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1 seiner Puppenwiege entwachsen,

Mit einem Wanderfreund saß ich an einem warmen, frühen Abend auf dem Halberstedter Berg und schaute ins Vorland hinunter. Ein Schwarm von Mücken tanzte im zugigen Winde. Seltsame Mücken. Ein Griff in die Luft und eine der Mücken lag in der Hand. Nichts mit Mücke, ein Borkenkäfer war es der uns umtanzte, an dem großen Abendtanzvergnügen seiner Genossen teilnahm. Von wegen schlechte Flieger! Sie sind auch in dieser Disziplin perfekt!
Meine Gedanken sind bei meinen Erzählungen, meinen Erläuterungen unterwegs zwar ein wenig weit geflogen, doch wandern wir noch immer auf dem Hangweg oberhalb der Ecker. Der wunderbare Bilder durch seinen lichten Fichtensilberwald, zum Brocken freigibt. Doch tot ist er nicht, der Wald, nein überall regt sich pflanzliches Leben, ist es grün geworden zwischen den Stämmen der Silberfichten. Einzelne sind schon gefallen, doch die Meisten ragen noch im Tod majestätisch wirkend in den Himmel. Sie geben nun Raum für neues Leben. Längst sind die Borkenkäfer weiter gezogen haben sich neue Fress-, Liebesplätze erschlossen, stirbt eine geschädigte Fichte anderswo. Andere Genießer sind jetzt am Werke. Insekten verschiedener Arten lauern schon um sich unter der toten Rinde einzunisten. Der Schrotbock/Rhagium inquisitor ist einer der ersten der die Gelegenheit nutzt. Seine Larven entwickeln sich unter der toten Rinde, sie nagen eine kleine Vertiefung in das Bastgewebe, bauen sich aus zerkauten, geschroteten Bastfasern, ähnlich eines Wohnkraals der Afrikaner, eine runde Puppenwiege. Hier bleiben sie hocken bis der ausgewachsene Schrotbock durch ein selbstgefressenes Loch die Sicherheit der schützenden Borke verlässt. Hübsch sind sie anzusehen die Puppenwiegen, sorgen für Begeisterung bei den Wandergästen. Spinnen, Asseln, Schnecken, Tausendfüßler und anderes was sich unter der Borke versteckt, kommen als sehenswerter Beifang zur Sprache. Da sich die Vögel heute rar machen, nur ein kleiner Finkenschwarm tobt vor uns davon, zwei Kolkraben im vertrautem Krächzen, ein Schwarzspecht versucht seinen Gesang, bewegen sie sich außerhalb unserer Gespräche. Heute drehen sich unsere Gespräche um die vielen Pilze am Wegesrand. Die großen Hexenringe der Nebelkappen, wie die Nebelgrauen Trichterlinge/Clitocybe nebularis bei uns genannt werden. Der Hallimasch der nicht nur an der Erde umherstreift, sondern sogar die toten Stämme der Fichten und Buchen besteigt. Die zahllosen Flaschenstäublinge, dem Karbolchampignon oder ist es der der Dünnfleischige Anis-Campignon der auch ein Gelb auf, an seinem Hut trägt? Dem rotgelben Tränenpilz Klebriger Hörnling, der zwar dem Korallenpilzen ähnlich ist, aber zäh, gummiartig und schmierig seine Schönheit zur Schau stellt. Doch das Hauptaugenmerk gilt dem Parasol, den Riesen-Schirmpilzen, den Steinpilzen, den Maronen die meist, schon übergroß im Vergehen begriffen, am Wegrand wachsen. Auch der Flockenstielige Hexenröhrling wird gefunden und ausgiebig betrachtet und besprochen. So richtig appetitlich wird sein sofort blau anlaufendes Fruchtfleisch nicht bewertet. "Den lass ich lieber stehen" die Reaktion der Meisten von uns. Es wird rigoros auf seinen Genuss verzichtet. "Blau ist giftig" schwebt durch die Gedanken. Wenn es dann so ist, soll es auch so bleiben.
Etwas angezweifelt wird auch ihre Lebensweise. Pilze sind keine Pflanzen. Pilze sind Verbraucher, Verzehrer, sie ernähren sich von der gebildete organische Masse der Pflanzen. Dabei werden Reststoffe frei die sie den Pflanzen wieder zur Aufnahme zur Verfügung stellen. So soll es wenigstens sein. Nur frage ich mich wie dann die Kohlelager der Urwälder entstanden sind. Gab es damals noch keine Pilze?
Ein Fichtenast liegt auf dem Wege. Ist bewachsen mit einer grausilbernen strauchartigen Flechte. Der perfekte Ast zur Dekoration im Weihnachtszimmer. Flechten sind auch Pilze. Sie leben nicht von der Verwertung des Gewesenen, sondern eine Alge mit der sie Zusammenleben,  ernährt sie. Ob die Alge das möchte sei dahingestellt. Der Pilz fordert und die Alge muss es liefern. Obendrein bestimmt der Pilz auch noch das Aussehen der gewollten oder ungewollten Gemeinschaft! So ist das mit der Symbiose! Oft nicht ganz freiwillig so eine Gemeinschaft zum gegenseitigen Nutzen! Aber interessant sind sie schon die Flechten am Wege.

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