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2 Kreuzdorm

3 Der Dukatenfalter

4 auf dem Greiskraut

5 zeigt seine gepunktete

6 FlĂŒgelunterseite

7 Von Milben befallener Natterkopf,

8 so sieht er ohne Milben aus.

9 Blick aufs Okertal

10 SchmalblÀttriges Greiskraut

11 Berg-Haarstrang

12 Bibernell-Rose hat schwarze Hagebutten

13 Wiesen-Labkraut

14 Großer Ehrenpreis, letzte BlĂŒten

15 Blick zum Großen Fallstein

16 WeidenblÀttriger Alant

17 Berg-Haarstrang vor Göttingerode

18 Peucedanum oroselinum / Berg-Haarstrang

19 KarthÀuser-Nelke / Dianthus carthusianorum

20 Graslilie mit Gartenameise

21 DickkopfkÀfer auf Glockenblume

Seite 3..... Langenberg 

1 Kalksteinbruch am Langenberg

Wir steigen einen steilen, gerölligen, schmutzigen Hang hoch den die MotorrĂ€der zurĂŒckgelassen haben. Stehen oberhalb der BetriebsgebĂ€ude des Kalksteinbruches angelehnt an einen Strom-Doppelmasten der dem Kraftwerk unten im Bruch die erforderliche Energie bringt.
Der Umkehrpunkt unserer Wanderung.
Der Steinbruch liegt nun offen vor uns. In sicherem Abstand zu seiner Kante schlendern wir zurĂŒck. In einer geschĂŒtzten Mulde sind die Beeren des Kreuzdorn schon rot geworden, bis zu ihrer schwarzen Reife dauert es noch ein Weilchen. Ein anderer seiner Zweige treibt, im Winkel der gegenstĂ€ndigen BlĂ€tter, noch BlĂŒten.
 Heckenrosen mit ausgefĂ€rbten roten, noch grĂŒnlichen Hagebutten ĂŒberzogen begleiten uns.  Ab und an ein Schlafapfel an ihren Trieben. Es ist die Kinderstube der Rosengallwespe. Diese Wespenart verzichtet so zu sagen auf Sex. Die wenigen MĂ€nnchen die umherschwirren haben es schwer eine Partnerin zu finden. Die vielen Weibchen sind autark. Sie besorgen ihre Befruchtung per "Jungfernzeugung". Das kann ich zwar nicht begreifen wie das funktioniert, doch es ist so. So verzichten diese Gallwespenweibchen auf eine der schönsten Augenblicke in ihrem Leben. Soll ja nicht ganz ungewöhnlich sein, dieser Verzicht! Aber so toll finde ich das nicht! Ich fand die Sache immer sehr berauschend, brachte mir Freude und GlĂŒck.
Die Sonne ist höher gestiegen, weitere Schmetterlinge aus ihrem Schlaf erwacht.
Neben Waldwiesenvögelein auf einer Skabiosen-Flockenblume ist es der Dukatenfalter der sich auf einem Jakobsgreiskraut zu Schau stellt. Er ist so berauscht vom Saugen an dem giftigen Kraut, dass er die Welt vergisst. Willig lĂ€sst er sich auf eine ganze Bilderserie ein. Zauberhaftes Rot-orange mit schwarzen Innen- und weißem Außenrand seiner FlĂŒgel auf dem Gelb des Jakobsgreiskrautes. GroßzĂŒgig wie er heute ist, zeigt er obendrein auch noch seine hellbraune, mit schwarzen Punkten und weißen Flecken geschmĂŒckte Unterseite seiner FlĂŒgel.

