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2 Sterbende Fichten

3 verdecken Felsen,

4 den Boden

5 mit ihren rieselnden Nadeln.

6 eine BlĂŒtenknospe

7 der Acker-GĂ€nsedistel.

8 Kleine Klette

9 Hinterlassenschaften

10 Hermannsklippe

Seite 2 

1 Weiter zur Hermannsklippe

 Rechts hat der BorkenkĂ€fer, selbst in den vergleichsweise jungen Fichtenbestand schon zugeschlagen. Statt grĂŒner Fichtennadeln, braunes Gestackele nadelloser Fichtenzweige. Doch die WegrĂ€nder grĂŒnen, blĂŒhen. Insekten summen und flattern. Disteln fruchten, lassen ihren Pappus im Winde fliegen, Haingreiskraut, letzte DistelblĂŒten. Die paar StĂ€ngel des Wasserdost im feuchtem Graben, sind voller Pfauenaugen, Admiralen, Distelfaltern, einem C-Falter: Ein paar Kleine FĂŒchse tummeln sich auch dazwischen. Sie machen sich in diesem Jahr etwas rar, so wie auch der Kaisermantel. Wenigsten auf dieser Höhe des Harzes und heute.
Kurze Pause an der Stempelstelle "Stempels-Buche". Der Stempel der Harzer- Wander-Nadel ist vorhanden; doch die Buche, die dem Platz den Namen gab ist verschwunden. WĂ€hrend ich mir ein paar eingefangene Kieselsteine aus dem Schuh kippe, wird der Wegweiser des NP betrachtet. Meuterei beim Weiter ist die Folge. "Warum rennst du denn noch weiter bergauf zur Hermannsklippe , wir können doch ohne weitere Steigung zur Pausenstation Scharfenstein laufen"! Nichts erwidere ich diesem Nörgeln. Hermannsklippe ist angesagt, also wird die Hermannsklippe auch angewandert. Schweigend ziehe ich voran. Keiner bleibt zurĂŒck und das Meckern ist Vergangenheit als wir einen frischen Nadelteppich unter den Schuhsohlen bekommen und die uns begleitenden Fichten immer lichter und brauner werden. Oft ist die Vegetation im dunklen Fichtenwald ja verdammt schĂŒtter, nur die Randbereiche mit krautigem GrĂŒn bewachsen. Aber hier ist der Fichtenwald hell, voller Licht und trotzdem ohne grĂŒnen Unterwuchs. Jegliches GrĂŒn ist zugerieselt, verdeckt, ja verschĂŒttet von den abgefallenen Nadeln. Alle umherliegenden Granitbrocken, große wie kleine abgedeckt, die allerkleinsten Steine ĂŒbergangslos verschwunden. Moospartien nur noch an den senkrecht abfallenden Kanten der Blöcke sichtbar, sonst alles, aber wirklich auch alles, unter dem rotbraunen bis grĂŒnlichem Fichtennadel-Spreu verschwunden, zugedeckt. Ein beklemmender Totentanz. Ein trauriges Spiel  ohne Bewegung. Doch fĂŒr unser Auge schleichend unsichtbar nehmen immer mehr, immer  weitere Fichten daran teil.  Es ist als ob die Wandertruppe, um diesem Chaos zu entkommen, ungewollt einen Schritt zulegt denn als ich auf die BreitblĂ€ttrige Stendelwurz, das Ruhrkraut, dem Herbstlöwenzahn der ĂŒberall am Wegrand seine kleinen KorbblĂŒten zeigt, dazwischen eine niedergedrĂŒckte große gelbe, der hier gar nicht ĂŒblich vorkommenden  Acker-GĂ€nsedistel am Wegrand hinweise, steht die SchnelllĂ€ufertruppe, schon auf uns wartend, an der Hermannsklippe. Viele RĂ€tsel hat mir die große gelbe, aufgehende Knospe der Acker-GĂ€nsedistel schon aufgegeben. Ich konnte mit  ihrem jugendlichen, mit hunderten von kleinen gelblichen Haarspitzen bewachsenen Erscheinungsbild ĂŒberhaupt nichts anfangen. Auch meine Anfragen beim Nationalpark-Ranger und  einer versierten Botanikerin brachten keine Erkenntnisse wo die gelbe aufgehende Knospe einzuordnen ist. Versuchte mich bei den HabichtskrĂ€uern, dem Pippau, dem Lattich und anderen gelben KorbblĂŒtlern. Auf die Idee, es könnte sich um eine Art der GĂ€nsedisteln handeln, die ich ja kenne, kam ich nicht! Erst als ich zweifelnd an meiner Suchkunst das Buch, die BĂŒcher zur Seite legte, las ich unter Acker-GĂ€nsedistel:
"BlĂŒtenstand bis 5cm, goldgelb, drĂŒsenhaarig, in lockerer endstĂ€ndiger Doldenrispe. VII- IX." Da fiel der Groschen. Hat mich ganz schön genarrt, die Acker-GĂ€nsedistel, wĂ€chst sie in der Regel dort wo sie ihren Namen her hat, außerdem  an Ufern, DĂŒnen und Unkrautfluren; von Harzer-FichtenwĂ€ldern auf 800 m Seehöhe ist nicht die Rede!  Wild liegen die mit SchĂŒssel-Flechten ĂŒberzogenen Granitblöcke der Hermannsklippe ĂŒbereinander. Ein kleiner Pfad schlĂ€ngelt sich zur Aussicht. Die ist voller Rastender die ĂŒber einen schmalen Streifen abgestorbener, einen weiteren noch im grĂŒnen Gewand stehender Fichten ins nördliche Harzer Vorland schauen wollen. Das liegt aber unter dunklen Wolkenstreifen die mich schnell zum Weiter drĂ€ngeln, sind doch Gewitter mit Sturmböen und ergiebige Regenschauer angesagt. Bald stoßen wir auf den Hirtenstieg, auf dem man aufsteigend, in ca. 3,5km  zum Brocken kommt, wir absteigend in 1,5 km die Klause des NP am Scharfenstein erreichen. Der bisherige Straßenschotter endet. Auf dem Hirtenstieg liegen noch, auf RĂŒbelĂ€nder Kalkschotter gebettet, die mit lĂ€nglichen Löchern versehenen DDR-Betonplatten. Stiefelkappenkiller nenne ich sie; da die angeklebten Stiefel-Stoßkappen der Wanderstiefel beim Verklemmen im rauen vierkantigem Loch, schnell verloren gehen. Die Löcher zeigen noch etwas Besonderes. Sie sind zu kleinen GĂ€rtchen geworden. Betrachtet man sie nĂ€her und schließt ein wenig vertrĂ€umt die Augen saust der Burren NP  in Irland durch die Gedanken. Der hat in seinen verwitterten Kalkfelsen ebensolche, nur noch viel vegetationsreichere kleine GĂ€rten in seinen felsigen Kuhlen, Senken  und Löchern. Aber die GĂ€rten der Betonplatten haben auch etwas Sehenswertes, nur beachten muss sie halt. So auch die Vegetation neben den Betonplatten. Hier findet sich Schafgarbe, Ochsenzunge, BĂ€renklau, Zahntrost, das WintergrĂŒn, der schon erwĂ€hnte Augentrost, der FĂ€rber-Wau, der zum GĂ€nsebraten gehörende Beifuß, das Scharfe-, das Kanadische Berufskraut, das Ruhrkraut und noch vieles mehr.


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