Weidenbusch am Ufer, was sein muss, muss sein, Rita geht weiter. Wieder zurück auf den Deich. Rita unterhält sich mit einem im Elektro-Rollstuhl sitzenden Herrn. Komme näher, scherze: "Eine kleine Ausfahrt ins Grüne, wie weit soll's gehen, ganz schöne Sache so'n Gefährt, immer schön auf den Weg bleiben, da unten fließt der Bach". "Was soll ich machen, will auch ans Licht" knurrt er zurück. drückt einen Schalter und lässt uns stehen.
"Rita, war wohl nicht passend, mein Spruch", gräme ich mich ein wenig. "Was der zu mir gesagt, das hat haut dem Fass den Boden aus, bin erschüttert über so viel Unverfrorenheit", erwidert Rita. "Was wollte er denn"?
Na, ich begrüße den Herrn, statt Gruß sagt der jedoch: "Mädchen willst du ins Wasser? So allein unterwegs, -- doch mit der großen Brust kannst du ja nicht untergehen, die hält dich oben. Bist du mit der da unterwegs"?
 Er weist auf dich mit deinen langen Haaren. "Ja, mit der bin ich unterwegs" antworte ich.  "Da haste ja eine" seine Antwort.
Jetzt verstehe auch seine Unsicherheit im Blick, als ich ihn ansprach, hatte er mich doch als Frau angesehen.
Kerle gib's, so alt, krank und so frech!
Oberhalb des Wehres Ritteburg macht sich ein Paddler fertig zum Einstieg ins aufgeblasene Gummiboot, will wohl eine Runde mit seinem kleinen Kindern paddeln. Paddel liegen schon im Boot, Kinder wollen einsteigen, da bringt Papa noch einen Benzinmotor angeschleppt. Voll Grauen wende ich mich ab. Kein Naturfreund, ein Lärmmacher!
In der "Schleuse", die Gastwirtschaft trägt diesen Namen wartet man auf Kaffeegäste. Schön gelegen die Kneipe. Wir essen unseren Apfel auf einer gerade frei werdenden Bank am Unterwasser.
Bleiben trotzt der vielen Radfahrer, die uns zur Seite klingeln, rechts der Unstrut auf dem Radweg. Der "Blaustrich" führt hinter Kalbsrieth auf der Straße entlang und Straße ist nichts für uns. Lang zieht es sich hin, an der Unstrut, immer wieder vom Klingeln der hin und her fahrenden Radler genervt.
Sind froh als wir die Brücke von Schönewerda erreichen. Von zwei Radfahrer- Paaren, die Damen wollen nicht mehr so richtig, werden wir nach der "Schleuse" gefragt: "Ist es noch weit, ist da auch offen"?
Wir spenden Trost: "Ist nicht mehr weit und die Tische für sie sind schon reserviert". Ungläubiges Staunen, doch sie steigen auf und radeln auf ebenen Weg stromauf.
Schönewerda übertreibt nicht, sehr schön ist es durch das Dorf zu laufen.
Teiche, Gräben, Baumreihen, voll behangene Apfelbäume, Enten dümpeln auf dem See, Kinder spielen mit den Eltern auf den Wiesen am Wasser. Die Radfahrer sind wir los. Auf dem Wiesenweg der zum Bottendorfer Hügel führt, kommt wider Erwarten und überraschend, doch noch einer mit Tempo herunter gesaust. Dann ist Ruhe.
Eine Bank mit Aussicht über die Aue, daneben ein Prachtstück von Großblütiger Königskerze, drei Köpfe höher wie meine Rita. Fasst genau so schön nur etwas schlanker, wie sie, zu Beginn unserer Liebe. Heute hat beides zugenommen.
Wunderschön strahlt ihr Gelb mit den rosa Staubbeuteln in der Abendsonne.
Auf dem Hügel Trockenrasen mit Gras- und Karthäusernelke, in niedrigen Büscheln blüht noch oder wieder die Galmei-Frühlingsmiere. Zauberhafte Welt des Bottendorfer Hügel.
Ganz oben, auf dem Aussichtspunkt trafen wir wieder auf Radler. Mit dem Elektrorad haben ein Paar, noch ein paar Jahre ältere wie wir, den Hügel erklommen, trauern ihrer Beweglichkeit nach. Kleines Gespräch über vergangene Tage als auch sie noch zu Fuß unterwegs waren. Wir beide laufen weiter pfadlos durch die Wiesen, über den Hügel hinweg, treffen auf den Steinbruchweg, biegen in den Sänger-Rundweg ein.
Seltsame schwarze Vögel mit hellem Kopf sitzen verstreut auf dem Acker. Mit dem Fernglas werden sie als Rotmilane bestimmt, Zwei gleich große Vögel die dazwischen hocken aber mit dunklen Kopf und einer mit fasst orangefarbenen Bauchgefieder stellen uns vor ein großes Fragezeichen. Die kennen wir nicht, noch nie gesehen, vor allem noch nie einen mit Orangenbauch! Da muss erst Zuhause im Vogelbuch geblättert werden.
Am selben Ackerrand noch das Schwarze Bilsenkraut als Überraschung, im Samen schon, doch es ist es!
