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1 Zur Kahnsteinsiedlung

In groĂźer Zahl stehen noch die abgeblĂĽhten BlĂĽtenstände von Wilder Möhre, vom Rainfarn, die Ă„hren der Gräser auf den trockenen HĂĽgeln, den Hängen, des Kahnsteins.  Breite, eingedrĂĽckte Reifenspuren eines Treckers der einen Mähbalken durch eine Talsole gezogen hat, seine Tätigkeit aber gleich wieder einstellte, zeugen von begonnenen  Landschaftspflegearbeiten der Gemeinde, des Kreises? Eine "FrĂĽhlingsschau" wird mir zeigen ob nur der Wille zur Pflege, oder sie tatsächlich betrieben wird. In der Siedlung "Auf dem Kahnstein" weiden Pferde auf den weiten Wiesen. Manche von ihnen haben es gut getroffen, fressen das letzte GrĂĽn was der Winter noch bietet. Andere haben es nicht so gut, stehen traurig mit gesenkten Köpfen im Schlamm  ihrer zertrampelter Weide. Fast alle Pferde haben Decken umgehängt bekommen, stehen bewegungslos mit hängenden Köpfen im auffrischendem Winde.  Wir wandern jetzt auf dem Königsweg, der in BrĂĽggen beginnt, in Schladen auf der Pfalz-Werla endet. Nur ab an an weist noch ein Wegzeichen den Weg. Vor allem an Abzweigen muss man raten wo es weitergeht. Es wird Zeit das die Verantwortlichen sich auf dem Weg machen und die Zeichen ersetzen! Mit einem Wanderfreund bin ich die Strecke schon einmal in drei Tagen abgewandert, daher sind die fehlenden Wanderzeichen fĂĽr uns kein Problem. Wir verpassen nicht den Abzweig zum Seetz, dem kleinem Wäldchen hinter der Siedlung. Der Weg an der Westseite des Wäldchens ist nur an einer alten, zugewachsenen Fahrspur zu erkennen. Hunde bellen hinter uns her. Dort wo der Grasweg rechts abbiegt, kurz durch das Wäldchen fĂĽhrt, versperrt ein dickes Drahtseil den Durchgang. Bunte, verblasste Plastikkanister sollen wohl Radfahrer oder sonstige Fahrzeuge vor diesem gefährlichen Hindernis warnen. FĂĽr uns FuĂźgänger ist das alles kein Problem, entweder wird sich gebĂĽckt, oder man macht drei Schritte mehr durch prickelnde WeiĂźdornzweige und erreicht den Weiterweg. Der kleine Bach der den nördlichen Seetz begrenzt fĂĽhrt kräftig Wasser. Sein Lauf ist von den Juli Regenfällen frei gewaschen. Nicht ein Blättchen, kein Zweiglein, kein Faulschlamm, kein grĂĽner Bewuchs oder was man sonst noch im Bache finden kann, ist zu sehen. Blank gescheuert seine  Mergelufer. Der Feldweg ist zerfahren. Matschberge tĂĽrmen sich, dicke, abgesägte Eschenstämme liegen am Randstreifen, warten auf ihre Verwendung. PfĂĽtzen in den Fahrspuren werden umgangen, ĂĽbersprungen. Erst auf der Geraden vor Jerstedt ist der Feldweg wieder einer. Galloways auf der Wiese am Ort. Sie betrachten uns mit dunklen Augen, ihren Kopf mit den bedrohlich wirkenden Hörnern gesenkt, bewegungslos von ihrer Weide, an der Futterraufe stehend. Im Ort ist Pause im Kindergarten. Als die spielende Bande uns so mit Rucksack und Wanderstock entdeckt, halten sie im Tollen inne. Betrachten uns mit wachen Augen, winken uns zu, fragen:
"Wo wollt ihr denn hin"? "Nach Harzburg". "Ach so. Das kennen wir nicht. Ist das weit?" "Ein wenig". Ein Winken und schon sind wir passee. Auch der Jerstedter Bach ist voll. Die bronzene Wasserträgerin an seinem Ufer passt. Macht eine gute Figur. Das frĂĽhere Wasser holen ist Vergangenheit. Jetzt hängt in jedem Haus ein Hahn. Nur ein sanftes drehen bringt das kĂĽhle Nass in den Topf. Das ist weniger anstrengend fĂĽr die Damen. Statt Wasser holen geht es jetzt zum Jogging, in die Muckibude, denn irgendwie muss der Leib ja in Form gebracht werden. Was damals kostenlos war, wird heute mit Euro erkauft. Eine Bank mit Aussicht am SĂĽdhees. Horst greift zur Wasserflasche. Ich fummele mit meinen Stecken einen im WeiĂźdornbusch hängenden schwarzen Plastikbeutel hervor, lege ihn zur stillen Mahnung und Gedenken, sichtbar in die Mitte des Weges. Der freundliche Hundehalter hat zwar die Hinterlassenschaft seines Hundes eingesammelt, eingetĂĽtet, dann aber den Dreck im belaubten Gezweig des WeiĂźdorn entsorgt. Der im Wind flatternde GefĂĽllte bringt dem Bankbesucher nun keine anregende Freude mehr. Die bald auftauchende Hahndorfer Kirche wird bewundert. Der Schalmei  blasende Engel auf dem östlichen Giebel lockt tonlos zum Besuch. Wir eilen an der Vielgeschichtlichen im Wanderschritt, unter den Augen von misstrauisch uns betrachtenden Anwohnern, vorbei.

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