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Keulen-B├Ąrlapp

Knabenkraut

Wei├čer Germer

Knabenkrautwiese

alter Schober

J├Ągersberg

Bach-Nelkenwurz

Geum rivale

nicht mehr gebraucht

stolzes Anwesen

Bach-Kratzdistel

Margerite, Klappertopf, Knabenkraut

Tymian

M├Ąnnliches Knabenkraut

Waldhyazinthe

bunte Vielfalt

besondere Wohnqualit├Ąt

Ausschnitt

Klappertopf u. Knabenkraut

Bayrische Sterndolde

Schlangenwurz Kn├Âterich

Hirschzunge

Judenkirche

Oberstdorf

113. Deutscher Wandertag... in Oberstdorf der 25. u. 26. Juni. 

Obersdorf

Wir kamen vom Main, fuhren vom Sonnenschein in das wolkenverhangenen Allg├Ąu.

Oberstdorf noch trocken, die Berge versteckt hinter wei├čen Schleiern die sich nicht entscheiden konnten die Flanken der Berge frei zu geben. Immer wieder zogen wei├če Wolkenschleier aus verdeckten T├Ąlern zwischen den B├Ąumen in die H├Âhe, an den H├Ąngen entlang, ballten sich zu wei├čen Haufen zusammen, verschwanden in den ├╝ber alles schwebenden Grau.

Wir parkten noch vor dem Ort, hinter dem Abzweig ins "Kleine Walsertal". Ein schottrieger Platz mit abgetrockneten Pf├╝tzen. Freies Parken. Wenig parkende Autos.

Zur Stadt nicht so weit wie gedacht. Der etwas n├Ąher liegende geb├╝hrenpflichtige Parkplatz der bald auftauchte, voll belegt.

In der Stadt Einkaufsfieber. Wanderer und sonstige Besucher Oberstdorf haben von Wanderungen Abstand genommen, st├╝rmen die gut sortierten, einladenden Gesch├Ąfte. Auch ich werde trotzt meines Widerstands von Rita in eine Klamottenstube geschoben und mit einer kurzen Hose und drei weiteren modischen kurz├Ąrmeligen Sporthemden begl├╝ckt. Die Gesch├Ąfte profitieren vom tr├╝ben Tag.

Ein paar Hosentr├Ąger f├╝r die lange Wanderhose werden auch noch gefunden. "Der Wandertag bringt ja richtig Umsatz ins Haus", spreche ich den Verk├Ąufer der Hosentr├Ąger an. "Bin froh wen der schei├č Wandertag vor├╝ber ist", grunzt er fast feindlich zur├╝ck, "da hat der Veranstalter mit Hilfe der Gemeinde so viele Ausw├Ąrtige in die Stadt geschleppt, die hier ihre Waren in den Verkaufszelten anbieten ohne uns, die einheimische Gesch├Ąftswelt, einzubeziehen, bin froh wenn diese Tage des Wanderns ├╝ber uns hinweggezogen sind". "Na, es brummt doch in den Stadtl├Ąden, man sieht es doch! An den St├Ąnden herrscht tote Hose, die Verk├Ąufer frieren sich den Hintern ab bei diesem Wetter" antworte ich. "Das nenne ich Gerechtigkeit" seine knurrige Antwort und bedient den n├Ąchsten Kunden.

Mittlerweile regnet es, wir suchen Platz unter dem Vordach eines Caf├ęs.

Hinter uns klopft es kr├Ąftig an die Scheibe. Klaus aus Braunlage, das erste bekannte Gesicht winkt uns, zeigt das noch Platz ist im Caf├ę.

Drin ist's gem├╝tlicher und w├Ąrmer. Erz├Ąhlen bei Kaffee und Kuchen. Klaus ist mit der Bahn angereist, hat mit seiner Lebensgef├Ąhrtin, so wie er die Dame an seiner Seite nennt, eine Wohnung gemietet. F├╝hlt sich wohl in der Stadt, nur das mit dem Wetter ist ein bisschen schade, bemerkt er mit dem Blick nach drau├čen in die dicken Regentropfen.

