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1 Das Planteurhaus

Kein Hinweis auf eine Unterkunft in der Stadt. Frage ein älteres Paar wo ich unterkommen könnte. "Hier unten in der Stadt gibt es nur eine Pension, da können sie nachfragen. Aber ob die offen hat ist fraglich. Hinter der Kirche so ein blau-grünes Haus neben der Hauptstraße. Finden sie. Sonst oben auf dem Berg, im Waldhaus. Das ist super. Da aber bestimmt". So stehe ich ein wenig bedröppelt am Saigertor in Hettstedt umher. Mache mich gleich weiter auf die Suche die Pension zu finden. Am Rathaus vorbei, um die Kirche herum. Treffe das Paar wieder. "Da drüben das ist die Pension". "Danke". Der Laden hat auf, aber kein Zimmer mehr frei. Werde freundlich weiter geschickt. Die Wirtin zeigt mir, vor die Tür tretend, zwei weitere Häuser die Unterkunft bieten. "Dort wo die grüne Schirme stehen, oder dort drüben beim Fidschi". Die grünen Schirme sind mir lieber. Versuche es da. Hinter den grünen Schirmen verbirgt sich ein Café. Da ist die Tür zugeschlossen. Die Tür des anschließendes Blumengeschäftes steht offen. Eine Blumenbinder beim Räumen. "Bitte ich suche ein Zimmer". Freundlich strahlt sie mich an. "Das bekommen sie nebenan". Da ist alles verschlossen". Eine Etage höher, da ist die Kellnerin, mit der müssen sie sprechen". Sie zeigt auf eine dunkle, verschwiegene Treppe. Ich finde keinen Schalter um die Dunkelheit im Treppenaufgang zu vertreiben, dafür aber ein Aufzug der mich eine Etage höher bringt. Niemand da im oberen Café. Ein Tresen, dahinter ein Schlüsselbrett mit Zimmerschlüsseln. Leere sauber Tische mit kleinen, künstlichen Blumengestecken. Ein leises "Hallo". Nichts schallt zurück. Ein lautes "Hallo". Wieder nichts. Meine Stimme wird lauter, schreie mein "Hallo" in die aufstehende Küchentür. ---Nichts! Wandere von Gastraum zu Gastraum, alles bleibt still. Höre am Treppenaufgang verhaltenes Murmeln von unten. Auf ein weiters kräftiges "Hallo" das ich in den Treppenschacht schreie, Schallt es süß von unten herauf: "Ich komme". "Wie kommen sie denn hier rein" die Begrüßung der Dame. "Hab den Fahrstuhl genommen, die Treppe war mir zu finster". "Wir haben überall Schalter zum Licht an knipsen". Habe ich nicht gefunden; aber jetzt ja wir uns beide. Bitte ich möchte ein Zimmer".
"Für eine Nacht"? "Ja" "Ich schaue nach ob was frei ist". Sie verschwindet. Frei ist bestimmt was, bei den vielen Schlüsseln am Schlüsselbrett geht es mir durch den Kopf. Das ist so eine Marotte der Vermieter, erst einmal die Entscheidung offen halten, den Kunden etwas zappeln lassen, um damit den Preis des Zimmers etwas anheben zu können. Ein altes, sich immer wieder holendes Spiel. Ich bekomme mein Zimmer. 40 Euro für die Nacht, 6 Euro kommen fürs Frühstück dazu.  Ein schönes Einzelzimmer mit Blick auf das gegenüberliegende Rathaus. Toilette top, selbst ein Fön ist vorhanden! Probiere erst einmal aus ob das Ding auch warme Luft pustet. Bin da etwas vorbelastet. Der Fön ist perfekt, kann also duschen und die Haare waschen. Gut getroffen bei den grünen Schirmen, nur Abendbrot gibt es nicht im Hause. "Da kann ich ihnen nicht weiter helfen" säuselt mir süß die Kellnerin, auf meine Nachfrage wo ich essen könnte, zu.
Finde keine offene Kneipe in der Stadt Hettstedt. Eine Dönerbude bleibt die Alternative. Kenne mich in solchen Gasträumen nicht so richtig aus. Bemerke aber schnell, dass man alles selbst am Tresen abholen muss. Das Riesenangebot was da angeschrieben ist bringt mich durcheinander. Bestelle erst einmal einen gemischten Salatteller für 4,50 Euro. Der junge Mann hinter dem Tresen meint es gut mit mir. Haut mit einer Zange verschieden farbiges, schon Geschnittenes an Salaten auf den Teller. Schaufelt einen richtigen Berg darauf, fragt welche Soße ich möchte. Zeigt auf drei Soßentröge, schaut mich an. Ich natürlich keine Ahnung was da angeboten wird zeige auf den mittleren Trog aus dem ein appetitliche Weiß mir zublinkt. "Knoblauchsoße"? Ich nicke. Eine halbe Kelle wird drüber gekippt. Wieder fragende Augen: "Noch Mehr"? Ich schüttele mit dem Kopf, er reicht mir den Salattellerberg. Nehme mir noch eine Flasche Raderberger für 2 Euro aus dem Kühlschrank. Bezahlen soll ich später.Trage alles nach oben in den nüchternen Gastraum. Freue mich über die fünf Rosenknospen in der Tischvase. Knuspere mir meinen Salat vom Teller. Hätte doch mehr Soße nehmen sollen! Zum Ende meiner Mahlzeit komme ich mir vor wie ein Rindvieh auf der Weide. Ungewürzt wird die vegetarische Kost vertilgt. Gut dass ich kein Wiederkäuer bin. Das Ganze noch einmal! Nein, nein. Nein!
Dann lieber noch eine zweite Radeberger!
Der Fernseher auf meinem Zimmer soll mich trösten. Sein Bild ist voller Griesel mit wechselnder Helligkeit. Kann knapp den helmbewerten Polizisten auf seinem Motorrad erkennen. Habe ja auch genug gesehen an diesem Tage. Nein das Grieselbild brauche ich nicht mehr!
Indem der Bildschirm seine Helligkeit verliert, verlöscht der Schlaf meine Gedanken.

Otto Pake

10 Rathaus Hettstedt

11 St. Jacobi

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