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1 Reitgras

Harvester haben Schneisen in den Wald gezogen, haben viel mit ihren Riesenreifen platt gemacht, mit ihrem Gewicht den Waldboden verdichtet, im feuchten Untergrund dränagenförmige Wasserabflüsse gepresst. Erst viel später, wenn diese forstliche Maßname von uns Menschen schon vergessen ist, hat der Boden das noch immer zu tragen. Seine zusammen gepresste Struktur ist nicht so vergesslich wie unser Hirn. Die Bodenverdichtung wird zu weniger Ertrag des Waldbewirtschafters  führen. Der wird sich dann am Kopf kratzen, vergeblich den Fehler in seiner Bewirtschaftung suchen. Doch vorerst ist Ernte angesagt. Alles was Nadeln trägt wird abgeschnitten, gelagert, hoffentlich zu einem guten Preis, an den Mann bzw. Frau gebracht. Die kahlen Flächen vorwiegend mit Stieleichen aufgepflanzt. Ein Gatter schützt die jungen Planzen vor den Mäulern der Hirsche, der Rehe, den wühlenden Nasen der Wildschweine. Sechs, acht hohe Birken werden dafür sorgen, dass sie bald das Kommando übernehmen. Sie haben sich schon abgesprochen mit den Sal-, Silberweiden und anderen ihrer Schwestern, die auch Unterstützung zugesagt haben. So wird sich der Heinische Bruch langsam wandeln, werden Laubbaumarten die Nadelhölzer verdrängen. Doch noch lagern ihre Samen im Boden, werden sich das nicht einfach so gefallen lassen. Fichte und Kiefer werden es aber schwer haben ihre Sämlinge durch die Grasvegetation ans Licht zu bringen. Nicht vielen wird das gelingen, nicht viele werden ihre Jugend überleben. Reitgräser werden sie überwachsen, sie an Lichtmangel sterben lassen. Doch alles dies ist Natur und hört dazu; bringt Tod für die Unterlegenen, Leben für den Sieger. Grausamkeiten gleich neben Schönheit und Glück. Jetzt, wenn die gelblich braunen Ähren des Reitgrases sich in Wind und Sonne wiegen, ist alles nur noch schön, der Kampf des Überlebens schon vergessen. Selbst die Flatter-Binse / Junkus effusus im Graben am Wege, macht im Sonnenlicht auf sich aufmerksam, will auch mit in die fotografierten Bilderreihe des Tages. Groß, braun und strubbelig auf langer Ranke, winkt der Schlafapfel der Hundsrose / Rosa canina am Ende des Fichteneinschlags herüber. Der Schlafapfel ist die Kinderstube der Rosengallwespe. Die Gallenbildung ist eine Abwehrreaktion der Hundsrose, die Gallwespenlarven scheiden Enzyme aus. Die Pflanze reagiert mit Zellveränderungen,Gallen bilden sich, die je nach Pflanze und Schadinsekt unterschiedliche Erscheinungsformen der Gallen hervorrufen. Der Schlafapfel unter das Kopfkissen gelegt, soll schlaffördernde Wirkung haben. Aufpassen muss man halt nur, sich nicht auf die Stacheln von der Rose zu legen, sonst piekt's und der Schlaf macht sich davon. Jetzt im freien Felde in der Nähe eines alten Gartenhauses, einer vergangenen Liebeslaube, die weiße, flache Doldentraube der Schafgarbe / Achillea millifolium. Überall findet man sie, doch jetzt zum Herbst strahlt sie besonders hübsch. Betrachtet man ihre kleinen federartigen Blätter, ist ihr botanischer Gattungsname A. millifolium, mit "Tausendblatt" sofort erklärt. Interessant erscheint auch die etwa 1,5m hohe halb vertrocknete Pflanze, die am Feldrain alles überragt. Es ist der Kompass-Lattich, auch Stachel-Lattich oder Wilder Lattich genannt. Sein Name Lactuca serriola  weist auf seine Verwandtschaft mit  dem Kopfsalat hin. Auch er "blutet" bei Verletzungen  mit weißen, milchigen Pflanzensaft, blüht wie der Salat, auch erst an langen Sommertagen und essen kann man ihn auch. Er ist ein Steppenpflanzenreligt aus Südeuropa, hat sich vor langer Zeit bei uns eingebürgert. Bei Sonne und und Trockenheit stellt er seinen Blätter mit ihrer Spreite senkrecht in Nord-Süd Stellung parallel zur Sonne. Er reduziert so seine Verdunstungfläche, reduziert seinen Wasserbedarf. An der verschlossenen "Liebeslaube", einer umgebauten kleinen Scheune, stehen im hohen Grase die trocken Fruchtstängel des Stumpfblättrigen Ampfer / Rumex obtusifolius. Auch sonst ist die "Laube" und ihr umgebener Garten weitgehend zugewachsen. Hier hat sich wohl ausgeliebt durch Trennung oder Tod. Hier knarrt keine Tür mehr, steigt kein Rauch mehr aus dem Schornstein, wird das Dachfenster nicht mehr geöffnet. Selbst die Dachrinnen fallen aus ihren Halterungen. Nur die Wetterfahne ganz oben auf dem Erker, die tut so als interessiere sie das alles nicht. Sie trägt auf langer Stange noch immer eine Brockenhexe auf ihren Flug zur Walburgisnacht zum Brocken. Sie ist guter Dinge, dass sie keinen Schnee mehr dort oben antreffen wird, ihren Besen nicht gebrauchen muss. Sie hat sich zum Besuch beim Teufel auf dem Brocken richtig aufgehübscht. Mit Zipfelmütze und hochhackigen Schuhen will sie bestimmt die anstrengende Arbeit des Schneefegens nicht angehen, da hat sie andere Vorlieben und Gedanken im Kopf.

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11 noch einmal aus der Nähe.

12 Brockenhexe

13 Hagebutten der Hundsrose

14 Liebesgarten