Kommen hinter renovierten Plattenbauten nach Rossleben. In einer Bushaltestelle eine Ortskarte. Die Ecken sind abgebrochen, doch finden wir darauf zwei Hotelhinweise. An dem einen Standort sind wir schon vorbei. Da war aber nichts, kein Hinweis auf eine Unterkunft. Kurz entschlossen halte ich einen gerade eingebogenen Autofahrer an. Frage wo wir bleiben könnten. "Da haben wir was besonderes, die Pension am Weinberg, gleich da unten links, die nächste rechts, dann lauft ihr direkt drauf zu, nicht zu übersehen. Ist ein verkauftes Gebäude der katholischen Kirche, findet ihr sofort". Dankend schlagen wir den beschrieben Weg ein. Fragen ein gartenpflegendes Paar noch einmal, nach dem Weg. Wir sind richtig. "Gleich da oben" ist es.
Gleich da oben ist Gerümpel auf der einen Seite der Straße, auf der anderen gepflegte Einfamilienhäuser. Ein Getränkeversorger im Keller mit rauchenden, Bier trinkenden Herren in Arbeitsklamotten, wo ich nochmals nachfrage, schickt uns wieder zurück. "Gleich vorne rechts ist der Laden".
Vorne rechts, sind wir blöd oder was? Sind wir doch gerade erst vorbei gekommen! Dann hinter dem Gerümpel ein versteckter Eingang, die Pension. Gepflegtes, gefälliges Äußeres, hübsche Tür mit Klingel. Klingele. Nichts rührt sich. Klingele noch eimal. lese an der Tür: Wenn ich nicht da bin rufen sie bitte die Nr??.. an, komme sofort.
Herrlich, würde ich gern, doch das Telefon muss erst noch gekauft werden, wandern ohne Handy, haben gar keins! Rita wendet sich ab, will gehen. Aus Trotz klingele ich nochmals. Tatsächlich rührt sich etwas hinter der Türe. Die öffnet sich langsam, eine Dame, stramm ins Badetuch eingewickelt fragt :"Sind sie mein Masseur"? " Leider nicht, möchten hier übernachten" erwidere ich. "Da müssen sie die angegebene Nummer anrufen" sagt sie, will die Tür schließen. "Bitte, wir sind Handy-los, könnten sie bitte das nicht für uns übernehmen"? "Mein Mann kann das machen, ich rufe ihn, warten sie", sagt die eingewickelte Dame und verschwindet. Ihr Mann regelt die Sache und im Nu ist die Vermieterin eingetroffen. 60? verlangt sie führ das Doppelzimmer. Ein neues geschmackvoll eingerichtetes kleines Zimmer erwartet uns, sind begeistert. Eine Stufe geht es zum Bad und Balkon hinunter, müssen wir uns für die Nacht merken! Nichts ist dummer als des Nachts auf die Nase zu fallen, die ungewohnte Stufe hinunter zu stolpern! Doch erst geht es in den Ort, müssen noch ein paar Euro aus den Automaten ziehen. Der angesteuerte Geldspender bei der Voba, bin da Mitglied im Verband, ist defekt, bei der Sparkasse müssen wir für die Aktion bezahlen, weggeschmissenes Geld.
Eine Platz zum Abendessen finden wir abseits hinter hohen Plattenbauten, im "Come in". Schnitzel mit bei Ei bzw. Pilze mit Pommes & Salatbeilage, das erste Essen nach unserem Apfel am Bottendorfer Hügel. Im Dunklen, unterm Sternenhimmel finden wir trotz der zwei Hefeweizen und je einem doppelten Weinbrand, unseren nächtliche Suite.
Am Morgen beim Frühstück der Kampf mit dem Kaffeeautomaten. Zwei Chips, zum Einlaufen von zwei Kaffees liegen, vor unserem Platz, neben der Tasse. Mit Unterstützung des anwesenden Hausherrn klappt das auch. Bei der zweiten Tasse brauchen wir dann keine Hilfe mehr.
Später kommen unsere Mitbewohner von dieser Nacht auch zum Frühstück. Sie sind Radler, wollen auch nach Naumburg. Haben das gleiche Automaten-Problem, auch hier muss der Hausherr die Anleitung geben. Kleine Freuden am Morgen.
 Sonst freundliche Gespräche und gute Wünsche auf unseren Weg zu Fuß, von  ihnen; von uns die gleichen ebenso herzlich für ihre Radtour.
"Vielleicht treffen wir uns ja noch" der Abschiedsgruß.
Wir laufen auf dem Panorama-Rundweg, (Blaupunkt), am verschmutzten, stillliegen Bahnhof vorbei, biegen scharf links ab. Hoch geht es, am Schwimmbad vorbei, hoch hinauf bis wir wieder auf den Feengrottenweg im Ziegelrodaer Forst stoßen. Oberhalb der hellen Abraumhalden, auf vergessenem Wiesenweg mit Aussicht ins Unstrutbecken wandern wir einsam, an der stinkenden, hinter den Abraumhalden versteckten, Kompostierungsanlage vorbei. Später laufen wir auf Asphalt, nur von einem verwundert guckenden Jäger, der uns im Auto entgegenkommt, ausgiebig gemustert, nach Wendelstein, mit seiner Burg hoch über der Unstrut.
Am Weg blüht in dichten Beständen die Weiße Lichtnelke und der Ackerkrummhals, mit seinen kleinen blauen Blüten, auch der Ackerfuchsschwanz steht vereinzelt umher.
Hier auf dem doch etwas verkommenen Burghof in Wendelstein treffen wir die Radler vom Frühstückstisch wieder. Ein Hallo von beiden Seiten. Wir dachten sie waren schon längst weit vor uns, bei dem Umweg den wir gemacht haben, so hoch in den Ziegelrodaer Forst. Sie radeln weiter. Rita und ich steigen auf glitschigen Pfad zum Wehr unterhalb der Burg hinunter. Auf unserer Karte läuft der Feengrottenweg an der Uferterrasse der Unstrut nach Memleben, zum Kloster, weiter. Unten an der alten Mühle ein Schild das uns klar machen will, dass der Weg nicht mehr durch die Mühlengelände führt, sondern oben auf Feldwegen, durch die Äcker.
