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1 Blick zu Elm

2 ├╝ber den Gro├čen Bruch

3 Sommerwolken

4 Rhoden

5 Auf den Kamm

6 des Kleinen Fallsteins

7 Hoppenstedt u. Harz

8 Erdgeschichte

9 Kirche Hoppenstedt

10 wei├če Sonne-kommt Regen?

Harzklub Bad Harzburg

Ottos Blumengalerie

Westlicher Gro├čer Fallstein,,,, eine Winterwanderung am 9. Februar 2014 

Vom Winter kann man heute nicht sprechen, eher von einem verfr├╝hten Fr├╝hlingstag mit kr├Ąftigen Wind. Nur der sagt einem, dass der Winter noch nicht vorbei ist. K├╝hl pfeift er durch die Jacken, treibt die M├╝tzen von den K├Âpfen, wirbelt die Haare durcheinander. Im Windschatten w├Ąrmt die Februarsonne, meldet sich der Fr├╝hling. Die Luft ist rein und klar, bietet beste Sicht. Ein Tag f├╝r den aussichtsreichen Tripp ├╝ber den Gro├čen Fallstein!
Mein Wandervorschlag findet Zustimmung und so machen sich 11 Wanderer auf den Weg nach Hoppenstedt am Kleinem Fallstein. Auf dem neu geschaffenen Wanderparkplatz beim alten Bahnhof stellen wir die Autos ab, machen uns auf den Weg. Folgen der Stra├če Richtung Rhoden, biegen gleich links in den aufw├Ąrtsf├╝hrenden Wiesenweg ein, folgen dem, unterhalb des Rasenhangs nach Osten. Drei, vier Wochen sp├Ąter bl├╝hen hier hunderte von Adonisr├Âschen und eine kleine V├Âlkerwanderung Schaulustiger bestimmt das Bild. Heute im windigen Sonnenschein sind wir elf hier allein. Schaue intensiv nach ein paar vorwitzigen Adonis. Ihre trocken, feingliedrigen Bl├Ątter des vergangenen Jahres liegen ausgestreckt auf dem Boden. Kein noch so winziges Gr├╝n zeigt sich. Wo der Wald auf den Weg st├Â├čt biegen wir ab. Laufen hoch auf den Kamm des Kleinen Fallstein. Oben wenden wir uns nach rechts. Gr├╝ne Ackerfl├Ąchen f├╝llen die Senke zwischen Kleinen- und Gro├čem Fallstein. Heute ist kein Rehwild auf dem Gr├╝n auszumachen, bei dem starken Wind haben sie wohl in den Feldgeh├Âlzen Schutz gesucht. Wir wandern unter Rot- und Wei├čbuchen, die hier dominieren; wenige eingestreute Eschen, Berg- und Feldahorn, sp├Ąter auch starke Eichen, nach Osten. Am Feldweg ist der kleine Pfad und der Wald zu Ende. Ein Rapsacker vor uns, dahinter, voraus schaut die Giebelspitze der Fallsteinklause hervor, nach rechts die D├Ącher von Osterwieck. Kurz ├╝ber die freie H├Âhe, die uns noch von den W├Ąldern des Gro├čen Fallsteins trennt. Wieder nimmt uns ein kleiner Pfad auf, leitet uns immer an der Waldkante ins Tal. Rechts, weiter abw├Ąrts geht es zur Fallsteinklause. Wir wenden uns nach links, finden im feuchten Grund die frischen Blattspitzen der Fr├╝hlingsknotenblume. Ein paar wenige haben schon Knospen geschoben. Der Weg steigt leicht an, verl├Ąuft bald zwischen Wildschutzz├Ąunen die die jungen gepflanzte Eichen vor dem Verbiss sch├╝tzen sollen. Hinter der Einz├Ąunung im scharfen Winkel nach rechts in den Grund. Weiter am Waldrand entlang bis zum n├Ąchsten Waldweg, dem wir links, nach Norden ohne abzubiegen folgen.
