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1 M├Ąrzbecher

2 Huflattich

3 Hoppenstedt

4 Fr├╝hlings-Teufelsauge

5 Steinbruch Hoppenstedt

6 Bingelkraut / Leberbl├╝mchen

7 Hungerbl├╝mchen

8 Hepatica nobilis

9 Kirschwiese mit

10 Bismarckturm

11 Am Nachmittag

12 schlie├čen die

13 Adonis vernalis

14 ihre Bl├╝ten

15 Buschwindr├Âchen

16 Schl├╝sselblume / Leberbl├╝mchen

17 Fr├╝hlingsveilchen

Fr├╝hlingswanderung Kleiner Fallstein 

2013.04.16. Fr├╝hlingswanderung Kleiner Fallstein
                     
Dienstags: Hoppenstedt - Bismarkturm - Fallsteinklause - Hoppenstedt

Treff um 10 Uhr am Bahnhof. Ein Tr├╝ppchen erz├Ąhlender Wanderer wartet schon. Doch noch ist die Zeit nicht rann und tats├Ąchlich treffen so sechs - sieben Personen ein, die das zwar tr├╝be doch trockenen Wetter heraus gelockt ein. Der Zeiger der Bahnhofsuhr springt auf die 12. "Es ist 10 Uhr, Otto sag endlich wohin es geht, damit wir los kommen" ein kleiner Ungeduldiger.
"Hast ja recht, also alles herh├Âren und aufgepasst, damit wir uns alle in Hoppenstedt wieder sehen. Auch die Damen dahinten sind gemeint, kommt ein bisschen n├Ąher".
38 Augen schauen auf meine Lippen, 38 Ohren lauschen meinen Worten. Aber nein, ein Wunsch. Nur die Fahrer h├Âren mir zu. Das interne Erz├Ąhlen h├Ârt nicht auf!  Am Ende meiner kleinen Ansprache die obligatorische Frage: "Wei├č jeder Bescheid, hat jeder seinen Platz im Auto"?
Keine Antwort, nur Gemurmel, auch keine weiteren Fragen. "Also los nach Hoppenstedt, alles einsteigen, ich fahre vor, h├Ąngt euch dran"!
Finden uns alle in Hoppenstedt auf dem Feldweg vor der alten Scheune wieder. Keiner verloren gegangen, alles erprobte Kolonnenfahrer und Wanderer.
Ein kleines St├╝ckchen Landstra├če Richtung Rhoden, gleich den ersten Weg recht hoch bis zum Rand des Wiesen-H├╝gels. Hier unten, etwas erh├Âht ├╝ber dem Ackerrand l├Ąuft ein ebener Weg vor dem ganzen H├╝gel entlang. Ein Weg f├╝r ├Ąltere Herrschaften und f├╝r solche die auf dem Weg dahin sind, vielleicht auch noch nicht haben wollen dass sie schon bei den ├älteren angekommen sind, mit einfachen Worten ein Spazierweg.
Gleich am Beginn die ersten Bl├╝ten, unscheinbar, klein und mickrig, wei├č, erst erkennbar als ich mit dem Finger drauf zeige. Das Fr├╝hlings-Hungerbl├╝mchen (Erophila verna) im kleinen Trupp. Ein Bl├╝mchen der mageren B├Âden, dem, wenn es in gro├čen Mengen auftrat, im Aberglauben, Missernten angedichtet wurden. An diesem S├╝d-Wiesenhang bl├╝hen sie schon, die "Adonis vernalis", die Fr├╝hlings-Adonisr├Âschen.
Die Sonne meint es gut mit uns und den Adonis, viele haben ihre Bl├╝ten schon weit ge├Âffnet, strahlen der Sonne entgegen. Dicke Trauben von Knospen schieben sich neben den offenen Bl├╝ten ans Licht. Noch geschlossen harren sie der weiteren warmen, sonnenreichen Tage die der Fr├╝hling bringen wird. "Kennt ihr die Geschichte wie das Adonisr├Âschen zu ihrem Namen kam" frage ich scheinheilig. Weiss wie erwartet keiner und so beginne ich meine Adonis- Geschichte:
