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1 - Platonische Liebe

2 - Rote Waldvögelein

3 - Bienen-Ragwurz

4 - Terassen

5 - Acker-Wachtelweizen-

6 - Große Braunelle

7 - Eingerahmt von

8 - Bunter Kronwicke

9 - Rauer Alant

10- Karthäuser Nelke

11- Orchideentafel

12- Edel-Gamander

13- Mücken-Händelwurz

14- Braunrote Stendelwurz

15- Epipactis atrorubens

16- Rotes Waldvögelein

17- Cephalanthera rubra

18- Großköpfiges

19- Habichtskraut

20- am Main

Die Höhfeldplatte 

Neugierig machte mich die Exkursion von Marianne Scheu-Helgert in Ulmers Pflanzenmagazin: Gartenpraxis.
Noch nie etwas von diesem Gebiet mit seiner reichen Flora gehört. Also nichts wie hin, selber betrachten!
Auf dem Weg nach Oberstdorf zum Deutschen Wandertag wurde ein Besuch der Höhfeldplatte oberhalb von Thüngersheim am Main fest eingeplant.
Rita, mein Navigator, hatte die Karte auf den Knie liegen, bekam feuchte Beine unter dem dicken Straßenatlas bei dem Sonnenschein der uns begleitete. Von Güntersleben wollten wir den Parkplatz im Wald ansteuern um später zum Maintal runter zu fahren um dort für eine Nacht unser Zelt auf einem der Campingplätze aufzubauen. Doch wie so häufig kommt es anders als man denkt. Güntersleben war gesperrt, die Umleitung ging runter ins Maintal, durch das verkehrsreiche Würzburg, ab Thüngersberg wieder hoch hinauf zum Parkplatz im Wald kurz vor Güntersleben.
Ein Umweg von fast einer Stunde!
Glück hatten wir den letzten freien Parkplatz zu erwischen.
Mit dicken Steinen wird die Weiterfahrt in das Naturschutzgebiet abgesperrt.
Links ein hoher Zaun, der den tiefen dahinter liegenden Steinbruch absichert. Es geht weit in die Tiefe des noch im Betrieb stehenden Bruches, In eindrucksvollen Terrasse geht es hinunter, der Grund des Bruches bleibt hinter der Kante verborgen.
 