Wundern ein bisschen umher, wissen nicht so recht was wir machen sollen, wieder hoch? Eine junge Dame, von weitem könnte man noch jung sagen, sitzt beim späten Frühstück im Sonnenschein, mitten auf den Mühlenhof. Dreist frage ich: "Geht der Weg hier weiter"? "Ein Weg geht da lang, aber wie weit und wohin , das kann ich ihnen nicht sagen. Bin nicht von hier". Mit gekonnter Sicherheit im Schritt wandern wir an ihr vorbei, sind auf den richtigen Weg. Der Blick zurück zeigt einen wilden Garten, mit allerlei selbst gebastelten Windspielen die die Bäume schmücken, doch auch abgeerntete Beete und angefangene Rodungsreihen eines Kartoffelackers. Die Streuobstwiesen am Hang sind verwildert, die Kirschbäume  ungepflegt. Schon fast zugewachsen zieht sich unser Pfad unterhalb des alten Prallhangs der Unstrut hin. Vor Memleben kommen wir wieder auf den Deich der hier auf dem Prallhang ausläuft, oder wenn man so will, wieder beginnt.
Ein Kanu-Rastplatz am Ortsanfang am gegenüberliegen Ufer. Über die Brücke in den Ort. Mit Drahtzäunen abgesperrte schmale Durchgänge. Ein riesiger Trecker zwingt uns zur Seite, gerade so passen wir aneinander vorbei.
Vor dem Klostereingang treffen wir den Herrn des Radlerpaares wieder. Er wartet auf seine Partnerin die das Kloster besucht. Er will sich die 6? Eintritt sparen. Wir bezahlen, geben Heinrich I. und Otto I. die beide hier verstarben, die Ehre. Treffen die Radlerin beim Einkauf von Ansichtskarten. Nochmals gute Reise. Nach der Besichtigung fast aller Ausstellungsräume ist Apfel- und Birnenspeisung aus dem Rucksack im Klostergarten. Auf sonnenbeschiedener Bank mit Tisch davor machen wir unsere Mittagspause.
Bald sind wir wieder auf dem Unstrutradweg. Das Gebimmel der Radfahrer ist heute weniger geworden, doch verlassen wir den asphaltierten Radweg, laufen unterhalb durch die Wiesen. Viel angenehmer ist es auf der Grasnabe zu laufen, als dauernd den harten, ebenen Asphalt zu treten.
Steil baut sich die Steinklöbe vor uns auf. Ein Felsriegel der imposant das Unstruttal einengt. Oben auf der Höhe wurde die "Himmelsscheibe" gefunden. In Wangen das wir bald erreichen wurde ein Museum für die Scheibe gebaut. Wie eine überirdische Himmelsbake gestaltet, einer Banane nicht unähnlich, steht sie oberhalb der Ortschaft. Wir waren schon mehrmals da, vor und nachdem Fund der Himmelsscheibe, suchten damals nach der Violetten Königskerze. Fanden sie aber nicht, so ärgere ich mich immer ein wenig wenn ich hier unterwegs bin.
In Wangen steht plötzlich ein neuer Triebwagen auf den Gleisen. Selbst ein Bahnhofsschild ist angebracht. Haben sie den Triebwagen hier vergessen? Seltsam was manche Gemeinden für Hobbys haben, einen fast neuen Triebwagen als Spielort für die Kinder denke ich mir. Na, jedem das Seine.
Am Ortende bei einer Unterführung weist ein Schild zu einem Hofcafe'. Gönnen wir uns einen. Doch leider macht die Wirtin gerade Urlaub, nichts mit dem Kaffee. Setzen uns auf den Bootsanleger, der im Sommer Paddelgäste in den Ort bringen soll. Verzehre den nächsten Apfel, Rita wählt wie schon in Memleben, eine Birne aus meinem Rucksack. Was man so alles mit herumschleppt. Plötzlich sind die beiden Radler wieder da. Sie haben auf unsere Empfehlung den Fundort der Himmelsscheibe aufgesucht. "War ganz schön steil die Tour zum Mittelberg hoch mit dem Rad", klagt die Dame, "aber ein guter Tipp! Nett dass wir uns schon wieder treffen. Ihr seid ja ganz zügig unterwegs. Doch nun fahren wir durch bis Naumburg, mein Mann muss morgen wieder arbeiten". "Dann nochmals gute Fahrt, viel Spaß bei der Arbeit". Ein Winken bringt sie auf die Räder und schon verschluckt sie das grüne Ufer das hier Unstrut und Radweg säumt. Auf den über uns laufenden Geleisen plötzlich der Triebwagen von Wangen, fährt an uns tutend vorbei. Staunen. Gibt es doch die Unstutbahn doch noch?
Ein Garten-Imbiss kurz vor Nebra läd zur Pause. Beim Weizenbier, dass heute ausnahmsweise schon am frühen Nachmittag getrunken wird, erzählt uns der Wirt von seinem Vorhaben. Er möchte nicht nur die vorbeikommenden Radler bewirten sondern auch die Paddler. Ein Anleger ist in Planung, der Bauantrag eingereicht.