Wir haben noch kein Quartier, wollten doch hier auf einem Campingplatz bleiben, sind uns nicht sicher was wir machen sollen. "Nein, im Regen bauen wir unser Zelt nicht auf, wir nehmen uns ein Zimmer" bestimmt Rita.

Nach unserer Kaffeepause spielen wir ein wenig an dem Zimmer-Vermitlungs-Computer der gleich neben dem Rathaus in einer trockenen, ├╝berdachten Ecke steht.

Ab zwei Tage beginnend ist das Angebot an Zimmern in und um Oberstdorf noch reichlich. Bleiben wir in der Stadt oder gehen wir au├čerhalb in die Berge? Wir wundern umher.

Es wird warm auf dem R├╝cken, die Sonne ist zur├╝ck. Hat w├Ąhrend unseres Zimmersuch-Spiels die Wolken aufgel├Âst, w├Ąrmt uns und l├Âst das Problem.

Der erste Campingplatz neben der Bahn geh├Ârt der Stadt ist ziemlich belegt mit Wohnwagen und Zelten, etwas weiter hinter der Trettachbr├╝cke das "Rubi-Camp". Eine sch├Âne Zeltwiese mit Ausblick auf die Berge, soll f├╝r ein paar Tage unser Zuhause sein. Um uns herum nur Wohnmobile, ein paar Wohnwagen und unser Zelt auf freie Wiese. Ein Traumplatz. Mit einem Geheimzahl kann man die T├╝ren zu den sauberen, an nichts mangelnden Toiletten- und Waschr├Ąumen ├Âffnen.

Die Freiheit des Sommers beim Zelten hat uns wieder.

Neben der Trettach f├╝hrt ein Wanderweg in die Stadt. Nach dem unser Zeltlager hergerichtet, Tisch und St├╝hle parat stehen, ein kurzer Moment des Verschnaufens, ein Betrachten der Landschaft, dann geht es wieder in die Stadt zum Abendessen.

Die Kneipe ist voll. Volle Kneipen haben gutes Essen. Nach diesem Prinzip landen wir in einer original Bayrischen-Stube an der Hauptgesch├Ąftsstra├če "Zum Wilden M├Ąnnle". Zwei schwitzende Ober flitzen durch die Tischreihen, bringen die hei├čbegehrten Portionen an die Tische. Wir werden neben dem Kassen-, Speisekarten-, Besteckverteiltisch platziert. Ein Unruhetisch. Immer saust der Ober hinter mir lang, verteilt neues Besteck auf frei werdende Tische, bringt mit seinem schnellen Gang die Raumluft in Bewegung, dass man meint man sitzt vor einem Ventilator! Nicht der beste Platz. Haxe ist aus! Schweinebraten, einmal mit Kartoffelsalat, einmal mit Kl├Â├čen tut's auch. Das Essen ist gut und reichlich, da kann man seinen Platzanspruch schon einmal etwas zur├╝ck schrauben. Der Laden brummt am heutigen Abend.

Der Heimweg zum Zelt entlang der Trettach ist kurzweilig. Das Wasser rauscht, die B├Ąume wispern unter leichten Regentropfen, auf den Wiesen sind Rehe zu sehen. Ein Herr, der seinen gro├čen Hund, der einem kleinem Kalb ├Ąhnelt, jenseits der Wiesen auf dem Fahrweg spazieren f├╝hrt, wird von Ihnen erschn├╝ffelt, er├Ąugt. Mit ein paar S├Ątzen sind sie verschwunden.

Vorm Zelt sitzen wir noch ein Weilchen. es ist wieder trocken, aber verdammt frisch.

Bald h├╝llen uns unsere warmen Schlafs├Ącke ein.

Herrliche Nacht unter der d├╝nnen Zelthaut, der Blick nach drau├čen durch das Moskitonetz, wird von einem leichten Regenguss beendet. Der Rei├čverschluss zieht des Zelt regendicht.

Das feine Getrommel bringt den Schlaf.



