WillkommenWanderungenWanderstreckenGasthÀuserServiceKontakt

2 Heidelbeeren

3 unter alten Riesen,

4 und denen,

5 die es noch

6 versuchen.

7 Überlebenswille

8 Alpen-Milchlattich

9 FĂ€llt Licht auf den Boden

10 keimen die Fichten

Seite 2 

1 Mauern, fast vergessen

 Frostempfindlich sind nur ihre, im FrĂŒhjahr frisch ausgetriebenen Triebe. Da kann es schon einmal passieren, dass SpĂ€tfröste im Juni-Juli ihren Austrieb schĂ€digen, teilweise völlig vernichten. Doch das bringt sie nicht um. Umbringen können sie nur sich verĂ€nderte Standortbedingungen. Die Fichte stellt wenig AnsprĂŒchen an ihren Standort. Ob mager oder fett, ob nass oder trocken, ob flach in der Ebene oder steil am Berghang. Dort wo sie einmal keimte, ihre Wurzeln Halt im Boden gefunden haben, erwartet sie ein langes Leben. Auf feuchten, nassen Standorten bildet sie ein flaches Wurzelbett aus, denn StaunĂ€sse vertragen ihre Wurzeln nicht. Sie bleibt mit ihren, sich immer weiter an Umfang und GrĂ¶ĂŸe zunehmenden Wurzelteller im durchlĂŒfteten Boden. Ein starker Sturm kann ihrem Leben schon ein Ende bereiten. Sie nimmt es hin. Auf tiefgrĂŒndigen, gut durchlĂŒfteten Böden, reichen ihre Wurzeln tiefer in den Boden. Ihre WindanfĂ€lligkeit nimmt ab. Ihr Wachstum wird ĂŒppiger.  VerĂ€ndert sich durch Störung der WasserfĂŒhrung ihr Standort, bekommt die Fichte sofort Probleme. Wird ein feuchter Standort trocken gelegt oder ein trockener, optimaler Standort vernĂ€sst, dann braucht man sich nicht wundern  wenn die Fichte das sehr ĂŒbel nimmt. Sie krĂ€nkelt, wird dem BorkenkĂ€fer regelrecht zum Fraß angeboten. Jeder Fach- und Forstmann weiß das. Nur danach gehandelt wird selten. Vielleicht soll den Außenstehenden, also uns Allen, deutlich die Übermacht der KĂ€fer hochgezogen, vermittelt  werden. Ein Szenario ihrer Hilflosigkeit gegen den Massenbefall des KĂ€fers vorgespielt werden. Frei nach dem Motto: "Wir tragen da keine Schuld mit uns umher! Der KĂ€fer ist der SĂŒnder"! Niemand bohrt gern im eigenem Fleisch!Rund um den Brocken durfte die Fichte sich selbst entfalten. Ihre Standortbedingungen verĂ€nderten sich nicht. So wurden groß, stark und alt. Trotzten den Gefahren der Umwelt. Sie ließen den Winter mit seinen eisigen StĂŒrmen vorbei ziehen, duckten sich unter der Schneelast, wurden zu Gestalten der Sagen und MĂ€rchen. Tobten die FrĂŒhlingstĂŒrme ĂŒber sie hin, schĂŒttelten sie sich, betrachteten ihre Wunden die die Winter ihnen geschlagen hatte, setzten ihre Nadeln ins Licht, fuhren ihre Assimilat-Produktion wieder hoch. Waren bevor es jemand bemerkte schon am Reparieren ihrer geschlagenen, winterlichen Wunden. Das Wundgewebe, der Kallus, ĂŒberzog ihre Aststumpen der abgeschlagenen, vom Winter abgestorbene Äste, schloss ihre Wunden am Stamm. Da gab es auch alte Fichten die im Überschwank ihres Lebenswillen soviel Kallus bildeten, dass  sie den Ansatz der gestorben Äste regelrecht ummantelten, zu BrĂŒsten und anderen Gebilden formten. Sehenswert die brustbehangenen Fichten. Im speziellen Sprachgebrauch wurden diese Gebilde ganz profan als Förstertitten angesprochen. Der arme Kerl von Forstmann hat, wenn er vor so einer Fichte stand leichte Probleme mit dem ĂŒberreichen