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Eine Harzklubwanderung... Ilsetal 18.8.2019 

Bremer Hütte, Hermannsklippe, Scharfenstein, Kruzifix. 

1 Die Ilse

Die ganze Woche vorher sorgten die Wetterfrösche für trübe Stimmung. Wolken, Schauer, Gewitter und kräftige Windböen sagten sie an. Doch nichts von alledem kam zu uns an die Radau, der Ecker, der Ilse. Am Sonntag sollte das Wetter dann mit kräftigem Dauerregen und Orkanen im Harz besonders extrem werden. Mir schwante nicht Gutes. Am Sonntagmorgen machte der Himmel auch so einen Eindruck wie vorher gesagt. Noch war es trocken. Ich hoffte meine Wanderer wären klüger als ich und blieben mit dem Hintern in der warmen, trockenen Stube hocken und ließen mich alleine durchs Ilsetal ziehen, was ich dann aber auch nicht machen würde. Doch es kam anders. Neun wettererprobte Wanderer warteten auf beim TEDi-Parkplatz auf ihre sonntägliche Freilanddusche. Mir blieb nichts über als alle freundlich zu begrüßen und uns zu wünschen, dass die Prognose der bezahlen Wetterpropheten nicht wahr werden würde. Mit vier Fahrzeugen machten wir uns auf den Weg, denn zwei Wolfsburgerinnen und und ein Thüringer Pärchen, die mit von der Partie waren, wollten nun konsequent nicht über Bad Harzburg zurück fahren. Kurze Diskussion wo wir in Ilsenburg parken. "Am Blockhauer, da kostest's nichts und bestimmt sind da noch vier Stellplätze frei, "mein Vorschlag". Ein fragendes Nicken reihum. So reisen wir den zu zehnt mit vier Autos nach Ilsenburg. Als wir in Eckertal die Ecker überqueren scherze ich ein wenig mit meinen Mitfahrenden: "Östlich der Ecker scheint immer die Sonne, auch wenn es noch so duster über Bad Harzburg droht."
Wie es sein soll, blitzt beim Blockhauer, wo wir alle einen kostenfreien Parkplatz gefunden haben, die Sonne zwischen den Wolkenbergen hervor. Ein hoffnungsvolles Zeichen für den Tag. Ein wenig müssen wir uns noch gedulden bis die Wolfsburger die Schuhe gewechselt und eine von ihnen eine Scheibe Brot verdrückt hat. Dann können wir uns auf den Weg machen. Leider macht das die Sonne auch, sie verschwindet im Wolkengrau des Himmels. Wir wandern auf dem Heinrich Heine Wanderweg dem Brocken entgegen. Wechseln mal von der rechten Seite der Ilse über eiserne Brücken auf ihre Linke. Ab dem Zanthier-Platz liegt das ziemlich leere Bachbett  Ilse links unseres Weges. Statt einem brausendem Wasserrauschen ist nur ein verhaltenes Plätschern von ihr zu hören. Als Ausgleich präsentiert sie uns ihr gewaltiges granitenes mit wenigen kantigen Quarzitblöcken dazwischen, wild geschmücktes  Geröllbett. Zum Erzählen und Erklären an was wir vorbei laufen komme ich nicht. Zu eifrig werden Gedanken untereinander, über Andere ausgetauscht. Es herrscht ein auf und ab schwellendes Dauergeplapper!
Nur mit Mühe gelingt es mir wenigsten auf  die vom Zunderschwamm durch- und überzogenen alten toten und sterbenden Buchen aufmerksam zu machen. Ein kurzes, schweigendes Zuhören und dann geht nach: "Wann machen wir Pause", "bald", das liebliche Plappergesäuse weiter. Zwischen dem unteren und den oberen Ilsefällen am Heine-Gedenkstein wird die erste Pause eingelegt. Ein schöner Platz zum Essen und zum Trinken. Nur mit dem Gang zum "telefonieren" klappt das hier nicht. Total ungeeignet! Wie mir klar gemacht wird. Ich vertröste auf die Bremer-Hütte, ein paar hundert Meter weiter, da ist Gebüsch mit heimlichen Verstecken! Ein Hinweis der  wenig Begeisterung hervor ruft. Jetzt, im Moment, wäre es viel wichtiger angebrachter! An der Bremerhütte hat der Hunger und Durst schon wieder über den inneren Druck gesiegt. Erst wird getrunken und gegessen. Dann über das Fichtensterben, die Trockenheit, den Borkenkäfer, die Wiederbegrünung des Waldes philosophiert. Erst beim Abmarsch gedenken die Damen ihres inneren Druckes. Oder ist dieses nur eine gewollte Verzögerungstaktik zur Verlängerung der Erholungspause?
Es steigt bis zur "Stempelsbuche" noch einmal ganz ordentlich an. Nicht nur die "Langstielige Ahorn-Holzkeule" auf einem liegenden, toten, mit Moosen überzogenem Baumstamm begleiten uns beim Anstieg, sondern auch im jungem. dichten Fichtengrün-Verstecken viele weiße Tupfer von Papiertaschentüchern. Was darauf hinweist, dass das Geplätscher der Ilse bestimmte Bedürfnisse fördert. Die von mir, unter den kleinen Fichten erwarteten, Maronen und Steinpilze, halten sich dagegen meinem suchenden Blicken verborgen. Sie brauchen bestimmt noch ein wenig mehr Wasser "unter die Füße", bzw. zwischen ihr verborgenes unterirdisches Myzel. Erst dann treiben sie ihre ersehnten, wohlschmeckenden Fruchtkörper ans Licht. Kommt der Regen, kommen auch sie. Hoffentlich! Eben zeigt sich nur der kleine liebliche weiße Halbschmarotzer, der Augentrost am Wegesrand. Nichts für die Pfanne, nur zur Freude für's Auge, Sinn und Seele. Bald treffen wir auf den alten, breiten Fahrweg. Wie ein hellgraues Band zieht er sich, leicht ansteigend durch den Forst. Vor uns der nordöstliche Brockenhang, der mit dem hellen Braun seiner abgestorbenen Fichten, herunter winkt. Links neben unserem Weg, der Hermannschaussee, (zur "Stempelsbuche" ist es nicht mehr weit), stehen die etwa 30jährige Fichten noch in ihren satten grünen Nadeln.


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11 Acker-Kratzdisteln

12 an der "Stempelsbuche".