Erst wenn eine sich im Sterben befindende alte starke Rotbuche am Wegrand auftaucht und der Waldweg zu enden scheint, finden wir den ersten Wegweiser: Veltheim - Rhoden. Da geht's lang! Ein alter Grenzstein der Preu├čen von Braunschweig trennte steht hier auch noch umher. Auf einem abgebrochenen alten, toten, auf dem Boden liegenden Buchenast wachsen viele wunderbare Austernseitlinge in der essbaren, richtigen Gr├Â├če. Trotzt meines schw├Ąrmen von ihrer Schmackhaftigkeit finden sie keinen Abnehmer. " Wie werden die  denn zubereitet", eine zaghafte Frage. "Klein zuppeln, mit Oliven├Âl, Knoblauch und Rosmarin aufs Backblech, mit Lauch oder Zwiebelscheiben garnieren. Bei 150 Grad und Umluft f├╝r ca. eine halbe Stunde in den Backofen. Mit Salz und Pfeffer w├╝rzen. Mit einer Scheibe Brot eine schmackhafte Mahlzeit. Wenn etwas ├╝berbleibt mit Basilicum-Essig nachw├╝rzen und in den K├╝hlschrank. Schmeckt auch zum Abendbrot!" Kein Glaube unter den Zuh├Ârern, die Austernseitlinge bleiben wo sie sind!
Vorbei an einem gro├čem Erdfall erreichen wir einen Betonplattenweg. Wieder ein Wegweiser: Veltheim--Rhoden links. Waldhaus-Osterwieck rechts. Unser Ziel ist weiter Veltheim--Rhoden.
An der n├Ąchsten Kreuzung, bei einer fast vergammelten Schutzh├╝tte, vom Tisch und den B├Ąnken davor ist nur noch Schrott vorhanden, wird Pause gemacht. Was so die Rucks├Ącke alles hergeben, man soll es nicht glauben. Klaus schenkt mir einen seiner ├äpfel damit ich auch etwas zu kauen habe! Bin nur mit einer Flasche Wasser unterwegs, damit der Winterspeck etwas schmilzt! Hier trennt sich nun Rhoden von Veltheim. Der Wegweiser ein Schatten seiner selbst! Geradeaus ist nichts ausgeschildert. Wir m├╝ssen ein kleines St├╝ckchen Richtung Rhoden, nach ca. 200 Meter nach rechts, weiter nach Norden. Viele Forstliche Einrichtungen (Hochsitze) begleiten uns. Wir haben nun die Fallsteinkuppe ├╝berschritten, wandern dem Gro├čem Bruch, Osterode  entgegen. Weit zieht sich ein Acker hoch in den Wald. Ein herrlicher Blick ├╝ber den Gro├čen Bruch, das Urstromtal das Weser und Elbe verbindet. Da hinter der Elm mit dem dampfen Schornstein vom Kraftwerk Buschhaus. Vorm Elm eingestreut kleine D├Ârfer die wir nicht einordnen k├Ânnen. Im Vordergrund hinter dem Bruch auf nieders├Ąchsischer Seite Roklum, Winnigstedt, Barnsdorf, vielleicht noch Uehrde. Links schiebt sich die Asse vor dem Elm. Der in den Focus gekommene Asse-Schacht mit seiner strahlender Kraft ist gut zu erkennen, der Bismarck-Turm der Asse bei Wittmar ist gerade noch zu sehen, dann schiebt sich das Osteroder Holz davor. Diskussion ├╝ber Atomm├╝ll mit seinen Begleiterscheinungen, ├ängsten, den Vor- und Nachteilen dieser Technik. Schon bei uns wenigen wird es kontr├Ąr. Besser ist es, wieder im Wald zu verschwinden, weiter zu wandern, als hier noch in Streit zu geraten. Wir streiten nicht! Wandern nun westw├Ąrts ├╝ber zerfahrene, matschige Wege aus dem Wald heraus ins freie Feld. Vor uns die hellen Silos, der hohe Schornstein der Zuckerfabrik Schladen. Eine leise