"Wenn alles klappt würde unser kleines Café beiden dienen, den vorbeikommenden Gästen Erholung und Rast und uns finanzielle Sicherheit, kommt mal wieder vorbei" gibt er uns mit auf dem Weg. "Bitte noch eine Frage: War das vorhin eine Sonderfahrt, oder ist die Bahn doch noch in Betrieb"? "Der fährt alle Stunde zwischen Wangen und Naumburg, die Strecke durch Thüringen bis Arten ist stillgelegt, doch sind Bestrebungen im Gang die Strecke wieder zu öffnen, doch die Thüringer wissen nicht genau was sie wollen, immer neue Bedenken werden hochgezogen".
Dreht sich um, hackt weiter aus seinem großem Berg Rundholztrulen, Scheite zum Verfeuern.
In Nebra führt uns der Wanderweg über die Unstrut. Lassen die Stadt rechts, hoch über dem Ufer liegen. Vorgesehen war hier in Nebra zu übernachten, doch laut Auskunft der Kaffeegartenwirtin gibt es nichts im Ort, erst in Karsdorf sind mehrere Möglichkeiten. Karsdorf ist also unser heutiges Ziel.
Einen ganz schön großen Bogen nach Norden macht die Unstrut hier. Tippeln am rechten Ufer unter einem bewaldeten Hang entlang, oben Stimmen und ab und an durch die Bäume schimmernde Gebäude. Am anderen Ufer baut sich im schon nachmittäglichen Sonnenschein das Schloss Vitzenburg auf. Danach wieder Wohnbebauung von Nebra. Eine Dame fährt aus der Garage, hält neben uns, fragt nach unserem Ziel. "Karsdorf" unser Antwort. "Ich bringe euch hin, ist nur ein kleiner Umweg für mich, steigt ein" bittet sie uns. Wir verneinen, danken sehr herzlich, lassen uns nicht verführen. Sie lacht, versteht unseren Entschluss, fährt grüßend davon. Der Radweg ist wieder gut, breit ausgebaut. Ein riesiger Abfall- oder Komposthaufen am Wegesrand. Rot leuchten Tomaten uns von oben entgegen. Ich klettere hoch, gehe ernten. Wunderbare kleine feste Tomaten. Daneben prächtige Pflanzen vom Stechapfel mit reifen und noch grünen Früchten. Giftig, aber fotogen. Eine entgegenkommende Hundeausführerin wundert sich über meinen Ernteeinsatz und das Fotografieren der Stechäpfel, schüttelt den Kopf. "So ist das mit den Rentnern; sie arbeiten nicht, gehen spazieren, doch der himmlische Vater ernährt sie doch" höre ich sie murmeln. Sage nichts dazu, halte meine Klappe. Bei Reinsdorf wechseln wir wieder auf die nördliche Uferseite. Ein Radler, älteren Semesters spricht uns an. Will alles über uns wissen, da wir nicht so richtig loslegen mit unseren Auskünften, dreht er den Spieß um und erzählt uns seine ganze Lebensgeschichte, will er wenigstens. Wir drängeln uns jedoch so'n bisschen aus seinem Gespräch, ist die Sonne doch schon im Sinken begriffen.
Weit vor uns taucht eine lange filigrane weiße Brücke auf, die das ganze Tal quert. Wie ein Kunstobjekt in die Landschaft gestellt, erscheint sie uns.  Dahinter
die Türme des Zementwerkes. Langsam kommt Karsdorf näher, ein langer, langweiliger Weg, immer die Brücke vor Augen. Bepflanzte, eingezäunte rechtwinkelige Grundstücke, wohl Ausgleichsmaßnahmen vom Brückenbau, begleiten uns. Niedrig sind die gepflanzten Sträucher, hoch von krautigen Einjährigen und Stauden überwachsen. Bilsenkraut und Stechapfel sind auch darunter.
Die Brücke baut sich mächtig auf. Arbeiter hochoben mit Hochdruck bei der Sache. Der von weitem weiße Beton mit schmutzigen Streifen überzogen, macht keinen so zuverlässigen Eindruck, obwohl allerneueste Erkenntnisse in Statik und Materialeinsatz eingeflossen und Verarbeitung finden. Wir sind froh als die Brücke hinter uns liegt und Karsdorf erreicht ist. Am Ortseingang ein Reklameschild des Landgasthofs, Zimmer werden auch angeboten, doch Donnerstag ist Ruhetag!
Trotzdem steige ich die Treppenstufen zur Wirtschaft hoch. Klingele, die Tür öffnet sich tatsächlich, eine Dame schaut mich an. Trage meinen Übernachtungswunsch vor. "Kein Problem, kommen sie rein, nur zu essen kann ich ihnen nichts mehr machen, habe eine Verabredung. Doch bei unserem Imbiss im Dorf können sie einkehren, der hat geöffnet" sagt's, zeigt uns das Zimmer. "65? mit Frühstück ist der Preis für eine Nacht, Frühstück ab 8 Uhr, ist das recht"? "Ja unsere Zeit". Schon sind wir allein auf unserem Zimmer. Eigentlich sind es zwei Räume, in dem einen die Betten, im anderen eine gepolsterte Sitzecke, davor ein alter Fernseher, der sich aber weigert ein Bild von sich zu geben. Klopfe bei "Privat" ein Herr kommt und die alte Kiste läuft.
Laufen durch ein paar Seitenstraßen, kommen zur Unstrut. Beim Kanuplatz wird mit Schaufel und kleinem Bagger die Wintersaison eingeleitet. ein neues Winterlager für die angebotenen Leihboote gebaut. Den Lärm ignorierend setzen wir uns an einem Tisch, auf der Veranda, der von den letzten Sonnenstrahlen getroffen wird. Die junge, gesprächige Wirtin bringt uns unser Weizenbier. Ihr Erzählstrom ist herzlich, freundlich ungebremst, informativ. Kaufen noch eine Flasche Unstrut-Wein, roten Spätburgunder, selten zu bekommen. 10? will sie dafür haben. "Ich verdiene nichts daran" gibt sie uns mit auf den Weg, der uns in das Imbissstübchen führt.