22 KarthÀuser- Nelke

23 Klappertopf / Rhinanthus minior

24 Gewöhnliches Bitterkraut

25 Nickende Distel

Gleich daneben ein von der Natterkopfmilbe verformter Trieb des Natterkopfes. Diese winzige Milbe verformt die Triebe des Natterkopfes auf brutale Weise. Von seinen großen BlĂ€ttern seinen schlanken Trieben bleibt ihm nicht viel. Wie ein lang hingestreckter Mooshaufen hat die Milbe seinen Habitus geformt. Als ich dieses "Moos" das erste Mal fand blĂŒhte es obendrein noch blau. Was habe ich da umher gerĂ€tselt. Diese winzige Milbe hat mich bald zur Verzweiflung getrieben. Bis ich endlich von einer Botanikerin auf Spur gebracht wurde.
Der Weg, mehr als eine Fahrspur der GelĂ€nde-Motorradfahrer verlĂ€uft durch eine kleine Senke die das GelĂ€nde des Bruches begleitet. Rechts, zum Abbau ein GebĂŒsch von Hartriegel, Heckenrosen, Weißdorn, Liguster. Am auffĂ€lligsten eine Ecke mit der Bibernellrose die mit ihren schwarzen, runden, reifen Hagebutten auf sich aufmerksam macht. Sie ist nicht sehr hĂ€ufig und liebt trockene Standorte. Den hat sie hier gefunden und wie es aussieht fĂŒhlt sie sich auch sauwohl. Überall wachsen SĂ€mlinge von ihr, links und rechts, in diesem lĂ€ngeren begleitenden Einschnitt nördlich des Bruches. Links blĂŒht an der kleinen offenen Böschung das SchmalblĂ€ttrige Jakobsgreiskraut, der Berg-Haarstrang mit seiner weißen Dolde, ein ĂŒbergroßes Exemplar vom Natterkopf, die hellblauen BlĂŒten der Skabiose, eine große Menge der Schwalbenwurz getupft mit eingestreuten roten Köpfchen des Mittleren-Klees, das Behaarte Johanniskraut in Gelb.
Bald treten wir auf den waldfreien nördlichen Hang oberhalb der ehemaligen Eisenerz-Grube Hansa. Noch schmaler wird der Pfad. WĂ€chst zu mit Wiesenlabkraut, Behaarten Johanniskraut, dem Großen Ehrenpreis der seine letzten BlĂŒten in den Pfad schiebt.
Eine Blindschleiche schlĂ€ngelt sich vorĂŒber, verschwindet im Grase. Von den sonst immer hier gefundenen Prachtnelken ist nichts mehr zu finden. Bestimmt verstecken sie sich mit ihrem blassen GrĂŒn in den sie umgebenen GrĂ€sern.
Wieder wird die Landstraße gequert zum östlichen Teil, dem Harlingeröder, dem Schlewecker Teil des Langenbergs hoch gewandert. Über die Wiesen fĂŒhrt der Trampelpfad (MotorrĂ€der fahren hier nicht.) An aufgelassenen SteinbrĂŒchen vorbei die, wenn man in die Tiefe blickt, einen natĂŒrlichen Baumwipfelpfad bilden, zur Kuppe, dem Pass mit Holzkreuz, Gipfelbuch und Bank, der dem Bad Harzburger Rundweg einen Aussichts- und Imbissplatz liefert. Schulkinder haben ihn mit einer hĂŒbsch bemalten Steinschlange in Szene gesetzt. Stein liegt bei Stein. Alle mehr oder weniger gekonnt bemalt. Dies kleine bunte hĂŒbsche KunststĂŒck bringt nicht nur dem Betrachter Freude, sondern bestimmt auch kleinen Machern Freude und besonderes glĂŒcklich sein.
Auf dem "Kopf" oberhalb Schleweckes, dort wo frĂŒher unser Osterfeuer brannte, recken sich die gelben StrahlenblĂŒten des WeidenblĂ€ttrigen Alants ins Licht. Werden begleitet von gelben Echtem Labkraut, dem Aufgeblasenem Leinkraut, der FĂ€rber-Scharte. Es folgen Hartriegel- und Schlehenhecken bis sich ein kleiner Durchschlupf öffnet der uns auf die sĂŒdliche Seite des Langenberges bringt. Der  Lieblingsplatz meiner Schulzeit ist erreicht. Es ist eine kleine Mulde oberhalb des aufgegebenen Schlewecker Kalksteinbruchs. Von hier lag und liegt  noch immer das sĂŒdliche Schlewecke, BĂŒndheim, Bad Harzburg, die Berge um Bad Harzburg vor mir. Auch Göttingerode ist zu sehen. Hier trĂ€umte ich in den Tag, vergaß manche mir aufgetragene Arbeit. Betrachtete lieber das kleine Lagerfeuer welches vor mir hinflackerte und trĂ€umte von der mir unbekannten Welt, meiner mir bekannten Heimat. TrĂ€umte, dass unsere Jungen-Jungend-Bande stĂ€rker ist als die von Göttingerode oder Harlingerode. Dachte auch manchmal an mein Unterlassenes und die Reaktion welche meine Faulheit, so nannte man mein Tun zu Hause, hervor brachte. Was soll's ĂŒberlebt habe ich Beides; meine Jugend, meine kleinen Strafen.

