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2 Efeu-Lichtblatt

3 Lichtspiele auf Weißdornblatt

4 Theresien Ruh 1858

5 Liebeserklärung

6 Schattenvögel-Schweifsterne

7 Florfliege

8 Ananasgalle an Eiche

9 Espen

10 Butterberg-, Bienen-Ragwurzwiese

11 Bad Harzburg

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Bestimmen so das Bild der Buchenst√§mme. Nicht umsonst hei√üt die Buche Buche. Man kann lesen an ihr und wer ihr zu h√∂ren will dem tut sie den Gefallen und  erz√§hlt etwas aus ihrem langen Leben. Was sie ber√ľhrt, was sie gesehen, was sie erlebt hat. Manchmal jedoch wird auch nachgeholfen. Schnitzereien wie: "Low Karola", was ja eindeutig ist, auch eingeritzte Herzen oder nur die ersten Buchstaben der Namen zeigen Sehns√ľchte und Verlangen, Tr√§ume. Doch auch Malereien wie "Theresien Ruh 1858" sind zu finden. Da trauert bestimmt jemand dem vollbr√ľstigen Bild der Kaiserin Maria Theresia das die Vorderseite ihres "Talers"  ziert oder seiner "Au√üerdienststellung"  am 1.11.1858 nach. Wie auch immer. Auf jeden Fall zieht jemand den wei√üen, alten Schriftzug an der krummen Rotbuche, mit dem Pfeil nach links, immer wieder nach. Die kleine Banknische am Hang, s√ľdlich der beschrifteten Buche, unterhalb des Felsriegels, ist zugewachsen. Ohne Blick auf Harzburg und Harzberge wird sie weiterhin auf eine neue Bank, auf Wiederbelebung warten, m√ľssen.

Um diese f√ľr das Gr√ľn der Bl√§tter zu erreichen ist es viel zu sp√§t. Die Hitze,die Sommertrockenheit, hat sie hingerafft und die D√ľrre ist noch nicht vorbei. Statt sich farbig vom Sommer zu verabschieden rollen sich viele Bl√§tter vertrocknend zusammen, verblasst ihr Gr√ľn zu braunen, grauen T√∂nen. Doch dem Efeu macht das alles nichts. Er erklimmt die St√§mme, h√ľllt sie ein, bl√ľht mit duftenden, unscheinbaren Bl√ľten in luftiger H√∂he. Lockt die letzten Bienen und Wespen mit seiner S√ľ√üe. Sonnenstrahlen verzerren den Schatten seiner Bl√§tter auf dem Buchenstamm zu Schweifsternen. Eine Florfliege ruht auf einer Segelfrucht der Hainbuche, w√§rmt ihren gr√ľnen Leib, ihre durchsichtigen Fl√ľgel. Rot sind die Bl√§tter des Hartriegel. Seine an roten Fruchtst√§ngeln h√§ngenden runden  schwarzen Fr√ľchte wechseln, schrumpelig werdend, ins Rosa. Die Ananasgallen der Traubeneiche sehen nun aus wie abgewetzte braune B√ľrsten. Goldgelb am langen Blattstiel wippen unruhig die Espenbl√§tter. Graue, zerrissen Wolken schieben sich vor die Sonne. Wo eben noch niedlich die Sonne √ľber Harzburg spielte, nun tiefer Schatten. D√ľster und schwarz die Fichtenk√§mme der Berge. Kommt endlich der ausgebliebene Regen?

Das Kreuz des Deutschen Ostens auf der Uhlenklippe pl√∂tzlich wieder im Licht. Hoch, weit weg √ľber dem noch blutrotem Laub der Blutbuche am Goetheweg, zeigt es seine filigrane Gr√∂√üe. Die braunen Eicheln der Stieleiche h√§ngen schwer an ihrem langen Fruchtstiel, gl√§nzen hellbraun spiegelnd zwischen den kurzgestielten gr√ľnen Bl√§ttern. Gleich daneben sonnt sich eine graugr√ľne Blattwanze, macht eine Saugpause. Leider haben die Hornissen in der Spechth√∂hle am Weg ein trauriges Ende gefunden. Ein Vor√ľbergehender hat ihr Nest zerst√∂rt. Ihr Gebrumm beim Anflug an das zerst√∂rte Nest klingt traurig. Vorbei ihre Sommer Fr√∂hlichkeit! Vielleicht vergessen sie diese Misshandlung, sind ihre gesammelten Vorr√§te f√ľr die √úberwinterung ihrer K√∂nigin noch ausreichend, sodass sie im n√§chstem Jahr wieder von hier ausschw√§rmen, sich auf Wespenjagd, ihrer Hauptbeute, machen k√∂nnen. Uns so einen Teil der stechenden "Ritter des Sommers" von Tisch, Teller und Glas nehmen. Gleich neben der Hornissenh√∂hle zieht sich eine starke Baumwurzel √ľber die Kalksandsteine. Zwei alte Wunden in ihrer Rinde versucht sie mit einem Kambiumring wieder zu schlie√üen, zu √ľberwallen. Wie ein Fabelwesen mit Brille √ľberwacht sie das Geschehen auf dem Kammweg. Beobachtet unbemerkt Spazierg√§nger, Radfahrer, Wanderer, Hundeausf√ľhrer, registriert ihre Hinterlassenschaften. 

Von meinem anf√§nglichem Fr√∂steln ist nichts √ľbrig geblieben, bin richtig warm geworden unter meiner Weste. Der Gedanke einer Ruhepause in der H√§ngematte dr√§ngt sich auf. 

Doch der Himmel spielt pl√∂tzlich nicht mehr mit. Die Sonne, verschwunden hinter grauen Wolken, der kalte nordische Windzug der √ľber die H√∂he zieht k√ľhlt mich und meinen Gedanken. Der Sommer verneigt sich vor dem Herbst. Er ist es der jetzt das Sagen √ľbernimmt. Ein langer sonniger, warmer Sommer der kein Regenschauer zu lie√ü, nimmt seinen kurzen Abschied.

Folgt einem kurzen Herbst ein langer Winter? Es steht nicht in den Sternen und niemand kann es im Voraus verl√§sslich sagen.  Auch ich wei√ü nicht ob mir die sehende, beobachtende Wurzel die Geheimnisse des Kammwegs wirklich erz√§hlen wird. Aber ihr zuh√∂ren was sie zu sagen hat, das w√ľrde ich, ohne Zwischenfragen zu stellen, schon sehr gerne. 

Otto Pake

12 Kreuz des Deutschen Ostens

13 Graugr√ľne Blattwanze

14 Eschenbrille am Wegrand

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