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1 Zimbelkraut

Gegenüber herrscht das Chaos  von Aleppo. Etwas weiter auf der Gegenseite eine bunte Holzschnitzel-Gartenlandschaft.  Die, wird ein Haus weiter, wiederum noch übertroffen von eingestreuten Nippes-Figuren auf roten Holzschnitzeluntergrund, etwas erhoben in einem Kalksteinmäuerchen neben der Mülltonne. Ein an Zahnschmerz grenzendes Superidyll! Dann ein wunderbar verwilderter Garten. Grüne Blätter der Herbstzeitlose, Kaiserkronen, Narzissen, Tulpen, Tränende Herzen und Bergenien und alles was man sonst im Frühjahr zu finden sucht, dominiert hier.  Ein Garten den die Insekten lieben, während sie in den vorangegangenen Hunger leiden. Bestimmt überfliegen sie diese im Rückenflug um das Elend nicht ansehen zu müssen.

Auf meiner Vorwanderung mit Rita, schlenderten wir durch den alten Ort. Schauten über manche Mauer in die verdeckten Gärten von Sargstedt. Sind beeindruckt von den alten Mauern, der liebevollen, manchmal heimlichen Gestaltungen der Anwesen. Eine alte Dame mit einem Messer in der Hand kratzt traumverloren in der Mittagssonne an einer alten Mauer ihres Grundstücks herum. Entfernt mit inniger Lust den Bewuchs von Mauerraute und Zimbelkraut. Schmerz durchzieht mein Herz. So etwas Hübsches, das Flair alter Mauern, entfernen zu müssen, begreife ich nicht. "Warum machen sie bitte so etwas" spreche ich sie an. "Das scheiß Unkraut macht mir doch die Mauer kaputt. Darum muss das weg". "Meinen sie das wirklich"? "Ich weiß das", ihre Antwort. Bedröppelt ziehen ich weiter. Rita lächelt spröde.
Die mächtigen Linden auf der Kirchenmauer, die selbst ohne Blätter die Kirche St. Stephani, von hier unten kommend verdecken, lassen meinen Frust vergessen. So gewaltige Bäume auf einem  mauerumfassenden Hügel. Etwas modernisierte Steinstufen führen zur Kirchentür. Beim Suchen einer perfekten Kirchturmaufnahme wandere ich entlang der Kirchenmauer, vorbei an mächtigen Eiben, finde "meinen Blick" zum Kirchturm. Ein links davor stehendes Kriegerdenkmal kommt mit aufs Bild. Ebenso der, hier grün gestrichene, in Arbeit befindliche Stakettenzaun. Die Pforte zur Kirche, nun ebenerdig mit der Dorfstraße, wird von einem keifenden Mops bewacht. Sein schrilles Gekläff aus seiner stumpfen Schnauze lockt seine Besitzerin hervor. Die schnappt sich das kleine Ungetüm, trägt den Widerspenstigen ohne weitere Worte in den Hof. Nach dem Öffnen der Pforte werden wir viel freundlicher, mit Kanarienvogelgesang, begrüßt.
Über den Zaun des keifendes Mopses winken uns die Blütenrispen des Tränenden Herzens zu. Ein kleiner Baum vor dem Kirchenfenster macht es mir schwer. Er ist über und über besetzt mit stachligen verblühten Blüten. Noch nie gesehen so ein kleines Bäumchen und mir doch irgendwie bekannt. Ich breche einen Triebchen ab. Frage den ankommenden Eiermann, der Eier vom "Mopshof" ins Auto packt: "Bitte, wissen sie was das für ein Baum ist"?  "Weiß ich nicht. Bestimmt die Gerda" und zeigt auf die eben verschwundene Mopsbesitzerin. Der Eiermann geht zu ihr. Die weiß es aber auch auch nicht. "Der Opa weiß das". Der Opa wird gesucht. Wir warten. Leider weiß Opa das auch nicht. So demmeln wir beide, weiterhin ahnungslos, davon. Weit in meinen hintersten, dunklen  Gehirnwindungen,  die sich mir einfach nicht öffnen wollen, da lauert die Lösung. Ich kenne dich!

Zu diesem Baum an der Kirche St. Stephani steht mein Sinn, mein nächstes Ziel. Es wird, es muss sich um die Kornelkirsche / Cornus mas handeln. Jetzt werden die Blätter größer sein. Bestimmt werde ich die Lösung finden. So wandern wir gemeinsam, fast wie zufällig zur Kirche St. Stephani. Kein Mops kläfft. Die Kanarienvögel singen, das Tränende Herz winkt wie letztens, die sich entwickelnden Blätter des Unbekannten nur bedeutungslos größer. Niemand unserer Gruppe kennt ihn. Nur: "Wenn du den nicht kennst"! Orgelmusik schallt aus der Kirche. Die Kirchtür öffnet sich. Der Pastor mit einer alten Dame drängeln nach draußen. "Möchten sie die Kirche besuchen" schallt es aus dem Mund der alten Dame. "Bestimmt. Kommen sie ruhig herein und schauen sich alles an. Bitte". Schon hat sich unser Schwarm in der Kirche verteilt. Die alte Dame mich sozusagen bei der Hand genommen. "Hier sehen sie unsere neue Küche. Die ist erst Heute fertig geworden. Nun, dass sehen sie ja, ist unser kirchlicher Feierabendraum perfekt. Sehen sie, wir haben hier, (sie hat mich hinter die gläserne Wand gezogen die den Kirchenraum teilt,) uns einen Versammlungsraum, der im Dorfe fehlt, eingerichtet. Alles ist wunderbar geworden oder etwa nicht. Wir haben einfach die letzten Kirchenbänke heraus genommen und so unseren abgeschlossenen Raum erhalten.Gefällt es ihnen"? Was soll man da antworten. Schön ist die Kirche wirklich, ob nun mit oder ohne Glaswand. Es wird fotografiert, mit dem Pastor, der als Aushilfe eingesprungen ist getratscht, die Orgel, deren Pfeifen in einem geschnitzten Holzkasten verborgen sind, bewundert. Der ganze Trubel, den wir hier unten im Kirchenschiff veranstalten, wird von der Organistin einfach übertönt. Unbeeindruckt lässt sie die Orgelpfeifen erklingen, begleitet mit ihrem Spiel unsere Gespräche. Händeschütteln beim Abschied der Ruf des Pastors hoch zur Organistin: "Bin gleich bei ihnen". Die alte Dame, immer noch an meiner Seite, die muss es wissen. Frage: "Bitte was für ein Baum steht vor dem Fenster ihrer Kirchen-Küche, dem Versammlungsraum"? "Ich wußte es schon einmal. Die Hilde weiß es genau, sie ist heute leider nicht da. Er blüht ganz zeitig, trägt zum Herbst längliche, essbare säuerliche rote Früchte mit einem Kern. Der Name ist mir aber entfallen".

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12 im dichten Reigen am Zweig

13 vor St. Stephani / Sargstedt

14 Kanzel über dem Altar

15 Orgel über der Küche

16 Ehrenmal

17 trauernder Engel