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Noch ist der Schnee nicht so hoch, dass schon das Spurgerät zum Einsatz kommen kann. Selbst die Spur treten, wie zu vergangenen Zeiten ist angesagt. Eine Familie mit kleinen Kindern tobt sich im Schnee aus. Die Kleinen balancieren über umgestürzte Fichten, krabbeln drunter und drüber hin, jubeln über die Riesengaudi die ihre Balgerei im Schnee bietet. Uns beiden wird es Angst und Bange über die nicht erkannten Gefahren die die Kinder unbewusst eingehen, die die sorglos Beifall klatschenden Eltern auch nicht erkennen. Sollte man sich einmischen? Wir bleiben beim "sollte", hoffen auf das Überwachen eines Größeren.
Bei den "Zwergenmützen", meine Fingerspitzen kribbeln, durch andauerndes Schwenken des Armes ist ihre Taubheit gewichen, klappt es dann mit dem Reißverschlusschnippel. Welche kleinen Details manchmal zum "glücklich sein" beitragen.
Ein verliebtes Pärchen mit Sommerschuhen im Schnee kurz vor Torfhaus: "Wie weit ist es noch zum Brocken"? "Gut zwei Stunden". Liebende Blicke werden getauscht. Leichtes Kopfschütteln der Braut. "Danke schön".
Auf Torfhaus staut sich Auto an Auto. Volle Parkplätze. "Wo stecken die vielen Leute"? "Es gibt doch genug Kneipen". Der Yeti ist eingeparkt, trägt eine Schneehaube. Leicht lässt sich Scheibe und Motorhaube mit Handschuh und Ärmel vom Schnee befreien. Horst löst für 4 ? das Ausfahrt-Schranken-Ticket. Donnert mit viel Schwung auf die andere Straßenseite, so flott, dass ein Gegensteuern erforderlich wird. Auch Allradfahrzeuge unterliegen den Fliehkräften! Am Torfhausanstieg des Lärchenkopfes, mit seinen vier Fahrspuren schiebt sich der Schneepflug zu Berge. Zieht eine endlose Schlange von PKWs hinter sich her. Bald bleib uns nur die linke Fahrbahn, die anderen sind aufgeteilt in: "Hinter" dem Schneepflug fahrende, gesittete Harztouristen, den "Ungeduldigen" auf der zweiten Spur, die noch einen Parkplatz, einen Platz in der Wirtschaft finden möchten und den "Sportlichen" auf der dritten Spur, meist Fahrer hinter einem Stern und anderen gehobenen Symbolen, die nicht stehen bleiben dürfen, bzw. können, weil sie, bei einem Stopp, vor lauter Kraft nicht wieder anfahren können.
Uns bleibt nur, hübsch sachte, rechts, hinter den Bremslichtern vorausfahrender Schleichender zu bleiben. Horst hat die Auto-Heizung ganz nach oben geschoben. Sommerwind bläst ins Gesicht. Die Schneereste von Jacke, Kragen, Haaren, Mütze, schmelzen. Schmelzwasser sammelt sich im Hemd, im Unterhemd. Eine Einkehr wird verworfen. Ich zu nass, Horst im Fernsehfieber. "Zum Verfolgungsrennen der Biathleten komme ich noch zu recht. Otto, gut dass wir so früh losgegangen sind. Das war ein Tag nach meinem Herzen! Du weist ja, wer das Wetter scheut, erlebt auch nichts." Horst quillt vor Begeisterung über. Ich bin da nüchterner. Nass und kalt klebt der Stoff auf meiner Haut. Saukalte Finger und nichts im Bauche außer dem leichten Frühstück vom Morgen. Fürs Schwärmen bin ich nicht in Stimmung. Schnell fliegen die feuchten Klamotten in die Ecke, besser an den Kleiderhaken, in die Wäsche. Die Dusche bleibt links liegen. Selbst warmes Wasser ist mir im Moment zu nass! Das Handtuch rubbelt mich warm. Frisches Hemd und was sonst noch dazu gehört angezogen. Mit der Wolldecke aufs Sofa, dass ist mein gesuchtes und gefundenes "Glück" des Nachmittags" am 3.12., dem 1. Advent. 2017.
Erst viel später, ich bin wieder warm, lockt mich der warme Strahl.
Das Kribbeln der Fingerspitzen bleibt. Tragen mir immer noch ihre schlechte Behandlung auf dem Brocken nach.
Otto Pake

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