Die Tür steht auf. Im Gastraum sechs, acht Tische. Um einen sitzt eine lärmende Gesellschaft. Zwei Herren werfen Pfeile auf einen blinkenden Automaten der die Treffer anzeigt und zählt. Das macht der nicht etwa leise, sondern mit Tönen die einen auf einen Rummelplatz versetzen.
 Das Pfeilspiel wird unterbrochen, einer der Spieler geht nach draußen, erscheint wieder hinter der Verkaufstheke die den Spiel- und Gastraum vom Verkaufsraum trennt. Schaut uns erwartungsvoll an. "Müsst euch schon bei ihm melden, wenn ihr was wollt" ein Ruf des Mitpfeilwerfers, der am Tisch, bei den Herren Platz genommen hat.
Wir sind auch ein bisschen detsch, hätten wir doch merken müssen das die Spielunterbrechung uns galt! In unserer Blusterigkeit bestellen wir das naheliegenste: Currywurst mit Pommes und Weizenbier. Im Nu stehen die Biere an der Ausgabestelle. Der Wirt werkelt in der Küchenecke. Neue Gäste kommen, begrüßen
die schon Anwesende mit kräftigen klopfen auf der Tischplatte. Mache setzen sich, andere trinken einen Schluck im Stehen an der Ausgabe, verabschieden sich mit freundlichem Nicken. "Zweimal Currywurst" schallt es herüber. Nehme unsere leeren Weizenbierflaschen gleich mit, hole die Teller an unseren Tisch. "Zwei Weizen" bevor ich mich setzen kann.  Hole auch die Weizen ab, unsere Speisung kann beginnen.
Gute Pommes, beste Soße, die Wurst von zäh gebrutzelter Wurstepelle umhüllt, die nur mit der Flüssigkeit des Weizen heruntergespült werden kann! Lasse trotz der Spülung einen Schnippel der Wurst auf dem Teller liegen. Schon während unseres Essens wird das Spiel mit Pfeil und Automaten lautstark wieder aufgenommen. Ein Dorftreff der Extraklasse! Freundliche, gesellige Leute die Karsdorfer! Rita flüstert:" Eine herrliche Pufferbude"!
Die waren auch im Angebot, nur nicht rechtzeitig gelesen auf der großen Tafel über der Theke!
Vor dem Fernseher, in unserer Suite, wird die Rotweinflasche bald alle.
Am Morgen 10 vor 8 Uhr sind wir schon am Kaffeetisch. Eingedeckt ist schon, der Wirt bringt bald eine Thermoskanne Kaffee, wünscht uns guten Appetit, setzt sich an den Nebentisch, isst sein Frühstücksbrötchen, liest die neueste Zeitung, schlürft dabei seinen Kaffee und schweigt.
Irgendwie störend empfinden wir das. Doch das ist hier sein Reich, wir seine Gäste. Holperig beginnt ein Gespräch zischen uns. Doch bald liegt die Zeitung neben ihm, hat sein Interesse verloren. Wir sind dran. Nachdem er weiß wo wir herkommen, hinwollen, wird über Karsdorf gesprochen. Bald wissen wir das Karsdorf der Nabel der DDR gewesen ist. Hier wohnte nicht nur die Intelligenz der DDR sondern wurde auch das meiste Geld verdient. Die Wende brachte dann das große Sterben Karsdorfs, Intelligenz wanderte ab, die Jugend sowieso, die Ertragskraft des Zementwerkes war dahin. Jetzt läuft es wieder, doch wie damals wird es nie wieder sein. Der Bau der Brücke brachte dann noch einmal Leben in den Ort, aber durch den dauernden LKW-Verkehr wurde die Bausubstanz der Häuser doch gewaltig in Mitleidenschaft gezogen. Auch sein Gasthaus weist Senkungsschäden auf! "Und auf den Kosten bleibt man dann sitzen" sein bitteres Resümee. "Mein Gasthaus sollte einmal meinen Lebensabend sichern, doch das kann ich vergessen; hier steigt keiner ein und einen Käufer zu finden ist ziemlich aussichtslos" eine weitere Klage. "Doch einmal im Jahr kommen die Weggezogenen in ihre alte Heimat zurück, treffen sich an einem Wochenende, dann tauchen die vergangenen Zeiten noch einmal auf". Bei diesen Worten leuchten seine Augen. Wir spüren seine Zukunftssorgen, seine Wehmut nach dem Vergangenen.
Auf einem Blatt Papier zeichnet er uns noch den Weg durch den Ort auf, den wir nehmen müssen, um die Höhe Lohholz zu erreichen. Dank seiner Zeichnung finden wir auch den Weg zwischen Steinbruch und Werk hinauf. Oben geht die Fahrstraße in einen wenig befahrenen Wiesenweg über. Ein paar Datschen versteckt in Weinstöcken hinter Hasel, Weißdorn und anderem grünen Gestrüpp.