"Der Adonis war ein gew├Âhnlicher sterblicher bildh├╝bscher J├╝ngling. Ihm wurde vom Zeus die Endscheidung aufgetragen den goldenen Apfel, den eine nicht geladene, beleidigte G├Âttin zu einer g├Âttlichen Hochzeitsfeier in die G├Ąsteschar warf mit dem Hinweis : "Der Sch├Ânsten"!
Anwesend waren die G├Âttinnen Aphrodite, Pallas Athene und Hera. Zeus suchte den Adonis f├╝r die heikle Aufgabe aus, die Sch├Ânste zu w├Ąhlen, war doch seine Gattin unter den drei anwesenden G├Âttinnen und das konnte ihn schon in Bredouille bringen.
Der sch├Âne Adonis entschied sich aus dem Kreis der drei sch├Ânen G├Âttinnen f├╝r Aphrodite, die ihm die sch├Ânste sterbliche Frau daf├╝r versprach. Leider war diese schon mit einem Andern verheiratet, was nat├╝rlich zu gro├čen Problemen f├╝hrte.
Doch auch Aphrodite verliebte sich in den h├╝bschen Kerl. Das brachte Neider auf den Plan. Einer schickte einen starken Eber, der den Adonis t├Âtete. ├ťberall dort wo sein Blut hin spritzte wachsen seitdem die roten Sommer-Adonisr├Âschen (Adonis aestivalis). Aphrodite aber weinte ├╝ber den Tod des Geliebten, h├Ârte gar nicht auf zu weinen, so dass sich Zeus erbarmte und den Gott der Unterwelt anwies mit dem gelben Fr├╝hlings-Adonisr├Âschen ein Gedenken an den sch├Ânen J├╝ngling zu schaffen.
Seitdem erscheint dies gelbe, strahlendes Prachtst├╝ck f├╝r die kurze Zeit des Fr├╝hlings, jedes Jahr neu und wir k├Ânnen uns besonders bei Sonnenschein an der gelben Sch├Ânheit des Fr├╝hlings- Adonisr├Âschen erfreuen.
Die Erdsegge (Carex humilis) in geschwungenen festen Horsten  ein weiteres "Gelb" im noch erwachenden Gr├╝n der Gr├Ąser.
Bald s├Ąumen Schlehen den Wiesenpfad. Ihre Knospen schwellen schon, wie lange dauert es noch bis sie ihre wei├če Pracht entfalten? Mir f├Ąllt die alte Weisheit ein: " Fangen die Schlehen an zu picken (zu bl├╝hen) muss der Bauer die Handschuh flicken". Wird bestimmt noch einmal kalt und frostig werden.
M├Ąrz-Veilchen (Viola odorata) in dunkelblau, in hellblau das Hain-Veilchen (Viola riviniana), der Acker-Gelbstern (Gagea villosa) dicht bei dicht mit seinen vielen langen Bl├╝tenstielen stehen am Heckensaum der Schlehen, begleiten uns.
Als sich der Hang bewaldet tauchen unter den Wei├čbuchen die den Waldsaum bilden, Leberbl├╝mchen ((Hepatica nobilis), Wiesen-Schl├╝sselblumen (Primula veris) auf, ein wenig weiter gl├Ąnzen die wei├čen Samen der Blauroten Steinsame (Lithospermum purpurrocaeruleum) an d├╝rren Stengel des vergangenen Jahres in der Sonne. Ihr neuer Trieb ist schon 4cm hoch.
Wiederhole mein altes Spiel, die Mitwanderer sollen den Samen knacken, zerdr├╝cken. Gelingt keinem, doch nun wissen sie warum Steinsame!