fragende Stimme aus unserem Kreis: "Ist das vor uns Schladen? Ich trau mich gar nicht zu fragen, aber ich bin durch das viele hin und her total durch einander. Bin da zuhause, aber hier war ich noch nie"! "Da freue ich mich ja richtig, Dir mal Deine Heimat aus neuer Sicht zeigen zu k├Ânnen, noch dazu bei diesem herrlichen Wetter" best├Ątige ich ihre sanfte Frage. "Ist das davor Hornburg"? "Ja, muss es sein, doch ich sehe die Burg nicht"! Zweifle ein wenig, doch beim N├Ąherkommen verschwinden die Zweifel sie duckt sich, von hier oben gesehen, an den Westhang der Ilse, thront nicht wie sonst immer hoch ├╝ber dem Ort, nein, macht sich klein vor dem Iberg.
Gr├╝n sind die Felder, blau der Himmel, mit schnell ziehenden wei├čen W├Âlkchen best├╝ckt. Nur der k├╝hle, kr├Ąftige Wind erinnert, dass noch der Februar regiert. Daran ├Ąndern auch die Rufe der ziehenden Kraniche nichts, die wir im durchwanderten Wald h├Âren konnten. Zwei gro├če Milane spielen ├╝ber der Waldkante mit dem Winde, lassen sich fallen, ber├╝hren sich fast, steigen ohne einen einzigen Fl├╝gelschlag wieder zur H├Âhe. Schwerelos, wie die Beiden durch die L├╝fte gleiten, das w├Ąre mein Traum! Wir dackeln auf unseren zwei Beinen, mehr oder weniger elegant weiter. Genie├čen den Blick ins gr├╝ne Land. Von Osterode kommt ein Plattenweg herauf, dem wir fast bis zum Ort folgen. Oberhalb des Ortes ist ein neues Wasserr├╝ckhaltebecken gebaut. Bei Schneeschmelze, starken Regeng├╝ssen kommt Osterode immer in Bedr├Ąngnis. Das abflie├čende Wasser der ├äcker str├Âmt in die Keller ihrer H├Ąuser, ├╝berflutet Stra├čen und G├Ąrten. Das Becken soll nun solche Ereignisse verhindern. Wir biegen hier links und gleich noch einmal links ab. Ein Wiesenweg bringt uns wieder zur H├Âhe des auslaufenden Fallsteins. Der fr├╝here Kolonnenweg betoniert, nun f├╝r den Verkehr gesperrt, leitet uns nach S├╝den, ├╝ber die Kuppe nach Rhoden. Am Horizont der Harz. Hohnekamm, Brocken, Torfhaus mit seinen Sendet├╝rmen, der Bocksbergturm, davor der langgezogene Harly. Direkt vor uns, gleich hinter Rhoden der Kleine Fallstein. Oben auf dem Kamm ist der Grenzturm und ein St├╝ckchen vom DDR-Sperrzaun noch vorhanden. Von Hornburg bis zur Grenze ein h├Ąufiger Spaziergang auf dem Kammweg des Kleinen Fallstein mit Einkehr in "Willeckes Lust", das Sonntagsvergn├╝gen bis 1989! Hier am Wachturm beginnt heute der durchg├Ąngige Grenzweg ├╝ber den Harz. Er endet bei Tettenborn auf der anderen, der S├╝dseite des Harzes. Drei, besser vier Tage muss man einplanen wenn man ihn ablaufen m├Âchte und dabei noch etwas von seiner Vergangenheit erleben, sehen will!
