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1 alte Orientierungshilfe

Die hinterliegenden Harzer Berge im nebligen Dunst. Werde unterhalten vom plapperndem Gesang der Mönchgrasmücke. Stelle mir die geschundene Landschaft zur Zeit des Kupferbergbaus vor. Braune, nackte, nur von Birken bewachsene allgegenwärtige Halden hier oben bringen mich in diese vergangene Zeit! Was müssen diese Menschen geschuftet haben, in und über der Erde! Konnten sie, so wie ich, dem Gesang der Mönchgrasmücke lauschen, sich daran erfreuen? Hatten sie nach der Arbeit noch Sinn für dieses doch eigentlich sorgloses, nur erfreuendes Tun? Gedanken wie der Himmel über mir! Feucht, grau, undurchsichtig, nicht dem Frühling entsprechend. Morgen wird es wieder besser, mein herbeigesehnter Trost.
Ein mit Schildern schwerbefrachteter Wanderpfahl. Nach Grillenberg noch 5 km steht darauf. Bin ein bisschen erschrocken, noch einmal eine gute Stunde und dann noch keine Unterkunft! Wird schon, tröste ich mich selbst. Schwer, duster, hängen die Wolken über der grünen Landschaft. Auf der Höhe zieht der Weg über Wiesen und Weiden hin. Erst kurz vor der Klippmühle in Grillenberg die ersten Entgegenkommenden. Der Hund wird spazieren geführt. "Bitte, können sie mir sagen wo ich eine Übernachtung finde"? "Gleich hier vorne, sie müssen die Treppe runter, da ist die erste Möglichkeit und dann noch ganz am Ende von Grillenberg im Berghotel, sonst kenne ich nichts". "Danke, ist das noch weit"? "Nein gleich hinter der Gonna, links der Straße". Links der Straße hat geschlossen mit dem Zusatzschild. -Zimmer belegt-. Ein Herr schleppt seinen Rasenschnitt verpackt im grünen Riesensack zur Straße. "Wo wollen sie denn noch hin" spricht er mich an. "Suche ein Hotel".
"Ist noch ein ganz schöner Weg bis da oben, beim Schwimmbad geht eine Treppe hoch, da brauchen sie die lange Kurve nicht zu laufen" gibt er mir mit auf dem Weg. Es zieht ich hin das Grillenberg. Die Lichter brennen hoch über mir im Harzer Erlebnishof, dem Berghotel über Grillenberg. Der Nachmittagswind hat mich so halbwegs wieder trocken gepustet. Die tröpfelnde Nässe ist vorüber gezogen. Der Tresen im Erlebnishof ist nicht besetzt. Warte auf jemanden dem ich meinen Wunsch um ein Zimmer für die Nacht vortragen kann. Eine Kellnerin bedient den einzigen mit acht Personen besetzten Tisch. Lässt mich in ihrer Geschäftigkeit links liegen.
Dann ist sie doch so freundlich kommt auf mich zu. Mustert mich sorgfältig. "Was ist denn das für ein Vogel" steht ihr quasi im Gesicht geschrieben. "Bitte ein Zimmer für die Nacht. Kann ich noch ein Abendessen bekommen?". Mit einem nochmaligem aufmerksamen Mustern, mich von oben bis unten skeptisch betrachtendem Blick: "Muss ich nachschauen" verschwindet sie. Das übliche Spiel beginnt.  Ich bekomme auch mein Zimmer. 51,- Euro plus 0,50 Cent Kurtaxe werden verlangt. Werden sofort fällig!
"Wie lange ist die Küche auf" will ich noch wissen. "Noch eine Stunde", antwortet sie freundlich. "Mache mich nur ein wenig frisch, dann bin ich wieder da". "Gern", das seit langem gebrauchte freundliche Wort der Gastronomie. Die unsichere Freundliche kommt mit mir, zeigt mir mein Zimmer. Im Zimmer wird noch die zweite Bettdecke abgenommen, im Kleiderschrank verstaut. "Muss ich machen, sie haben ja ein Einzelzimmer". Sie verschwindet. Ich schaue in den Spiegel. Bin ich das der da heraus schaut? Das Brombeergestrüpp vor Siebigerode hat Spuren hinterlassen. Eine angetrocknete Blutspur zieht sich vom rechten Wangenknochen nach unten, macht eine kleine Kurve, um sich hinter dem Kinn zu verstecken. Da verliert sie sich, teilt sich in verschiedene Wischspuren auf. Am Hemdkragen ein schmaler schwärzlicher, am Hals ein heller sauber gescheuerter Streifen!  
Ein Anblick zum Fürchten, wenigstens ein wenig! Wasche mein Gesicht. Der Hals wird auch nicht vergessen. Wechsle meine Klamotten. Setze mich unten an einem der Tische in der überdachten Aussichtsterrasse. Bin der einzige Gast.
Die achter Truppe steigt draußen in ihre Autos. Die Freundliche hat ihre Skepsis verloren. Ein herzliches Lächeln bestimmt nun ihre Gesichtszüge. Sie bedient mich freundlich.
"Bitte ein kleines Bier und ein Schnitzel mit Spargel". "Gern"
Es bleibt bei dem einen Schnitzel. Nicht aber bei den einem kleinen Biere. Kein weiter Gast taucht auf. Fühle mich ein wenig verloren in dem großen Raum der Terrasse. Bald hocke ich vor der Kiste, nicht ohne mir noch ein halbes, ein großes Bier mit aufs Zimmer genommen zu haben.
Der Fußball flimmert über den Schirm. Hin und her wird der Ball geschoben. Zwei spanische Mannschaften spielen gegen einander. Wer ist wer muss ich erst einmal einordnen. Als die Mannschaft des Superstars in Führung geht, der berühmte Spieler sein Tor schießt, verliere ich die Lust am Spiel. Mein Glas ist leer, ausgetrunken mein Bier. Die Müdigkeit zieht durch die Glieder. Der Schlaf gibt mir einen süßen Traum von besserem Wetter, nimmt mir den vom Regen, dem kalten Winde, aufgestauten Druck von der Seele.
"Glück auf".

Otto Pake

12 unter dunklen

13 Wolken in herrlich

14 grüner Landschaft

15 durch lichte Wälder

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