WillkommenWanderungenWanderstreckenGasthäuserServiceKontakt

Seite 2 

1 Brockenaussicht

Erst der Wasserspiegel des Hasselteiches zeigt uns, dass es noch immer leicht tröpfelt. Das bringt Erschrecken um die Frisuren der Damen. Schnell sind die eben abgenommenen Kapuzen wieder übergestülpt, gleiten die Töne meiner Erklärungen an den Ohren vorbei, muss das Gesagte wiederholt werden. Wir folgen dem Hasselbach, wandern bergab der Ecker, dem Grenzfluss zwischen Niedersachen und Sachen-Anhalt, entgegen. Biegen jedoch bald links ab, wandern auf der Höhe bleibend, den Mittleren Eckerhangweg zwischen Kaltetal- und Zwisselkopf entlang zum Stöttertal. Nicht ausgeschildert ist der Weg und es ist bestimmt eine Frage der Zeit bis der NP-Harz ihn verschwinden lässt. Doch vielleicht wird man hier auch klüger, steigt das Bewusstsein, dass Wege nichts schlechtes, sondern notwendig zum Erleben des NP-Harz gebraucht werden. Denn wer soll sich das Werden des Parks, die entstehende Wildnis betrachten, ihr Fortschreiten in die Welt tragen, wenn nicht die Wanderer, die Touristen aus Nah und Fern. Doch nicht nur die sind es die sie brauchen, auch zur Jagd, zur Brandbekämpfung und anderen Urplötzlichkeiten die nicht bedacht werden, werden sie gebraucht, sind sie nötig. Nicht umsonst haben unsere Vorfahren sich abgemüht sie zu erstellen, zu unterhalten, sie zu "Kulturgütern" werden lassen. Denn das sind sie, die Wege, die Wanderwege, die Pfade des Harzes, die  den Wald erschließen so das wir in ihn eintauchen, ihn hören und fühlen, in ihm Zufriedenheit finden und gesunden können. Wer Wege und Pfade verleugnet, schließt, versperrt oder aufgibt, der  versündigt sich an den heranwachsenden Generationen, die er von diesem Erleben ausschließt!
Wir wandern auf so einem der alten Wege. Seit meiner Jugend wandere ich hier schon entlang, sah damals noch Herden von Mufflons, die die steilen Hänge des Eckertal durchstreiften, hier ein Zuhause hatten. Die sind jetzt verschwunden. Verschwunden auch seit einiger Zeit die immer dunklen, dunkelgrünen Fichtenbestände zwischen den Buchen. Wer hat sie hingerafft? Da wird überlegt, ist es die Versauerung der Böden durch fossile Brennstoffe von Haushalt und Industrie , der ewige natürliche Lufteintrag von Salpeter und Schwefel? Spielt die Bodenmüdigkeit, fehlende aufgebrauchte Mikronährstoffe, Spurenelemente die die Pflanze braucht, die Trockenheit, die Temperatur, das sich veränderte Licht, die Lichtsumme, das Fehlen der kalten Winter, der ausbleibende Schnee, eine Rolle? Oder sind es einfach nur die heißen, trockenen Sommer, die milden Winter , die die kälte- und regenliebende Fichte umbringt? Denn es ist nicht der gefräßige Borkenkäfer, dem überschnell die Schuld in die Schuhe, seinen Raspelzähnen, seiner explosionsartigen Vermehrung zugeschrieben wird. Nein, es sind die neuen Lebensbedingungen der Umwelt der die Fichte ausgesetzt ist. Der Borkenkäfer ist nur der, dem beste Lebensbedingungen in den geschwächten Fichten geboten wird und sie auch konsequent nutzt.
Wenn nun die Betreuer der Landesforsten hinter dem Tod ihrer Fichten her jammern, so muss ihnen wohl vorgehalten werden: "Wohl zu wenig gelernt von ihren alten Lehrern?". Jammern nützt da nichts, rann an die Arbeit. Befallene Bäume entnehmen, schälen und schnellsten an den Verbraucher bringen. Das dazu aber auch genügend Personal vorgehalten und vorhanden sein muss, dass ist in leider in Vergessenheit geraten, Sparmaßnahmen, der Ertragsmaximierung zum Opfer gefallen.! So ist das Geschrei groß. Ein Schuldiger muss her und da ist der NP-Harz, weil der nun gar nichts macht in der entstehenden Kernzone mit dem böse Verursacher der Borkenkäferfamilie der Komposthaufen der wissenden "Fachleute". Geht in den Wald, da hört ihr sogar die Spechte darüber lachen.
Mir und auch Anderen die unterwegs sind haben die Käfer mit ihrer Radikalität Aussichten verschafft von denen ich nie zu träumen gewagt hätte. Doch eins machen sie auch die verdammten Borkenkäfer. Ab und an bleiben gesunde vitale Fichten im sterbenden Bestand stehen. Dies Phänomen ist etwas was nicht in meinen Kopf will, ich nicht verstehe. Da sieht man, was in so einem kleinen Käferkopf so alles seinen Platz hat. Und wenn die erzählte Geschichte von den geringen Flugkünsten des Borkenkäfer stimmen würde, sie nicht weit fliegen könnten, dann würden seine Nachkommen den Harz, wie die Stare im Herbst in den Weinanbaugebieten, den Himmel verdunkeln. Er macht sich jedoch über Kilometer davon, sucht neue nach Wasser und Kälte schreienden Fichten.

Weiter zu