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1 Woll-Ziest


Ruhepunkt, Ruhegarten um die Kirche. Weißblühender Birnbaum vor dem blutroten Trieb der Blutbuche. Grabplatten umrahmt von Gänseblümchen (Bellis perennis) in grüner Wiese. Salweiden am Jordan in hellgrün, zwei schmale, dunkle hoch aufstrebende Serbische Fichten (Picea omorica). Alte, in die Jahre gekommene Stallgebäude im Hintergrund. Ein Denkmal für die Gefallenen der letzten Kriege.
Für ein kleines Wegestück durch den Ort verschwindet der Jordan aus dem Blick. Taucht aber hinter den Wiesen, dem Klein-Gartengelände bald wieder auf. Heitere Blicke in verspielte, süße Gärten. Die Aubretien, die Blaukissen in weiß, rosa und wie ihr Name sagt in blau, schmücken die Gartenwege. Geschnitte Rosensträucher.
Wir wechseln hinter der Bachbrücke die Seite des Jordan. Ein super, schmaler Pfad verläuft am Hang unter knorrigen, lebenden, toten Kirschbäumen im Meer der Löwenzahnblüten. Ein Büschel vom silberblättrigem Woll-Ziest, auch Esel- oder Hasenohr in der Gärtnersprache, (Stachis byzantina), ein Weggeworfener aus einem der Gärten. Bestände von Gewöhnlichen Kreuz-Labkraut (Crusiata laevipes). Hinter Timmenrode türmen sich die letzten Sandsteintürme  der Blankenburger Teufelsmauer, das "Hamburger Wappen" auf. Neben der Straße eine "Zwölfköpfige" geschnittene Tujahecke, bewacht von einem Terrakotta-Jüngling mit Primelkorb. Das Werk eines geduldigen Gartenkünstlers. Vor dem Angelteich zweigt der Weg  zum Schulmeisterberg ab.  Folgen seinen Kamm auf selten begangenen Pfad.  Die Frühe Traubenkirsche (Prunus padus), angeblühter Wolliger Schneeball (Virburnum lantana) begleiten unseren Weg.
Große metallic schimmernde Rosenkäfer an den Blüten der Traubenkirschen, des Weißdorn (Crategus). Rast auf einer einsamen Bank mit Blick zu den Wälder der Berge. Sträucher mit leuchtend roten Galläpfel. Eine mir unbekannte Kinderstube von Gallwespen. Wenn man denkt, man kann sich auf Wanderkarten verlassen, den aufgedruckten Wegen folgen, sieht man sich enttäuscht. Der Weg über den Schulmeisterberg endet abrupt. Die Wiese, durch die er führt, ist in eine Ackerfläche verwandelt. Mais steht jetzt dort wo sich früher die bunte Wiesen-Vielfalt ausbreitete, der Weg hinüber zum Friedhof Thale verlief. Am Saum der Büsche, hart am Ackerrand laufen wir, stoßen in der Senke auf einen aufgepflügten Wall zwischen zwei Äckern. Gelangen so, mal in das Rapsfeld, mal in das Getreidefeld tretend zu dem Feldweg bei den nicht zu übersehenden Strommasten. Wir sind nicht die Ersten die diesen Weg gewählt haben. Es hat sich schon ein kleiner Trampelpfad gebildet, dem leicht zu folgen ist. Frechheit und Eigennutz der Landwirte sind die treibende Kraft, die Wege einfach verschwinden lässt. Doch abgestimmt wird hier mit den Solen der Wander-Stiefel. Rote Taubnesseln in Masse am Feldweg. Nicht nur das, sondern auch Schutt und anderer biologischer Abfall. Selbst die Taubnesseln können diese Mengen nicht mehr überwachsen. Ärger über soviel Unverstand treibt die Galle in die Kehle! Auf dem Thaler Friedhof wachsen noch immer die interessanten "Kannenbäume". Eisenrohrgestelle mit verschiedenfarbigen Gießkannen behängt. Einmalig! Gegenüber vom Friedhofsparkplatz leiten Holzstufen hoch zum 214m hohen "Kahler Berg". Eine Sendeanlage markiert die trockene, kurzgrasige Höhe. Nur ein paar Kiefern, Weißdorn-Sämlinge drängen sich seitlich in die Trockenfläche. Weit wandert der Blick von hier über die Dächer von Thale, zum Taleinschnitt zwischen Hexentanzplatz und Rosstrappe. Er markiert den Lauf der Bode, die dem großen Canon des Harzes ihren Erosions-Stempel aufgedrückt hat. Beim Abstieg durch ein wildes Gewirr von Büschen, die mit ihren Ranken, Zweigen, Ästen den schmalen Pfad immer mehr verengen, unsere Kleidung festhält, ist Vorsicht angesagt. In den zwangsläufigen Entwirrungs-Pausen, bei denen wir versuchen unsere festgehaltenen Hosen und Jacken, ohne größere Schäden zu verursachen, aus den haltenden Dornen und Stacheln wieder zu befreien, fallen uns die braunroten Staubgefäße des Zweigrifflige Weißdorn, am Boden die tiefgeschlitzten Blüten der Großen Stern-Miere (Stellaria holostea), ins Auge. Auch die schmutzig gelben Blüten des Acker-Hederich (Raphanus rashanistrum).entdecken wir. Der macht sich an der Gebüsch- / Ackerkante breit, bringt mich ein wenig ins Grübeln. Ist schon lange her, dass ich diesen Ackerbewohner zuletzt gesehen habe. Er hat sich in unseren Feldern rar gemacht!

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