Ein kurzes Stück führt der Weiterweg an dem Zaun entlang, dann öffnet sich der Weg zu einem flachen Plateau. Drei Wege hat man zur Wahl, links neben der Bruchkante mit dem Sicherheitszaun, einen mittlerem, schmalen durch das Grün des Plateaus und geradeaus auf dem Hauptweg. Dieser ist mit einer Gruppe von Fotografen, die ein gestyltes weibliches Model in die richtige Position zu bringen versucht, zugestellt. Herrlich die Kommentare, die Anweisungen des Star-Fotografen, das gekonnte aufgesetzte Lächeln der jungen Dame, das Gewusel der Bildaufheller-Träger und der anderen mehr oder weniger wichtigen Beteiligten.
Auf jeden Fall ist da kein Durchkommen möglich!
Wir nehmen den mittleren Pfad, der uns zuerst zwischen hohen langhalsigen Korbblütlern führt. Ihr Anblick wirft gleich Fragen auf, bestimmt ein Habichtskraut, doch welches? Zuhause, bestimme ich es mit Hieracium macranthum, dem Großköpfigen Habichtkraut. Hoffentlich stimmt's!
Gleich darauf eine Bienen-Ragwurz (Ophrys apifera), ein Pärchen in gelb und dunkelrotlila, der Raue Alant mit gelben Blütenkorb, daneben die Braunrote Sumpfwurz (Epipactis atrorubens) in staksiger Zuneigung. Weiter mit dem Roten Waldvögeln (Cephalanthera rubra) in mehreren Exemplaren. Wieder die Bienen-Ragwurz mit den drei rosa äußeren Blütenblättern, der grünlichen Inneren und den samtartigen Pustebacken. Daneben beginnt die Ästige Graslilien ihre weißen Blüten in Stellung, auch der Mücken-Händelwurz will nicht zurück stehen.
Bezaubert dieser Pfad unter und am Rand des lichten Kiefernhain.
Wo mehr Sonne hinkommt, oberhalb der Weinstöcke, der seltene Acker-Wachtelweizen (Melampyrum arvense). Ein dichter Horst der Bunten Kronwicke (Securigera varia) schmiegt sich an den sonnigen Hang, verdeckt die steinige Wunde des Berges etwas.
Die Große Braunelle ( Prunella grandiflora) zeigt sich überall, auch der Raue Alant (Inula hirta) bringt sich noch einmal richtig zur Geltung, vereinzelt die Karthäuser Nelke (Dianthus carthusianorum).
Versteckt an trockenen Stellen die ersten Blüten des Edel-Gamander (Teucrinum chamaedrys), unter den lichten Kiefern überall der Mücken Händelwurz und sehr häufig, meist in Gruppen zusammen stehend die Braunrote Stendelwurz. Die Waldhyazinte im Abblühen.
Beeindruckend!
Nur die gesuchte Bocks-Riemenzunge macht sich unsichtbar!
Eine dreier Gruppe, mit Fotoapparaten bestückt, zwei Herren eine Dame, ist auf der Suche nach Pflanzenschönheiten. "Bitte, wissen Sie wo hier die Bocks-Riemenzunge steht, meine Suche ist bisher erfolglos". "Soll es die Riemenzunge hier geben", die Gegenfrage. Ich schaue sie zweifelnd in die Augen, traue ihrer Aussage. "Wenn sie die suchen, dann suchen sie man weiter, wir kennen hier keinen Standort, doch fragen wirb mal Willi, der ist hier ganz Zuhause".
Ihre Blicke wenden sich Hang abwärts. Kein Willi zu sehen. Da,e in älterer Herr schlendert durch die Büsche die Augen suchend nach unten gerichtet, jedes Pflänzlein neben dem Pfad intensiv betrachtend. Er kommt auf uns zu.
"Willi, weist du wo hier die Bocks-Riemenzunge steht"? Jetzt erst schaut der Herr auf, ist irritiert über die Frage. "Nee, noch nie hier gesehen" und zu uns gewandt "die findet ihr in der Nähe von Karlstadt auf dem, er zögert, jetzt fällt mir der Namen des Berges nicht ein, da, da steht sie in mehreren Exemplaren. Da müsst ihr hin"!
"Toll wie Sie uns das beschreiben. Danke, werden wir finden. Doch vielleicht fällt Ihnen der Name des Berges doch noch ein". "Ihr müsst es doch auch wissen", spricht er seine Begleiter an. Die Dame reagiert: "Willi ich weis wo du meinst, ist es nicht der Hartberg oder so ähnlich"? "Nein, der heißt anders" sagt Willi.
"Suchen sie man weiter, vielleicht finden sie ja hier auch eine, wenn wie sie sagen es stand in der Zeitschrift, muss es ja stimmen, oder"? Mischt sich der Kleinste der nun Vierergruppe ein. "Viel Erfolg bei der weiteren Suche wünschen wir ihnen,sie werden sie schon finden". "Danke". Die Vier gehen ihres Weges. Verdattert, unsicher und ein wenig beleidigt schaue ich den Vieren nach. Willi dreht sich einmal um ruft zurück: "Bei Stetten".
Lassen wir's dabei. Wir finden keine Bocks-Riemenzunge und die "Stetten" Suche schenken wir uns.
Mehrere Pfade sind wir hin und rück gelaufen, getreten Pads gefolgt die immer zu Besonderheiten führten. Ein Fotodorado für Kenner und Liebhaber in jeder Hinsicht.
Der Rundweg führt nun oberhalb der Weinberge entlang, wendet sich wieder zur Höhe.
Treffen wieder auf die noch immer lächelnde Schöne mit ihrer Helfertruppe die noch immer versucht sie ins rechte Licht, in das schmeichelnde Abendlicht zu bringen, denn die Sonne steht schon tief, wirft lange Schatten.
Wir stören sie nicht , wandern außen um sie herum, durch den dunkleren Laubwald zum Parkplatz zurück.
Nur unser und die Autos der Fototruppe, erkenntlich am Firmen-Logo, stehen noch dort. Sonst sind alle schon verschwunden, haben die Heimreise angetreten.