An einem Weideplatz mit alter Eiche, darunter eine Bank, l├Ądt zur Rast. Rundherum ein Bl├╝hen von Hohler Lerchensporn (Corydalis cava) in tr├╝b-rosa und wei├č, Hyazinthen, kleinblumige und  gro├čkronige Osterglocken, aus Gartenabf├Ąllen ├╝briggebliebene Fl├╝chter. M├Ąrzbecher (Leucojum vernum), den Waldrand hoch die gr├╝nen Bl├Ątter des B├Ąrlauchs (Allium ursinum), dazwischen die giftigen , gerade erscheinenden punktierte und rein-gr├╝nen Bl├Ątter des Gefleckten Aronstab (Arum maculatum), schnell kann ein sorgloser B├Ąrlauchpfl├╝cker sich vertun und ein paar giftige Bl├Ątter des Aronstab unter  seine Sammlung mischen! Was dem Genie├čer ein paar Beschwerdetage bringt. Unser Welfen-Kaiser Otto IV ist an so einer Kr├Ąutersuppe auf der Harzburg gestorben.
Maigl├Âckchen, als weitere Zutat, sind noch nicht zu finden.
Wandern ein St├╝ckchen in das T├Ąlchen hinein. Hier steht alles voller M├Ąrzbecher! Dicht bei dicht, immer an feuchten aber auch an sickerfeuchten H├Ąngen hochziehend, zeigen sie ihre Bl├╝tenpracht.
Einzeln, dann zunehmend die erst roten, dann blau werdenden Bl├╝ten des Echten Lungenkrautes (Pulmonaria officinalis) besucht von zahlreichen Hummelschwebern, die am Nektar saugen, das Buschwindr├Âschen (Anemone nemorosa) wenige noch und am Hang einzeln die Hohe Schl├╝sselblume (Primula elatior), bin zwar nicht hingegangen, doch der lange Bl├╝tenstiel weist darauf hin.
Wieder zur├╝ck zum Wendeplatz mit seiner Bank unter der Eiche. Eine Pause wird gefordert. Essen und trinken und quatschen f├╝r nicht ganz eine halbe Stunde. Finde die Gefleckte-Taubnessel (Lamium maculatum) mit Bl├╝te, die Schwarznessel (Ballota nigra) im kr├Ąftigen Durchtrieb. Breche einen Trieb aus dem Horst, komme bald ins wanken mit meiner Aussage "Schwarznessel"l so sehr ist die ├ähnlichkeit zur Stockmalve (Alcea rosea) gegeben. Aber es ist die Schwarznessel!
Beim Weitergehen die Blattrosetten der K├Ânigskerze (Verbascum), ein mit Stacheln bewehrter kleiner Baum, eine Robinie (Robinie pseudoacacia). Die Frage was ist ein Stachel, was ein Dorn wird gekl├Ąrt. Huflattich (Tussilago farfara) steht leuchtend gelb am Wegesrand. Noch keine Bl├╝te hat Samen angesetzt, alle noch jungfr├Ąulich.
Kirschb├Ąume noch nackt, die Knospen noch klein. Ein Roter Milan segelt ├╝ber uns.
Hoch zum Bismarckturm. Vier neue B├Ąnke mit Blick auf den Harz, gerade neu einbetoniert noch mit Flatterband abgesperrt. Erneute Pause. Alle sitzen auf der Steinmauer. Der Harz im Wolkenschleier. Unter den alten Rosskastanien, sie sind mit ihre Knospen noch zur├╝ck, bl├╝ht alles voller Scharbockskraut (Ranunculus ficaria) der alten leicht giftigen Gebrauchspflanze, fr├╝her viel genutzt heute fast vergessen.
Ein weiterer gelb bl├╝hender Horst, ich glaub es nicht, das Gelbe Windr├Âschen ( Anemone ranunculoides) bl├╝ht schon! Unter den alten Eichen die den Weg begleiten ist alles  wei├č . Wei├č von Buschwindr├Âschen (Anemone nemorosa). Ein Traum!
Ein St├╝ckchen weiter hinter und vor dem Gatter steht der T├╝rkenbund (Lilium martagon) mit seinen kr├Ąftigen Bl├╝tenst├Ąngeln ├╝ber dem Wald-Bingelkraut (Mercurialis perennis).