In den Gleinaer Bergen bleiben wir immer hart an der Hangkante. Verlaufen uns ein paarmal kurz, stoßen immer auf verschlossene Weinbergpforten. Reizvoll sind die kleinen Pfade. Wir meiden weitgehend den Fahrweg der aussichtslos auf der Höhe entlang führt. Erst beim Flugplatz der ehem. Reichssegelschule, jetzt Haus der Luftsportjugend, müssen wir auf ihm laufen. Beobachten einen Kunstflieger der unmögliche Figuren in den Himmel kurbelt. Atemberaubend! Ein weiterer Flieger, ein fleißiger Schlepper mit Segler im Hänger bringt ihn auf Höhe, wo er ihn dann aus dem Schlepp klinkt, dem Segler die Freiheit gibt. Der Schlepper landet sofort wieder, zieht einen weiteren Flieger in die Lüfte, oberhalb der Unstrut.
Eine Hangwiesenfläche wird von startenden Gleitschirm-Piloten genutzt. Noch ist keiner in der Luft, doch die Segel stehen schon über ihnen im Wind. Warten wohl dass ein Windstoß sie vom Boden löst. Ein Anlauf gegen den Wind den Hang hinab, bringt nicht den erwarteten Flug sondern den Abbruch dieses Startes. Ein anderer Pilot steht im Wind mit prallem Segel, zieht an den Seilen, hüpft hoch, kommt nicht vom Boden weg.  Das Segel fällt zusammen. Neue Versuche von neuen Piloten. Wir beginnen im kalten Wind zu frösteln, wandern weiter.
Steil hinunter nach Dorndorf. Schauen zurück, jetzt sind 8 Gleitschirme in der Luft. Hat also noch geklappt mit der Windgeschwindigkeit. Die kleine Kirche ist offen. Eine besinnliche Rast. Nehmen die angebotene Erfrischung dankend an. Stiften einen Obolus für den Kirchenerhalt.
Der Weg führt uns durch die Wiesen nach Laucha. Hinter der Unstrutbrücke sind wir gleich in der Innenstadt, bewundern das Rathaus mit seiner säulengefassten Treppe.
Hinter der Glockengießerwerkstatt finden wir den Weg nach Weischütz. Hier am Ortsausgang eine niedliches Gartenlokal mit sonnenbeschiedenem Sitzplatz. Zum Weizenbier bestellten wir uns eine Thüringerbratwurst im Brötchen. Blumen geschmückt der kleine Garten, Oleander in großen Töpfen zwischen den Tischen. Hinter dem Wohnhaus nervt ein Rasenmäher. Der unterhält uns während der ganzen Pause.
Rad- und Wanderweg teilen sich hier. Der Radweg bleibt in Unstutnähe, der Blaustrich führt uns zu einen Aussichtspunkt. Die Beschilderung ist hier nicht so ganz toll und wir landen wieder in einer Sackgasse. Macht nichts, ein Wiesenpfad bringt uns am Ende des Taleinschnittes zum Schafberg. Wunderbare Sicht über die Ebene. Die Schafberg Wiesen überraschen mit ihrer Flora. Finden viele Silberdisteln, die Knäuelglockenblume, die Große Brunelle, die Stengellose Kratzdistel.
Kurz vor Zscheiplitz ignorieren wir leider den Abzweig zum Steinbruch mit seinem alten Kalksteinofen. Im Ort wirbt ein Weingut um Gäste, macht einen einladenden Eindruck.
Von Zscheiplitz sind wir begeistert! Wunderbarer Ort mit Wehrmauer. Ein Durchschlupf bringt uns zur Aussicht auf die Wehrmauer. Herrliche Sicht auf Freyburg, der Neuenburg mit seinem Bergfried auf der Höhe, die Zeddenbachmühle im Tal. Zscheiplitz, ein Ort der in seiner Geschichte von viel Gewalt geprägt wurde. Mord, Totschlag, Belagerung ist über und durch seine Mauern gezogen. Heute ein Ort an dem man verweilen möchte.
Wir steigen ins Tal hinab, wollen über die Schweigenberge nach Freiburg hinein laufen. Finden an der Straßenkreuzung leider nicht den Einstieg hoch in die Schweigenberge. Wenden uns zur Unstrut, zur Zeddenbachmühle. Hier ist was los! Jede Menge Gäste bevölkern die zur Gastwirtschaft umgebauten Mühle. Viele Nebengebäude sind im Verfall begriffen, doch die Kneipe läuft wohl, wenn man nach dem hier herrschende Gewusel urteilt, wie geschmiert.
Der Rad- und Wanderweg führt über eine Wehrbrücke zur anderen Seite der Unstrut. Begleitet von Gleisen der Bahn, an Schrebergärten entlang kommen wir nach Freyburg.  Zwischen den Gärten sprechen wir eine Spaziergängerin an: "Bitte können sie uns eine Unterkunft empfehlen"? "Da werden sie Schwierigkeiten bekommen, jetzt zur Lese ist immer alles ausgebucht. Das wird schwierig, sehr schwierig". "Rauben sie uns nicht alle Hoffnung, sonst kommen wir zu Ihnen" scherze ich, obwohl mir gar nicht danach ist. Sie geht lachend weiter. Wir finden gleich hinter der Unstrutbrücke rechts im Hotel Am Weinberg ein Zimmer für die Nacht. Schauen uns noch ein wenig in Freiburg um. Suchen und finden den Einstieg zu dem Schweigenberge. Schade, es wäre so schön gewesen hier in Freiburg anzukommen. Aber hätten wir auch hier sofort eine Unterkunft gefunden? Nehmen wir es so wie es ist, hat halt nicht sein sollen. Trübsal brauchen wir deswegen nicht zu blasen!  