In Rhoden, "Hinter dem Dorfe" rechts ab, durch einen kleinen Park, - eine p├Âsternde, lustige Grill-Truppe hinter einer Hecke wird uns gewahr, wundert sich ├╝ber unseren Durchzug-, ├╝ber die Hauptstrasse, den Sportplatz, hoch auf den nackigen Plattenweg zur H├Âhe des Kleinen Fallstein. Ein Aufstieg der es in sich hat! Jacken werden ge├Âffnet, M├╝tzen vom Kopf genommen, Schwei├č gewischt. Oben sofort alles das Abgelegte wieder angeplundert; zu frisch bl├Ąst es. Windb├Âen treiben uns fast vom Kammweg. Wir lassen Turm Turm sein, wenden uns nach Osten. Bald bieten die Birken Schutz vor dem Sturm der hier ├╝ber die Kuppe rauscht. Nach ca. 800m rechts wieder ein Acker mit Wintergetreide. "Wenn wir noch in den Steinbruch wollen, ist es der schnellste Weg hier hin├╝ber zu wechseln. Dazu muss aber etwa 30m ├╝ber das Feld gelaufen werden. Das Risiko ist, dass der Landwirt uns anpfeift wenn er uns beim ├╝berqueren seines Ackers erwischt. Seid ihr bereit dieses Risiko einzugehen?" meine Frage. Kopfnicken. "Wir geben dann einfach dir die Schuld, so einfach ist das".
Also los. Unbehelligt, erst am Feldrain entlang, um ein vorspringendes Geb├╝sch herum, die paar Meter ├╝ber den Acker und wir sind im "Tal der Eimer" wie ich dieses T├Ąlchen immer nenne. Vor gut 20 Jahren, als ich zum ersten Mal hier war, standen die frisch gepflanzten B├Ąume hier, alle in verschieden Eimern. dies ergab ein buntes Eimer-Bild auf dem Wiesenhang. Heute sind noch Reste davon zu finden. Die B├Ąume haben sie auseinander gesprengt. Verrostete, farblose Reste der Eimer liegen noch umher. Umher liegt auch ein wei├čer, ausgeblichener Keilersch├Ądel. Hat noch alle Z├Ąhne, selbst die Hauer stecken noch im Knochen, wackeln zwar, doch sind nicht zu l├Âsen. Also landet der ganze Kopf im Rucksack. Er -ziert- jetzt unser Gartenhaus. Ein schmaler Pfad am unterem Hang des H├╝gels, mit Blick auf die Fachwerk-Kirche von Hoppenstedt, bringt uns in den Steinbruch. Kurzes suchen und finden von Versteinerungen. Beeindruckend die Farben der geschichteten Gesteine des ehemaligen Meeresboden, die durch die unterliegenden Salzst├Âcke angehoben und schr├Ąggestellt worden sind. Es war schon was los bei uns so vor 90 Millionen Jahren. Uns wird heute ein schlechtes Gewissen eingeredet wenn wir ein Lagerfeuer im Garten anz├╝nden, oder die Welt bereisen. Was muss es damals gekracht haben! Die Welt wurde ver├Ąndert, stark ver├Ąndert, aber untergegangen ist sie nicht! Wenn die Unkenrufe wahr sein sollten, sollten wir das aber schaffen!
Am alten Bahnhof von Hoppenstedt warten treu unsere Autos. Zur obligatorischen Einkehr fahren wir zur Fallsteinklause. Auch die machen mal Urlaub, weiter zum Sch├╝tzenhaus Stapelburg, auch geschlossen. Der Eckerkrug hat seine T├╝ren zu. Vorm Pfennigpfeiffer wollen die Damen nun zur Eisdiele des Italieners. Der hat die Bude voll. Nach dem nun letztem Versuch einzukehren verabschieden wir uns vor der T├╝r des Ladens, doch der italienische Wirt lockt uns wieder zur├╝ck, hat noch Platz f├╝r uns gefunden. Da hocken wir nun zu zehnt, ein Herr mit Hund hat uns verlassen, um einen gr├Â├čeren und einem kleinen Tisch im Kreis. Lassen es uns beim Kaffeepott, den prima schmeckenden, gro├čen Kuchenst├╝cken gut gehen. Drau├čen herrscht immer noch der Fr├╝hlingssonnenschein.

Otto Pake

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