Eine f├╝nfst├Ąmmige Riesen-Buche (Fagus sylvatica) findet Bewunderung. Der Pfad ist mit Wei├čbuchen zu geworfen, kein Durchkommen. Ein wenig am Ackerrand, an bl├╝henden Hasel vorbei zum weiterf├╝hrenden Weg. Die Haselk├Ątzchen, die m├Ąnnlichen Bl├╝ten und die kleinen roten weiblichen Bl├╝ten werden betrachtet. Von vielen Betrachtern das erste Mal ├╝berhaupt gesehen!
"An was man nicht alles vorbeil├Ąuft", ein Kommentar.
"Wenn wir nicht bald einkehren falle ich tot um vor Hunger" eine weitere Stimme des Volkes; doch da taucht die Fallsteinklause schon auf und bietet einen Platz an der Sonne.
Bauernfr├╝hst├╝ck und Currywurst mit Pommes, auch Salat f├╝r die kalorienbewussten Damen sind der Renner. Trotz superschnelle Bedienung vergeht doch gut eine Stunde bis wir wieder auf die Beine kommen. Es sitzt sich sch├Ân in der Sonne!
Auf dem Kammweg des Kleinen Fallstein zur├╝ck bis zum Abzweig zur Adoniswiese. Unterwegs ein Reh ganz nah, ├Ąst weiter als unsere schnabbelnde Gesellschaft auftaucht. Bleibt stehen l├Ąsst sich fotografieren. Ist es krank, verletzt oder hat es keine Lust mehr einfach immer nur davon zu laufen? Wie auch immer, ist wohl f├╝r den Luchs bestimmt, der fotografiert nicht!
Drei weitere Rehe stieben kurz darauf ├╝ber den Acker, die wissen was ein richtiges Reh zu tun hat.
Wolken sind aufgezogen. In der Ferne eine dunkle Wand.
"Am Nachmittag soll es regnen" eine ├╝berfl├╝ssige Warnung, den wenn der tats├Ąchlich kommt, na dann. Niemand ist f├╝r Regen ausger├╝stet, lautete es doch beim Wanderbeginn: "Heute regnet es nicht"! Alle sind in Sommersachen unterwegs, Jacken und Schirm liegen im Auto. Unten am Waldrand seile ich mich ab, das Weizenbier der Fallsteinklause dr├╝ckt. Betrachte bei der Erleichterung die Gegend, den Boden. Da entdecke ich doch im Gras die Blattrosetten des Purpur-Knabenkrautes (Orchis purpurea). Gut das ich ein Bild der Orchidee dabei habe, so kann man ersehen was sich aus diesem Kreis von Bl├Ąttern entwickeln wird.
Die Adonis an Hang schlie├čen schon ihre Bl├╝ten, sch├╝tzen ihre Staubgef├Ą├če und den Stempel.
Kluge Pflanzen.
Am toten Fuchs der am Ackerrand sein Leben gelassen hat laben sich vier Kleine F├╝chse (Aglais urticae) der kleine Tagfalter mit seinen blauen Randflecken. Seltsam die Namensgleiche.
Ein Gartenfeuer m├Âlmt uns ein, die Qualmwolke zieht von Hoppenstedt ├╝ber den Acker hoch.
Die dunkle Regenwolke ist weiter gezogen. Alle trocken und zufrieden wieder beim Auto angekommen.
Wird mir jedenfalls so gesagt. Doch zum Steinbruch will keiner mehr. "Ist genug", der Tenor.
F├╝r mich ein sch├Âner gem├╝tlicher Tag noch nie habe ich im April soviel Fr├╝hlingsbl├╝her so vereint bl├╝hen sehen.  Vom M├Ąrzbecher bis Schl├╝sselblume, einfach toll! Nach den vergangenen kalten Tagen, hat nun die sommerliche W├Ąrme sie hervor gezaubert!  24 Grad C. zeigt das Thermometer.
Meinen mitgenommenen Apfel bringe ich wieder mit heim. 
Otto Pake

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