Zum Abendessen landen wir auf Terrasse Burgmühle am Wehr, direkt unterhalb der Neuenburg. Beim Zanderessen beobachten wir den mühsamen Einstieg von vier Paddlern in ihre beiden Boote. Die steile Treppe die die beiden Boote zum Wasser hinunter geschleppt werden müssen, ist schon eine Plage. Lange dauert es bis alle Sachen wieder verstaut und die Paddler in ihren Schiffen sitzen, weiter fahren können. Erst im letztem Tageslicht paddeln sie ihrem Ziel, wo immer sie auch hin wollen, entgegen.
Wir haben es da heute besser, trinken noch einen Tagesabschlusschoppen in der Gaststube unseres Hotels Am Weinberg. Köstlich zieht mir der Duft der gereichten Speisen in die Nase. Ich kann nicht widerstehen und bestelle mir noch einen der hier servierten Garnelenspieße. Rita staunt, war der Zander doch mehr als ausreichend!
Früh sind wir wieder unterwegs, steigen zur Neuenburg hoch. Der Weg ist ganz schön mühsam. Neben dem Weinberg, auf dem jeder seinen eigenen Weinstock kaufen kann, schnaufen wir nach Oben. Das Lokal ist noch im Schlaf und wir sind froh über unsere gestrige Entscheidung, dem Lichterglanz am Abend widerstanden zu haben, noch hier hoch zu krabbeln. Einmal am frühen Morgen nach dem ausgiebigen Frühstück, langt!
Freiburg liegt noch im Schatten, nur die Spitzen von St. Marien werden schon vom Sonnenstrahl getroffen.
Betrachten den dicken Turm der Burg, schlendern über die morgendlich leere Straße bis uns ein abbiegendes Auto scharf anhupt. Auf mein beschwichtigendes Zeichen hält der Fahrer, ein etwa gleichaltriger Herr an, will mir den Marsch blasen. Lasse seine Schimpfkanonade ins Leere laufen, drehe mich um, gehe weiter. Seine Beifahrerin spricht laut auf in ein. Der gute Mann setzt den Blinker biegt auf ein Grundstück ein. Ärgere mich aber doch über seine Rücksichtslosigkeit, wenngleich unser Straßengebummele ja auch zu seiner Provokation beigetragen hat. Am frühen Sonnabendmorgen und schon so schlecht gelaunt, hat wohl eine schlechte Nacht gehabt, der Gute, suchte ein Ventil um Frust abzulassen!
An der Rebschule biegen wir in Richtung Nißmitz ab. Der Blaustrich läuft auf einer Landstraße nach Großjena. Wenig Autoverkehr. Im Straßengraben blüht das Seifenkraut. Winkelig geht es durch den Ort, schöne blühende Gärten. Flohmarktstände sind im kleinem Park aufgebaut, Kunden und Seher flanieren.
Ein Garten lädt zum Besuch. Die Oma verkauft selbst gezogenes Gemüse, Nüsse, Kartoffeln, Pflanzen, Marmelade, Gebinde, Gestecke und sonst noch allerlei Nippes. Die Gärtnerin begleite uns ein Stückchen durch ihr Gartenreich, bald von anderen Besuchern gefordert. Wir dürfen allein ihr kleines Reich bewundern. Alle Anregungen die ein Gartenmagazin verbreitet sind hier umgesetzt. Stühle, Tische des Gartens mit  bepflanzten Kochtöpfen, Bratpfannen und anderen Gefäßen geschmückt. "Ja, die von der Redaktion des Magazins waren schon bei mir" bekennt die Gärtnerin stolz auf Nachfrage. Wir loben sie über die Gestaltung und dem Zustand ihres Gartens. Wir verlassen eine glückliche Gärtnerin, einen glücklichen Menschen.
Ein sehenswertes Kleinod in Großjena!
War in Großjena schon was los, so beginnt an der Unstrutbrücke die Völkerwanderung in Richtung Blütengrund. Radfahrer, Fußgänger, Autos, alles strebt zur Saale. Eine Menschenschlange strebt hoch zum Max Klinger Weinberg. Wir sind neugierig was da oben zu sehen ist, reihen uns ein. Das Radierstübchen ist geschlossen, das Museum in seinem Wohnhaus geöffnet. Treten ein, werden sofort abkassiert, ein paar ? sind schon fällig um die Klinger Bilder und Radierungen betrachten zu können. Eine vornehme Dame die nur gucken und nicht zahlen will, wird ziemlich barsch, von der Kassiererin vor die Tür gewiesen! Beeindruckende, manche vom Sexismus geprägte Bilder geben Einblick in die Seele des Künstlers. So ganz rein war seine Seele nicht, mein Eindruck von seinen Werken und seiner Lebensweise. Doch will ich seine Kunst nicht bekritteln. Andere Wissende beurteilen seine Werke halt nicht so aus dem Bauch wie ich. Es ist auch beeindruckend wie viele Freunde ihn hier, auf seinem Grundstück zu Grabe, getragen haben, wie viele Kränze hier, von würdigen Herren mit Zylinder auf dem Kopf, hochgeschleppt wurden. Der Künstler ruht hier mit Saale - Unstrutblick.
Ein kleines Gartenkaffee rundet den Besuch des Klingerweinbergs ab. Beeindruckend sind die anschließenden steinernen Bilder die die steile  Bundsandsteinwand schmücken. Das Steinernde Bilderbuch zieht sich etwa 200m lang unter dem Steinauer Weinberg hin, gekrönt von der mit Putten geschmückten Balustrade des Weinberghauses. Beeindruckend dieses letzte Wegstück bis zum Blütengrund, zur Fähre über die Saale.
