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2 im Heimischen Bruch

3 Binsen + Gatter

4 Schneewolken

5 Doldenhauben

6 Kreuzblättrige Wolfsmilch

7 Stechapfel

8 Rabenkrähen

9 Treckergaudi

10 Butterberg

11 Begrüßung

Winterspaziergang.... im Heinischen Bruch 

1 Weymouthskifern

2018.02.04.
Nordöstlich des Butterbergs schiebt sich ein kleines Wäldchen in die Feldmark. Es ist ein ziemlich sumpfiges Gelände, das nach Westen vom Kattenbach begrenzt wird. Kleine, künstlich geschaffene Entwässerungsgräben münden in den Lehmgrundsgraben, der das Heinische Bruch quasi in zwei Hälften teilt. Kattenbach und Lehmgrundsgraben ergeben, vor Bettingerode, die Schamlah. Die bringt Lochtum, wenn Frühjahrshochwasser oder Gewittergüsse die Schamlah anschwellen lassen, schnell in Bedrängnis. Mancher Keller, mancher Hof wird zum Schaden und Ärger der Anwohner, dann geflutet. Nun hat die Landesforst den Heinischen Bruch zu einem Kompensationsflächenpool ausgewiesen. Der standortferne Fichtenwald, die Weymouthskiefern, sollen verschwinden, die Entwässerung des Bruches weitgehend gestoppt werden. Das frühere Feuchtwaldgebiet soll wieder neu entstehen. Naturnaher Eichenmischwald mit Erle und Esche, mit Stillgewässern, die  den schnellen Abfluss der Hochwasser von Kattenbach und Lehmgrundsgraben in die Schamlah verzögern und somit Lochtum vor plötzlichen Hochwasser schützt, ist sind geplant.
Kräftig wird schon gewerkelt. Fichtenwald endet als Kahlschlag. Die Weymouthskiefern mir großer Sorgfalt einzeln nach Bedarf entnommen. Eichen und ihre Begleiter gepflanzt und eingegattert. Ein "Bruch-Urwald der Vergangenheit" in Neugestaltung.

Jetzt im Februar, hat  der Schnee die geschlagenen Wunden zugedeckt. Jetzt schmerzt, belastet  die Umgestaltung nicht so sehr Herz und Seele. Jetzt ist es interessant das Wirken und Werden zu betrachten.
Mächtig stolz und stark erheben, schieben  sich die vereinzelt, stehengebliebenen Weymouthsstämme in den weißblauen Winterhimmel. Ihre gefällten Brüder liegen zu Poldern und als Einzelstücke gelagert zum Verkauf am Wege. In den Gräben drücken sich grüne Binsen durch die weiße Schneedecke. Die weiß beschneiten Gatterhölzer die die Neupflanzungen vor Wildverbiss schützen geben etwas heimeliges, schützendes. Winterwind treibt Schneekristalle auf den geraden Forstwegen vor uns her. Auf den angrenzenden Feldern formen sie sich zu auf und ab ziehenden, wogenden Schneegestöberschleiern, die hinter den Feldgehölzen sich nieder legen, zu Wehen aufbauen. Darüber das grau-weiße Wolkenspiel eines blauen Winterhimmel. Über den Wäldern, den Bergen des Harzes verstreuen sie in Streifen ihre weißen Last und wenn Sonnenstrahlen diese Szenerie  ins Licht setzen ist der Winterhimmel vollkommen. Auf den trockenen Dolden der vorjährigen Wilden Möhre wahre Kunstwerke aus glitzernden Schneekristallen. Die Kreuzblättrige Wolfsmilch auf einem Kompost eines Landwirtes macht es ihr nach, hat sich einen weißen Schal über die Schulter gelegt. Die vielen rundlichen stacheligen Fruchtschalen des großen, prächtigen Stechapfel der daneben steht, schweben wie eine weiße mützentragende, lustige Gesellschaft durch die Feldmark. Selbst die Rabenkrähen genießen, in Gemeinschaft versammelt, auf hoher Baumwarte sitzend den Tag. Als wir näher kommen verlassen sie schimpfend über diese Störung ihren Versammlungsplatz. Mit traurigem Flügelschlag verteilen sie sich auf der weißen Fläche der Felder, auf den Bäumen des Heinischen Bruchs, des Butterbergs. Von dort her schallen Stimmen herüber. Eine Schlittenpartie ist im vollem Gange. Zwei alte Trecker mit angehängten Schlitten voller Kinder mit ihren Eltern zuckeln zur Rodelwiese. Zu schwer die Last, die da an einem Strick hängend über Schnee, Stock und Steine gezogen wird. Der Strick reißt, bringt den Schlittenzug zum Stehen. Die abgerissene Meute zetert, schreit hinter dem in Schal und Mütze eingemummelten gehörlosen Treckerfahrer her. Der tuckert selbstvergessen hinter dem Vorausfahrenden her, bemerkt die verloren gegangenen gar nicht. Erst die vorausfahrenden Schlittenfahrer des ersten Treckers stoppen ihn und bringen ihn zur Umkehr um die Verlohrengegangenen wieder anzuknoten. Doch der Strick will einfach nicht mehr halten. Selbstbewegung ist angesagt.
Über den Butterbergkamm schieben sich graue Wolken, deuten an dass die sonnige Mittagszeit vorüber ist. Der Schnee leicht angetaut, bildet kleine schattenwerfende Hügel auf Wiese und Feld. Die Bäume auf dem Kammweg des Butterbergs haben ihre Schneelast abgeworfen. Nur auf den stärksten Ästen halten sich noch Schneereste. Der Rodelhang, jetzt im Schatten, hat schon einen Teil seiner Rodler eingebüßt. Nur noch wenige steuern ihren Schlitten zu Tal. Die Lust am Hochziehen des Schlitten hat nachgelassen, nur wenige der Eltern wollen dies übernehmen. Die Kälte klettert den Untätigen die Beine hoch. Die warme Bude lockt zum Heimweg.
Zwei glückliche Mittagsstunden bei Sonnenschein im Februarschnee sind wie im Flug vergangen.  

Otto Pake

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