Der Mittwochmorgen ist kalt. Haucht man in die Luft ist der Atem zu sehen. Die Flanken der Berge frei. Bedeckter Himmel aber trocken. ├ťberlegen was wir unternehmen. Laut Klaus sind alle angebotenen Wanderungen um Oberstdorf ausgebucht und auf die Berge, in den noch dort oben liegen Schnee? Nein, da gibt es besseres. Die gestern Abend erstandene Wanderkarte wird studiert.

"Rita, wir wandern westlich um Oberstdorf herum, da l├Ąsst sich, mit der Karte, ein Weg zusammen basteln, der uns am Abend wieder nach Oberstdorf zur├╝ck f├╝hrt".

Rita ist einverstanden. Regenjacke und Schirm sind dabei und schon sind wir unterwegs.

Durch die Hintert├╝r verlassen wir das "Rubi-Camp", laufen an der Trettnach entlang nach Norden. Bald erreichen wir den "Iller-Ursprung". Trettach, Stillach und Breitach flie├čen hier zusammen, bilden die Iller. Ein Kunstwerk aus drei schwimmenden Nixen bilden einen Hingucker.

Kurz vor Rubi gehen wir links ├╝ber die Iller-Br├╝cke. Am Br├╝ckenbogen warnt ein Achtungsschild der Bootsfahrer vor einer Gefahrenstelle hinter der Br├╝cke. Gro├če Felsbrocken im Fluss sollen wohl hier ein geschliffenes Wehr ersetzen. Ganz sch├Ân haarig! Gut das wir nicht im Boot sitzen!

├ťber einen Wiesenpfad geht's ├╝ber die Bahn nach Langenwang, ├╝ber die Stra├če, ein kurzes St├╝ck durch den Ort, dann nach rechts zum J├Ągersberg hoch. Ein wundersch├Âner einsamer Steig bringt uns in die H├Âhe. "Keulen-B├Ąrlapp" ├╝berwachsene Felsen, Knabenkr├Ąuter in den sumpfigen Wiesen, der "Wei├če Germer", deutlich zu erkennen an seinen schraubig angeordneten Bl├Ąttern, immer wieder Sumpfwiesen mit unz├Ąhligen Knabenkraut-Bl├╝ten, ein Heu-Schober in seinen letzten Tagen. Wird nicht mehr gebraucht.

Wieder etwas herunter dann das Gasthaus "J├Ągersberg". Das ├Ąltere Geb├Ąude, ein altes Holzhaus. Davor ein Sammelsurium von Blumen in T├Âpfen, Schalen, Tr├Âgen. H├╝bsch, steckt viel Liebe drin. Zur Einkehr noch viel zu fr├╝h!

Bachnelkenwurz im Graben, mit Wassertropfen der vergangenen Regenschauer dekoriert zeigen sich rotbraun vor gr├╝nen Gr├Ąsern, spiegeln sich im verfallenden alten Wassertrog der Rindviecher. Ein typisches altes Bauernhaus am Wiesenhang.

Alpen-Kratzdiestel mit Klappertopf, Manns-Knabenkraut und Wiesen-Margerite.

Am Trockenhang bl├╝hender Thymian.

Der Pfad f├╝hrt ├╝ber eine feuchte, nein nasse Wiese hinweg, der Boden unter uns schwankt, der rechte Stiefel versinkt im Wasserloch. Der Stiefel nass, die F├╝├če trocken. Ein buntes Bl├╝hen um uns. Selten so eine artenreiche Wiese gesehen.

Klee, Waldhyazinthe, Kreuzbl├╝mchen, Wiesen-Kn├Âterich und in gro├čer Zahl die gelben Bl├╝tentrauben des Klappertopfs. Zum gro├čem Erstaunen mischen sich zahlreiche Sterndolden in die Pracht der Wiesen. Was habe ich sie in Friedrichshohenberg am Harzrand gesucht und nicht gefunden! Nun das hier in der Wiese!

Totale Begeisterung!

Der Wald nimmt uns wieder auf. Ein junges Paar kommt uns entgegen. Warnen sie vor dem schwankenden Wiesenboden. Sie schauen uns zweifelnd an. Halten uns beide f├╝r ein wenig meschugge, gehen ohne Gru├č weiter.