Finden gerade noch ein Plätzchen im Sonnenschein. Bevor wir unser Bestelltes serviert bekommen ist die Sonne schon weiter gewandert. Sitzen nun im Schatten mit unserer warmen Soljanka. Der Fährmann hat gut zu tun, rüber und hinüber strömt die Besucherstrom. Wir frösteln, treten zur Fährfahrt an. Haben Glück, brauchen nicht  in einer Schlange zu warten, erwischen eine Lücke im hin und her gondeln der Ausflügler. Lassen Kanu- und Zeltplatz links liegen, Busse mit gelangweilt wartenden Fahrern stehen auf dem Parkplatz. Naumburg versteckt sich hinter Bahn und Bäumen. Wir waren schon einmal hier, zelteten damals beim Kanuverein, kennen den Weg der etwas verwirrend nach Naumburg führt. Der Bahntunnel der die Schienen unterquert ist wieder verschmiert, dunkel und dreckig, gut das die Sonne auch hinter dem Tunnel scheint. Ein Schild weist zum Bahnhof, ein langer Weg bis dort. Über Naumburg türmen sich dunkle Wolken. Laut Fahrplan fährt in 4 Min. ein Zug nach Erfurt. In der Information werden auch Fahrkarten verkauft. Ein Herr versucht einen Reiseplan ausgedruckt zu bekommen. Mir läuft die Zeit davon, möchte den Zug nun doch noch bekommen, der hat Verständnis, lässt mich vor. Die Beamtin druckt eine Sonderfahrkarte für 23? nach Artern aus, will mir noch etwas über Schienenersatzverkehr oder sonst etwas erzählen, doch mit der Fahrkarte in der Hand sind wir schon unterwegs. Müssen auf den anderen Bahnsteig. In der Unterführung, hören wir den einlaufende Zug über uns in den Bahnhof einrauschen. Durch die offene Tür fliegen wir förmlich in das Abteil. Geschafft, doch von Naumburg diesmal nichts gesehen!
Die Schaffnerin teilt uns dann mit, dass ab Weimar wegen einer Gleisbaumaßname Schienenersatzverkehr eingesetzt ist, die Busse stehen vor dem Bahnhof zur Weiterfahrt bereit. Doch später kommt auch noch ein Personenzug, mit dem können wir auch weiterreisen.
Umsteigen in Weimar in den Schienenersatzverkehr Bus. Der gondelt mit uns durch die Landschaft und kommt sechs Minuten zu spät in Erfurt an. Der Bahnsteig leer, der Zug schon unterwegs. Die Deutsche Bahn hat wieder zugeschlagen!
Eine Stunde haben wir nun Zeit bis zur nächsten Abfahrt, eine Stunde die nur wartend zu überbrücken ist. Zu lang zum Warten, zu kurz um die Stadt zu besuchen.
Vertrödelte Lebenszeit, ärgerlich. Bald sitzen wir im Anschlusszug. Halten an jedem Bahnhof, langsam werden die Stationen bekannter. Artern ist erreicht, der Bahnhof am anderen Ende der Stadt. Über die alte Unstrutbahnbrücke treffen wir wieder auf den Radweg, der uns zum Wehr mit Schleuse, zum Kanuverein,zu unserem Auto bringt.
Achim ist erstaunt, hat nicht so schnell mit uns gerechnet. Bei einer Tasse Kaffee und Kuchen werden die Erlebnisse besprochen. Der Fernseher zeigt wieder Bilder von der Donau. Noch einmal will Achim die Strecke paddeln, noch einmal von Ingolstadt ins Schwarze Meer. Trotzt aller Mühsal und Plage noch einmal an dem Fahrterlebnis teilnehmen, dabei sein in der großen TID-Gemeinschaft. Im Juni 2013 geht es wieder los! Sagt er. "Viel Spass und Glück dabei" wünschen wir. Unsere Kaffee Gespräche wandern durch die Zeit.  Es wird mir deutlich, dass seine Lebensphilosophie durch die Wende doch einen gewaltigen Knack bekommen hat. Ich kann nicht sagen was ihn noch immer so betroffen macht, lässt er doch kein gutes Haar am Heute. Häufig bestimmt sein Frust, seine Unzufriedenheit unser Gespräch; fühle mich unsicher, will nicht mit ihm streiten über Gerechtigkeit oder Ungerechtigkeit der Welt. Achim hat wohl viel verloren durch die Wiedervereinigung Deutschlands, wenigstens sieht er das so. Mein Herz ist gespalten bei seinen Aussagen über unsere Republik. Nachdenklich verabschieden wir uns voneinander.
" Wenn man Glück kaufen könnte, würden man immer zuviel davon nehmen" dieser Spruch von Pearl S. Buck am Kaufhaus, an dem wir, zum Abschied aus Artern vorbei fahren, bringt mich erneut ins Grübeln.
Auf der Heimreise über den Harz beginnt es zu regnen. Unser Engel hat wieder gut aufgepasst, hat uns seine Hand gegeben uns gut geleitet. Gut das es "Einen" gibt der seine Fittiche über uns hält.
Noch immer wandern wir in Gedanken an der Unstrut entlang. Im Frühsommer wollen wir noch einmal den Bottendorfer Hügel, den Mittelberg, die Gleinaer Berge mit Burgscheidungen, vor allem den Schafberg aufsuchen. Wäre schön wenn's klappt! Auf dem Kanurastplatz in Karsdorf wird für diese Exkursionen dann unser Zelt stehen. Vielleicht probieren wir dann ja noch einmal die Currywurst in der Pufferbude.

Otto Pake