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1 Brockenaussicht

Erst der Wasserspiegel des Hasselteiches zeigt uns, dass es noch immer leicht tr√∂pfelt. Das bringt Erschrecken um die Frisuren der Damen. Schnell sind die eben abgenommenen Kapuzen wieder √ľbergest√ľlpt, gleiten die T√∂ne meiner Erkl√§rungen an den Ohren vorbei, muss das Gesagte wiederholt werden. Wir folgen dem Hasselbach, wandern bergab der Ecker, dem Grenzfluss zwischen Niedersachen und Sachen-Anhalt, entgegen. Biegen jedoch bald links ab, wandern auf der H√∂he bleibend, den Mittleren Eckerhangweg zwischen Kaltetal- und Zwisselkopf entlang zum St√∂ttertal. Nicht ausgeschildert ist der Weg und es ist bestimmt eine Frage der Zeit bis der NP-Harz ihn verschwinden l√§sst. Doch vielleicht wird man hier auch kl√ľger, steigt das Bewusstsein, dass Wege nichts schlechtes, sondern notwendig zum Erleben des NP-Harz gebraucht werden. Denn wer soll sich das Werden des Parks, die entstehende Wildnis betrachten, ihr Fortschreiten in die Welt tragen, wenn nicht die Wanderer, die Touristen aus Nah und Fern. Doch nicht nur die sind es die sie brauchen, auch zur Jagd, zur Brandbek√§mpfung und anderen Urpl√∂tzlichkeiten die nicht bedacht werden, werden sie gebraucht, sind sie n√∂tig. Nicht umsonst haben unsere Vorfahren sich abgem√ľht sie zu erstellen, zu unterhalten, sie zu "Kulturg√ľtern" werden lassen. Denn das sind sie, die Wege, die Wanderwege, die Pfade des Harzes, die  den Wald erschlie√üen so das wir in ihn eintauchen, ihn h√∂ren und f√ľhlen, in ihm Zufriedenheit finden und gesunden k√∂nnen. Wer Wege und Pfade verleugnet, schlie√üt, versperrt oder aufgibt, der  vers√ľndigt sich an den heranwachsenden Generationen, die er von diesem Erleben ausschlie√üt!
Wir wandern auf so einem der alten Wege. Seit meiner Jugend wandere ich hier schon entlang, sah damals noch Herden von Mufflons, die die steilen H√§nge des Eckertal durchstreiften, hier ein Zuhause hatten. Die sind jetzt verschwunden. Verschwunden auch seit einiger Zeit die immer dunklen, dunkelgr√ľnen Fichtenbest√§nde zwischen den Buchen. Wer hat sie hingerafft? Da wird √ľberlegt, ist es die Versauerung der B√∂den durch fossile Brennstoffe von Haushalt und Industrie , der ewige nat√ľrliche Lufteintrag von Salpeter und Schwefel? Spielt die Bodenm√ľdigkeit, fehlende aufgebrauchte Mikron√§hrstoffe, Spurenelemente die die Pflanze braucht, die Trockenheit, die Temperatur, das sich ver√§nderte Licht, die Lichtsumme, das Fehlen der kalten Winter, der ausbleibende Schnee, eine Rolle? Oder sind es einfach nur die hei√üen, trockenen Sommer, die milden Winter , die die k√§lte- und regenliebende Fichte umbringt? Denn es ist nicht der gefr√§√üige Borkenk√§fer, dem √ľberschnell die Schuld in die Schuhe, seinen Raspelz√§hnen, seiner explosionsartigen Vermehrung zugeschrieben wird. Nein, es sind die neuen Lebensbedingungen der Umwelt der die Fichte ausgesetzt ist. Der Borkenk√§fer ist nur der, dem beste Lebensbedingungen in den geschw√§chten Fichten geboten wird und sie auch konsequent nutzt.
Wenn nun die Betreuer der Landesforsten hinter dem Tod ihrer Fichten her jammern, so muss ihnen wohl vorgehalten werden: "Wohl zu wenig gelernt von ihren alten Lehrern?". Jammern n√ľtzt da nichts, rann an die Arbeit. Befallene B√§ume entnehmen, sch√§len und schnellsten an den Verbraucher bringen. Das dazu aber auch gen√ľgend Personal vorgehalten und vorhanden sein muss, dass ist in leider in Vergessenheit geraten, Sparma√ünahmen, der Ertragsmaximierung zum Opfer gefallen.! So ist das Geschrei gro√ü. Ein Schuldiger muss her und da ist der NP-Harz, weil der nun gar nichts macht in der entstehenden Kernzone mit dem b√∂se Verursacher der Borkenk√§ferfamilie der Komposthaufen der wissenden "Fachleute". Geht in den Wald, da h√∂rt ihr sogar die Spechte dar√ľber lachen.
Mir und auch Anderen die unterwegs sind haben die K√§fer mit ihrer Radikalit√§t Aussichten verschafft von denen ich nie zu tr√§umen gewagt h√§tte. Doch eins machen sie auch die verdammten Borkenk√§fer. Ab und an bleiben gesunde vitale Fichten im sterbenden Bestand stehen. Dies Ph√§nomen ist etwas was nicht in meinen Kopf will, ich nicht verstehe. Da sieht man, was in so einem kleinen K√§ferkopf so alles seinen Platz hat. Und wenn die erz√§hlte Geschichte von den geringen Flugk√ľnsten des Borkenk√§fer stimmen w√ľrde, sie nicht weit fliegen k√∂nnten, dann w√ľrden seine Nachkommen den Harz, wie die Stare im Herbst in den Weinanbaugebieten, den Himmel verdunkeln. Er macht sich jedoch √ľber Kilometer davon, sucht neue nach Wasser und K√§lte schreienden Fichten.

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