Der Weg polterig, dunkel unter den Fichten, ein Hirschzungenfarn am Rand. In Serpentinen polterig hoch zur Judenkirche. Eine Bank unter einem weit gespannten Kalkgesteinsbogen. Ein nebelbehangener Blick auf Oberstdorf. Von dem Kalksteinbogen baumeln, im leichtem Winde, Waldrebenranken. Neben der Bank ein zwei Faust starker gelber fein gerippter Pilz. Sollte das schon eine fr├╝he "Krause Glucke" sein? Bin mir nicht sicher, lassen den vermeintlichen Leckerbissen stehen. Der Pfad steigt weiter an, wird noch ein bisschen rustikaler, senkt sich, wird feucht, glitschig. Schlechtes Gehen. Aufpassen hei├čt es, nur nicht stolpern.

Moos rechts des Pfades. Etwas wei├čes im gr├╝nen Moospolster, Das "Einbl├╝tige Wintergr├╝n" (Moneses uniflora). Mit Blitzlicht fotografiere ich den besonderen Fund.

Noch einmal von der anderen Seite. Was ist denn das! "Rita, der Korrallenwurz". "Der was"? "Eine der kleinsten Orchideen, noch nie gesehen, hier steht sie". "Was du erz├Ąhlst, Korrallenwurz, neu erfunden was"?

Dieses ungl├Ąubige Weib, glaubt mir nicht.

Trotzt ihres Unglauben fotografiere ich begeistert weiter. Wie das so ist bei einer richtigen Begeisterung achtet man nicht auf die kleinen Dinge, hier auf die richtige Einstellung von Blende, Zeit und Hintergrund, so das nur bescheidene Bilder zustande kommen.

Mist!

Treten aus dem Wald heraus, Der Weg teil sich. Links ein Fahrweg nach Wasach, vor dem Pfad nach rechts wird gewarnt. Steinschlag und gesperrtes Jagdgebiet. Die Zeiten sind angegeben. Betrifft uns nicht . Also dort entlang. Ein h├╝bscher Pfad. Unter ├╝berh├Ąngenden Felsw├Ąnden schl├Ąngelt er sich hin, talw├Ąrts. Bedrohlich die Kletterfelsen ├╝ber uns. Es beginnt wieder zu regnen. An der Kirche, unter einem Vordach, warten wir den Schauer ab.

An der Stra├če weist ein Schild zum Gasthaus "Bergruh". Auf meiner Karte ist das links vermerkt. Komme so ein wenig ins Gr├╝beln wo unser Weg weiter geht. Erst nach einem kleinen Suchen finden wir das Wegschild in Richtung Weidach etwas abseits der Kirche.

Ein schmaler zugewachsener, wenig begangener Pfad steig in die H├Âhe, biegt im Wald nach rechts ab bleibt weitgehend auf der H├Âhenlinie, senkt sich nach Weidach ab. Treffen einen Herrn vom Harzklub Bad Harzburg, der hier in jedem Jahr seinen Urlaub verbringt. ├ťber Kornau zur Talstation S├Âllereckbahn, weiter zum "Bergkristall". Einkehr und kleine Brotzeit. Sind auf dem Aufstieg von Weidach wieder weitgehend trocken geworden. Den Rest trocknet die Sonne hinter den Scheiben des "Bergkristall". Nettes Gespr├Ąch mit den Tischnachbarn, mit der drahtigen, erz├Ąhl freudigen Wirtin.

├ťber "Waldesruh, an der Stillach entlang sind wir bald wieder in Oberstdorf, jetzt wieder ganz trocken, nur die Str├╝mpfe in den feuchten Schuhen sind mehr so ganz angenehm, beim Abendbrot vorm Zelt im Rubi-Camp. Werden gewechselt.

Es gab, noch von zu Hause mit gebracht, Spargelsalat mit einer Scheibe Brot und einen Schluck, -etwas stillos-, Rotwein.

Ein toller Tag mit eigenem Programm.


-Corallorhiza trifida

Einbl├╝tiges Wintergr├╝n

- Korallenwurz

Krause Glucke