27 Wiesen-Flockenblume

28 GlĂŒckssteine

Nach einer nachdenklichen Pause mit dem Blick auf das Heute, mit dem Schweifen der Gedanken in das Vergangene wandern wir weiter.
Weiße Dolden des Berg-Haarstrang begleiten uns jetzt in großer Menge. Die KarthĂ€user Nelke ist seit damals dazu gekommen oder hatte ich nicht bemerkt? Auch die Ästige Graslilie ist ganz neu hier eingezogen. WĂ€hrend der grĂŒne DickkopfkĂ€fer, saugend auf der Flockenblume, sich bestimmt darĂŒber keine Gedanken macht und der Zitronenfalter der von einer KartĂ€user Nelke zu nĂ€chsten fliegt und sich freut sie hier anzutreffen. Er kennt nur die Gegenwart und ist zufrieden mit ihr. So auch mit der gelben BlĂŒte der Wiesen-Platterbse, die er aber links liegen lĂ€sst. Der kleine Wiesenschmarotzer "Klappertopf" hat sich hier unten neben dem Drahtzaun der ehemaligen Schuttkuhle, den zugeschĂŒtteten ErdfĂ€llen der Grube Hansa breitgemacht. Ihre Samen rasseln in ihren BlĂŒtenkapseln als wollten sie sagen: "Nimm mich mit".
Mitnehmen möchte ich am liebsten auch den Abfallberg den Anlieger aus Göttingerode hier Schubkarren weise kompostieren. Sie sind  noch bei der alten Methode der Entsorgung von organischen GartenabfĂ€lle geblieben. Ob das nun am Langenberg verrottend vergeht oder im Garten auf dem Komposthaufen! Das bleibt sich wohl gleich. Wobei der Kompost in manchen GĂ€rten der Anlieger etwas störendes darstellt.  Sie machen sich die MĂŒhe und karren sie in versteckte Stellen der freien Landschaft.
WĂ€hrend der Haufen unter den BĂŒschen in freier Natur dem Vorbeikommenden offen steht. Ob er  sich daran erfreuen, oder Ă€rgern möchte, oder einfach ĂŒbersieht bleibt ihm selbst ĂŒberlassen. Vielleicht findet er ja auch etwas auf dem Haufen, was fĂŒr den eigenen Garten geeignet ist.
Ja, großzĂŒgig in solchen Dingen sind sie schon, die Anlieger des Langenbergs.
Diese GroßzĂŒgigkeit kann man anderen Anliegern an weiteren Wald- und BuschrĂ€ndern unserer Heimat aber auch nicht absprechen.
Es bleibt aber ein schöner Tag den wir auf dem Langenberg erleben durften.
Ein Traumtag, wenn auch diesmal ohne Lagerfeuer.
Das ist schon lange niedergebrannt!
So hat Corona-19 zwar ein fröhliches gemeinsames Fest verhindert, doch wenn ich das heute Gesehene und Erlebte betrachte, trauere ich dem nicht nach.
Stokele gedanklich in der verglĂŒhenden Asche des Lebens; legen noch ein paar Scheite drauf.

Otto Pake