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2 Die gr√ľne Jugend

3 braucht Lichtungen

4 Ein √úberangebot

5 näher betrachtet.

6 Der Urwald

7 wird erforscht

8 Granit-Vegetation

9 Gewöhnliche Goldrute

10 Alte Mauern - der Torftrockenhäuser

Fichtenurwald - Heinrichsh√∂he  

Eine Reise zu alten Riesen 

1 Sterben und Werden

Die alten Recken des Fichtenurwaldes rund um den Brocken sind nun fast alle gestorben! Die Sommerhitze, die Trockenheit hat sie leiden lassen. Ihr Durst war zu gro√ü seit die Regenwolken sich nicht mehr im Stau der Harzer Berge abregnen. Sie um den Harz herum ziehen und ihre feuchte Last in andere Gebiete bringen. Das bringt Stress in das Harzer Fichtenleben. Dieser Stress ist die Verlockung f√ľr den Borkenk√§fer. Sie riechen den Lebenskampf der Fichten zuverl√§ssig. Erst kommen die m√§nnlichen K√§fer als Vorhut und Pr√ľfer. Sie bohren sich durch die Rinde und legen eine H√∂hle, die Rammelkammer an. Eine vitale Fichte harzt die H√∂hle einschlie√ülich des K√§fer zu. Ist die Fichte aber geschw√§cht klappt dieses Abwehrsystem nicht. Der m√§nnliche K√§fer bleibt am Leben, lockt ein Weibchen zu sich. Befruchtet es. Sie bohrt einen Gang in das Kambrium. Legt in kurzen Abst√§nden eins nach dem anderen ihrer Eier ab. Dem Ei folgt die Larve. Die frisst sich im rechten Winkel vom Muttergang in das Kambrium. Lebt von den Assimilaten die das Gr√ľn der Pflanze produziert. Der Strom der Assimilate - St√§rke, Zucker, Zellulose- wird unterbrochen. Die Fichte leidet noch mehr! Nun kommen die Borkenk√§fer in Scharen um sich an den Geschw√§chten zu laben, ihre Brut gro√ü zu ziehen. Stimmt Wetter und Nahrung folgen weitere drei Generationen des K√§fers im Jahr. Selbst eine gesunde Fichte wird da machtlos sich gegen  eine solche fressende Masse erfolgreich zu wehren!  Ohne Chance am Leben zu bleiben verliert die Fichte ihre gr√ľnen Nadeln, ihre "Lebensfabriken". Sie stirbt und keine noch so gut gemeinte Tat, ein noch besserer Ratschlag bringt sie aus dem Reich der Toten zur√ľck. Nun steht sie kahl,  √§hnlich einer L√§rche im Winter, herum. Mit dem gro√üem Nachteil, dass sie den Wiederaustrieb, die Erneuerung der verlorenen Nadeln, wie die L√§rche es kann, noch nicht gelernt hat, bestimmt auch nicht wird. Zwei Jahre bleibt sie in der Regel standfest an ihrem Platz. Verliert sachte die Rinde, gl√§nzt silbrig im Schein der Sonne. Zeigt noch einmal ihre silbrige Sch√∂nheit. Im untergehenden roten Licht der Sonne ergl√ľhen ihre toten Leiber, werden sie zu leuchtenden Fackeln die es locker mit jedem Sonnenuntergang auf nehmen. Nicht lange dauert diese Illusion, dann zieht das Grau der Nacht die Bergh√§nge hoch. Ganz kurz h√§lt das Feuerleuchten noch bei den Gipfelb√§umen an. Dann ist es ganz aus mit ihrer roten Sch√∂nheit. Jetzt braucht es keinen Wind, keinen Sturm, nein aus dem Augenblick heraus kann sie fallen, zur H√§lfte abbrechen oder ganz umst√ľrzen. Dann wird es f√ľr den Wanderer gef√§hrlich unter den Toten zu wandeln! Aus der Dauerhaften ist ein Risikotr√§ger f√ľr Leib und Leben geworden!
Verlassen wir die Toten! Betrachten wir ihre Nachkommen.
Unz√§hlige Samen haben ihre Zapfen, lange vor ihrem Sterben, schon auf dem Boden verstreut. Jetzt wo sie Licht bekommen keimen sie und wachsen. Sie m√ľssen sich beeilen, denn auch die Gr√§ser haben auf das Licht gewartet. Auch sie ergr√ľnen und wenn die Fichte unter ihren Halmen und Bl√§tterdach verschwindet ist es schon wieder aus mit ihr. Ohne Licht keine Assimilation. Ohne Licht kommt f√ľr sie der Tod schon wieder um die Ecke gekrochen. Doch wo sie schneller ist als die Gr√§ser da w√§chst Fichte an Fichte. Dicht gedr√§ngt stehen sie da umher, bringen sich durch Lichtentzug gegenseitig um ihr Leben. Meist kommt nur eine von den vielen aufgelaufenen Fichten zum Fruchten, wird gro√ü und stark. Totschlag und Mord ist die Lebensgrundlage der Starken! Das wollen wir in unserem Leben zwar nicht wahr haben, doch wenn der Grundsatz des menschlichen Lebens die Ethik, die Humanit√§t verloren geht, der Skrupel in der Ecke verschwindet, sind wir schon wieder da im ganz nat√ľrlichen gemeinsamen Leben von Mensch, Tier und Pflanze. Das "Ich", das "Selbst" sein, ist das Wichtigste. Nur darauf kommt es an. Schauen wir uns um. Das "Ich" steht immer im Vordergrund. Alles andere ist sch√∂nes Beiwerk, welches auch das "Ich" als angenehm empfindet und auch nicht missen m√∂chte; es aber nur bedingt, meist zum Eigennutz zul√§sst! So grausam ist das Leben. Es baut sich immer auf dem Leid anderer auf. Oft wird auch der Tod der "Minderwertigen" wissentlich in Kauf genommen. Ja sogar von ihnen, wie die Geschichte ja auch deutlich zeigt, gewollt hingenommen, im √§u√üersten Fall sogar gef√∂rdert. Verlassen wir diese Traurigkeit.
Ein Mann mit gro√üen botanischen Wissen sagte einmal zu mir: "Du musst dir die Fichte wie eine Dampfmaschine vorstellen. Sie arbeitet immer. Tag und Nacht.  im Sommer voll, im Winter etwas eingeschr√§nkter". Auch wenn Frost, die Dunkelheit des Winters ihren Lebensrhythmus weitgehend einschr√§nkt, atmet, verdunstet, assimiliert sie im begrenztem Umfang weiter. Selbst der Wasserstrom im Splintholz kommt  nicht zum Erliegen. Ihre Gene und nicht gefrierende Zuckerl√∂sungen sorgen daf√ľr. So √ľberdauert die Fichte den Winter.

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11 mit Moosen und

12 der Teufelsklaue

13 Huperzia selago bewachsen