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1 Hofblick

Endlich sind die Zweifel verflogen, fliegt die Gewissheit, es ist die Kornelkirsche, in meinen Kopf.  
Über die steilen Treppenstufen verlassen wie den Kirchenhügel. Betrachten das Ehrenmal, einzelne Grabstelen, die Wuchskraft der bestimmt 200 jährigen starken Linde hart an der umfassenden Stützmauer. Die Kraft ihrer Wurzeln sprengt die Fugen zwischen den Kalksteinen, reißt tiefe Rillen in den Steinverbund. Etwas schelmisch wirkt der kleine angeheftete Plastikstreifen der das Auseinanderdriften der Kirchhofmauer messen soll. Hier fällt es schwer richtig zu handeln. Schade wäre es wenn so eine alte dominierende Linde im Dorf verschwinden würde. Wünsche den Damen und Herren, die über Linde und Mauer entscheiden werden müssen, kluge Gedanken und noch eine bessere Umsetzung derer.  
Verlassen sind die Dorfstraßen, wie schlafend wirkt der Ort. Ein kleiner Pfad den ich schon lange kenne führt hinter dem Friedhof entlang zu einem kleinen eingezäunten wunderbaren kleinen Garten. Dieser verschwiegene Weg ist mir lieb, also führe ich meine Wandertruppe dort entlang. Auf der Hälfte der Strecke schwenkt der Pfad jetzt aber ab und führt auf den Friedhof. Macht nichts, ein Friedhof zeugt vom Charakter des Ortes, seiner Einwohner und der und die sind allemal einem ehrenden Gedanken wehrt. Auf alte aufgegebene verwilderte Gräber treffen wir zuerst. Dann Gepflegte der Neuzeit. An der äußersten nordöstlichen Ecke, ein ganz neues mit Bossensteinen eingefasstes grünes Viereck. Die Ruhestätte der Anonymen, der wie ich sie nenne, der Verscharrten, der Vergessenen. Hier geht, wie meist in den Städten üblich, der Geldbeutel vor dem Angedächtnis. Hier wird die Deutsche Friedhofskultur gleich mit beerdigt. Zeitenwandel! Dafür steht nun ein neuer Zaun am Ausgang des Friedhofs. Da ein Zaun auch ein Tor braucht, ist auch ein Tor eingebaut. Es hat zwei Flügel zum Öffnen. Der eine Flügel trägt ein Schloss und wo ein Schloss ist ist auch ein Schlüssel mit dem man das Tor verschließen kann. So ist es richtig, dass das Tor auch verschlossen wird. So stehen wir nun vor dem Verschlossenen und können den anvisierten Garten vom Friedhof aus betrachten. Machen wir aber nicht lange. Der tolle neue Zaun endet abrupt in der Hecke die den Friedhof nach Westen einheckt. Durch die Hecke führt der Trampelpfad weiter. Wir sind dort wo wir hinwollen. Frühlingshaft hergerichtet warten die Beete auf ihre Einsaat, der Bepflanzung. In der Nördlichen Ecke ein kleines schon blühendes Staudenbeet aus dem der Doronicum, die Gemswurz herrlich gelb herüber leuchtet Ein wundersames Gartenhäuschen macht den Garten vollkommen. Idyllisch zieht der kalk-helle Feldweg sich zur Höhe des "Langer Berg" hinauf. Auf der Kuppe, vor dem noch sachte schwelenden, sonst verloschen Osterfeuer wird Rast-, Essen-, und Trinkpause gemacht. Ein aussichtsreicher Blick auf Halberstadt, den Spiegelsbergen, dem Hoppelberg. Neben uns blühende Adonis, grüne Felder, blühende Hecken. Ein Anruf unser Verlorengegangenen. Ihr Auto ist wieder perfekt, sie auf der Heimfahrt.
Selten wird so eine lange Pause von mir bei den Wanderungen eingelegt. Diesmal bin nicht ich es, der auf ein Weiter drängelt, das kommt von einem der Wanderer. Der ist am Abend schon wieder vergeben. Also werden die Knie wieder gestreckt der Rucksack aufgeschwungen und weiter geht es durch die Felder dem bewaldeten Huy entgegen. Hart hat aus dem Getreidefeld der Einkeimblättrigen, die Pestizidspritze die Zweikeimblättrigen Pflanzen aussortiert. Nur ein paar Widerspenstige, aus der Sicht des Landwirts, sind über geblieben, haben der Spritzbrühe getrotzt. Immer fallen herrliche Worte von Insektenfreundlichkeit und Umweltbewusstsein. Ein fünf, zehn Meter breiter ungespritzter Ackerrandstreifen neben den Feldwegen, würde den Willen, die Einsicht der Landwirte entschiedener dokumentieren als alle Worte!  Einschließlich der Einsaat eines geförderten Blühstreifen, der lediglich mit seinem Blühen der bodenfremden Pflanzenarten vortäuscht, umweltfreundlich zu sein. Noch ruhen in den Böden Samen der natürlich vorkommenden Vegetation. Gebt ihnen ihre Chance und es wird wieder summen und brummen. Rebhuhn, Fasan, Lerche, Hase, Igel und die vielen Anderen halbwegs verloren gegangenen, wieder zurück bringen. Gebt unserer natürlichen Vegetation die durch die intensive Landwirtschaft, dem Erfolgsdruck der Bewirtschafter, in eine Kriese gespritzt wurde ihre Chance zurück! Noch finden wir sie, die Ackerstiefmütterchen, das Ackerhornkraut, die Rote Schuppenmiere, den Erdrauch, die gelben und weißen Blüten der Kreuzblütlerarten, die Wolfsmilch- und der Hahnenfußgewächse mit ihren Sommeradonis, dem Acker-Rittersporn, den Doldenblütlern mit Venuskamm und Sichelmöhre und was sich sonst noch so alles rumtreibt, nur darauf wartet, wachsen zu dürfen!
"Weißt du, dass wir erst 6 km gelaufen sind? Willst du noch zur Huysburg"? Eine, zwei Zwischenfragen. "Können wir, wenn gewünscht. Doch wollen wir uns das antun, aus dieser ruhigen Idylle, vom Gesang der Lerchen, in den Lärm der Ausflügler wechseln"? Wir wollen nicht und so wird der "Kreuzstein" zwischen Stein- und Spechtsberg am Waldrand des Huy, zu unserem östlichsten Wendepunkt. Hier entdecken wir im Gebüsch die erste blühenden Blaurote Steinsame, Frühlings Platterbse, Maiglöckchen mit treiben Knospen. Wundern uns über mit Stecknadeln angeheftete Herzen, Sterne, Buchstaben an Bäumen und Baumstümpfen.

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13 blühender Seidelbast

14 vorjährige Golddistel

15 Cornus mas am Turm von St.Stephani