Angebot. Dort wo der Wintersturm ihre Spitze, ihre Krone mit genommen hatte reckten sich die nĂ€chsten Zweige zu Spitze. Waren sie gleich schnell im Wachstum blieb es bei den zwei Spitzen. Selten ĂŒbernahmen sogar drei Zweige diese Funktion. Eine alte Fichte auf dem westlichen Hohnekamm war damit noch nicht zufrieden. Diese bildete gleich 10 oder 12 Spitzen, die zu mĂ€chtigen Ästen heran wuchsen, aus. Wir nannten ihn "Kandelaber-Baum". Wie ein mĂ€chtiger Leuchter, ohne den Schmuck von Kerzen, beherrschte er sein Umfeld. "Lebt der Kandelaberbaum da oben in der Kernzone des NP auf dem Hohnekamm noch", fragte ich einen Ranger".
Große, staunende, unsichere Augen sehen mich an. "Ich weiß nicht was du meinst", die Antwort. Was soll man da machen? Vielleicht bleibt nur, selbst nachzusehen ob der  Kandelaberbaum den KĂ€feransturm abwehren konnte.
Wir sind unterwegs mit einer Gruppe des NP-Harz. Steigen hoch zur  Heinrichshöhe. Mit 1045 m Höhe die zweithöchste Kuppe des Harzes. Hier stand neben dem "Brockentor" vor Jahren ein Forsthaus und Gastraum des Grafen von Wernigerode Hier wurde manches Fest gefeiert, manches Glas geleert, mancher Schweißtropfen  beim Torfabbau vergossen. Auch mancher Kutscher, samt seiner Pferde froren hier, nachdem sie ihre Kutsche nach der anstrengende, holprigen Reise hier abgestellt, ihre vornehmen FahrgĂ€ste aus Wernigerode, ausgeladen hatten. Die GĂ€ste verschwanden in der warmen Bude. Doch der Kutscher blieb draußen. Er versorgte die Pferde, Deckte sie mit einer Decke ab, hĂ€ngte ihnen den Futtersack um. Pflegte sich ein wenig selbst und wartete draußen bei Pferd und Wagen, bis die Vornehmen wieder ins Tal zurĂŒck wollten.
Wer weiter zum Brocken wollte ging von hier zu Fuß. Einen Fahrweg zu Brocken gab es noch nicht. Die Heinrichshöhe war Mittelpunkt und Ziel. Der Torfabbau wurde bald aufgegeben. Die Zahlen stimmten nicht. Zu teuer und aufwendig die Sache mit dem Torf. Trotzt des Aufbau von TorftrockenhĂ€usern trocknete der Torf nicht. Das Harzer Wetter rund um den Brocken, der Heinrichshöhe ließ das nicht zu. Noch heute findet man von Teufelsklaue-BĂ€rlapp ĂŒberwachsene Mauern der TorftrockenhĂ€user.  Irgendwann um 1800 ging auch das Gasthaus in Flammen auf, verschwand fĂŒr immer. Jetzt ĂŒbernahm das Brockenplateau  das Sagen. Doch noch immer beherrscht die Granitklippe des Brockentor die Heinrichshöhe. Wenn man ein wenig sucht und das GlĂŒck auf seiner Seite ist, tauchen auch ein paar Steine der alten Wirtschaft auf.UnbekĂŒmmert von all diesen Dingen wachsen aus den Fugenrissen des Granits Horste der Draht-Schmielen, leuchten ihre rotbraunen eleganten BlĂŒtenrispen im Licht der Sonne, blĂŒhen in dichten gelben Horsten die Gewöhnlichen Goldruten zwischen den HeidelbeerstrĂ€uchern, ĂŒberziehen Moose und zahlreiche Flechten die alten Granitfelsen. Niemand stört die  stille Andacht bis das Pfeifen der Brockenbahn uns in die Gegenwart zurĂŒck holt. Nur wenige Meter sind es bis zu den Gleisen, etwas weiter zu den Menschen die die Brockenstraße meist schweigend hochsteigen, den endlos quatschenden MĂŒndern die auf ihr herunter strömen.


Otto Pake

11zwischen den Moosen.

12 Der Kandelaberbaum au

13 dem westlichen Hohnekamm