Gut drei Stunden sind wir geschlendert, drei Stunden die wir nicht missen wollen.
Schön und vielseitig die Flora, ein Wiederkommen ist angedacht.
"Nun noch einen schönen Campingplatz, Rita und der Tag ist vollkommen.
In Zellingen, Richtung Karlstadt, am gegenüberliegenden Ufer des Main gibt es einen.
Ein großes offenes Tor, links ein Bus als Wohnwagen ausgebaut, schräg links voraus die Toilettenanlage. Im Windschatten des Busses hantiert ein Herr am Grill, bereitet das Feuer vor. "Bitte, wir möchten hier zelten, wo finde ich einen bei dem wir uns anmelden können"? "Weiß nicht wo der steckt, Günter Gäste, Gäste Günter" ruft er in das Vorzelt eines Dauercampers".
Es dauert, doch dann rührt sich was. Günter, ein Herr der wohl gerade von seinem Nickerchen hochgeschreckt wurde, erscheint. "Zelten wollt ihr, nur für eine Nacht, ja komm mit, wir rechnen gleich ab, hier sind die Toiletten, links Damen rechts Herren, geraucht wird nicht in den Räumen, Wasser hier rechts um die Ecke im Spülraum", mit diesen Informationen geht es zwischen den beiden Toilettenräumen die Treppe hoch in sein Büro. Geordnete Plunderbude. Bezahle unser Nachtlager, steige die Treppe runter, warte wo wir unser Zelt aufbauen dürfen. Nach dem seine ordnende Hand alles an seinen Platz verstaut hat erscheint auch Günter hoch über mir in der Türe.
"Ich gebe euch den Platz am Wasser, von 1-3 könnt ihr wählen, ist das dein Hund, den haben wir noch nicht abgerechnet"?
Neben mir steht plötzlich ein kleiner Hund, schaut den Günter von unten hoch genau so blöd an wie ich. "Nein habe keinen Hund, gehört mir nicht"! "Dann ist es wohl meiner" dröhnt es von oben herab".
Ich betrachte beide, Herr und Hund, wie sie sich gleichen, der gleiche Blick, die gleichen langsamen Bewegungen, die gleiche Körpersprache.
"Unverkennbar das ihr beide zusammen gehört" wollte ich sagen. Halte jedoch die Fresse, sage nichts, amüsiere mich, lächle beide an. " Nicht mein Hund, Ihrer".
Direkt am langsam fließenden Main steht bald unser Zelt. Aufgebaut unter den interessierten Augen der älteren Damen und Herren Dauercamper. Sie grüßen freundlich zurück, betrachten hingebungsvoll unser Tun wie die Liegematten im Zelt verschwinden, die Schlafsäcke ausgebreitet werden, wie unser Tisch und die Stühle hingestellt werden. Nichts entgeht den Betrachtern.
Auto zu, Zelt zu und schon geht es ins Dörfchen. Am Ausgang steigt die Grillparty. Günter ist mit von der Party. "Gibt es im Ort eine Kneipe bei der wir etwas zu essen bekommen"
"Gleich geradeaus beim Italiener, nicht weit " die Antwort des Bierflaschen haltenden Günter. Die Schnitzel verbreiten einen Duft der das Wasser im Mund zusammen laufen lässt. "Danke, beim Italiener"!
Es ist Montag und der hat zu, stellen wir nach kurzem Gang fest! Weiter in's Dörfchen. Der Grieche hat auf und einen Platz im Biergarten an der Straßenkreuzung finden wir auch. Die großen offenen Sonnenschirme schützen vor der untergegangenen Sonne. Uns fröstelt ein wenig, bleiben aber draußen sitzen.
Bestellen zwei warme Vorspeisen und hinterher für jeden eine Portion Gyros. Trinken alkoholfreies Weizen. Warten lange aufs Essen. Nach dem zweiten Weizen kommt die warme Vorspeise, 2 Minuten später wird der Gyrosteller serviert.
Wir machen lange Gesichter, so schnell werden wir mit der Vorspeise nicht fertig und kaltes Gyros mögen wir auch nicht.
Schwuppdiwupp verschwindet die Vorspeise vom Tisch. "Die brauchen sie nicht bezahlen, essen sie lieber ihr Gyros" die Worte der freundlichen Bedienung, "ich mache jetzt Feierabend sage in der Küche Bescheid, das mit der Vorspeise, sie wird nicht berechnet. Lassen sie sich schmecken", sagt sie und verschwindet.
Es schmeckt gut unser Gyros. Zum Schluss wird noch ein Ouzo gereicht auf Kosten des Hauses, wie es heißt.
Der Wirt kassiert persönlich mit dem Hinweis dass die Vorspeise unberechnet sei. Mit
"Danke, auf Wiedersehen" werden wir verabschiedet. Die Rechnung handgeschrieben, kringelige Zahlen, undeutlich. Stecke sie ein.
Vor unserem Zelt mit Blick auf den Main, der hier auslaufenden hohe Felswand gegenüber, mit den wenig befahrenen Geleisen der DB, die Personenzüge hört man fast gar nicht, ab und an ein Frachtschiff das in den Abend vorbei schwimmt, krame ich die Griechenrechnung aus dem Portmonee. " Rita, da hat der Grieche uns ja ganz ordentlich gelinkt, die zweimal 4? der Vorspeise hat der Strolch tatsächlich einfach auf den Gyrosteller auf geschlagen"!
Griechisches Geschäftsmodel am Ufer des langsam fließenden Main.
Lautlos huschende Federmäuse, leises Zugrauschen, die hellerleuchteten Fenster eines großen Hauses am Ende der Felswand im gegenüberliegenden Ort, wir beide allein mit einer Flasche Rotwein von Zuhause auf dem Tisch vorm Zelt lassen uns die griechische Finte vergessen.
Selber Schuld!
Genießen den wunderbaren Abend, den vergangenen Tag!
                         Otto Pake

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